München, Frankfurt a.M. (epd). Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sind am Samstag Zehntausende Menschen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Die "Prüf"-Initiative, die vielerorts zu Demonstrationen aufgerufen hatte, sprach von insgesamt 150.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in mehr als 20 Städten. Zu den Protesten, bei denen unter anderem ein AfD-Verbotsverfahren gefordert wurde, hatten mehre Bündnisse und Initiativen aufgerufen.

In Hamburg kamen 25.000 Menschen unter dem Motto "Zeit zum Handeln - Freiheit muss verteidigt werden" zusammen. Dort sprach auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs. In ihrer Rede warnte sie vor gesellschaftlicher Kälte, die ein Sieg von Rechtsextremisten mit sich bringe. "Auch das ist ein Klimawandel, den wir aufhalten müssen."

EKD-Ratsvorsitzende: Haltung zeigen

"Für die Kirche sage ich glasklar: Völkisch-nationales Denken ist mit christlichem Glauben nicht vereinbar", sagte die Hamburger Bischöfin. Die Zivilgesellschaft rief Fehrs dazu auf, entschlossen zusammenzustehen und Haltung zu zeigen.

In Berlin zog eine "Sterndemonstration" mit einer breiten Themenpalette aus verschiedenen Stadtteilen zum Roten Rathaus, dem Sitz der Landesregierung. Zu den Protesten hatten rund 100 Organisationen aufgerufen, darunter Bündnisse gegen Rechtsextremismus, Gewerkschaften, Umwelt- und Klimaschützer. In der Stadt werden am kommenden Sonntag ein neues Abgeordnetenhaus und neue Bezirksverordnetenversammlungen gewählt.

Mit der Berliner Demonstration sollte ein "Zeichen gegen Spaltung und für eine solidarische, weltoffene Stadt" gesetzt werden, hieß es im Aufruf unter dem Motto "Zeit, dass sich was dreht!". Die verschiedenen Demonstrationszüge, darunter auch eine Fahrradsternfahrt, waren unterschiedlichen Themen gewidmet.

20.000 Menschen in Düsseldorf

In Düsseldorf kamen nach Angaben eines Polizeisprechers rund 20.000 Menschen zusammen. Aufgerufen zu der Veranstaltung hatten außer der "Prüf"-Initiative auch "Düsseldorf stellt sich quer" sowie der "Düsseldorfer Appell".

Die "Prüf"-Initiative fordert eine Überprüfung von als rechtsextrem oder als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuften Parteien durch das Bundesverfassungsgericht. "Prüf" steht für "Prüfung Rettet Übrigens Freiheit!". Zu den Protesten am Samstag hatten auch das zivilgesellschaftliche Bündnis "Zeit zum Handeln" und die Kampagnenorganisation Campact aufgerufen.

Proteste auch in München, Leipzig und Magdeburg

Proteste gab es laut Campact in vielen weiteren Städten, etwa in Magdeburg, München und Leipzig. Allein in Berlin hätten sich 32.000 Menschen beteiligt, hieß es.

"Gemeinsam stellen wir uns hinter die Forderung nach einem AfD-Verbot", sagte Christoph Bautz, geschäftsführender Vorstand von Campact. Eine funktionierende Demokratie müsse sich wehren, wenn sie von Verfassungsfeinden bedroht werde.

AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt

Die AfD kam bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September auf 43,8 Prozent der Stimmen und wurde damit die mit Abstand stärkste Kraft im künftigen Landtag in Magdeburg. Zur absoluten Mehrheit fehlen der im Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei dort nur drei Sitze.

Über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren wird immer wieder diskutiert. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), sprach sich vor wenigen Tagen für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und etwaigen Rechtsfolgen aus.