Bamberg, Nürnberg (epd). Das Vertrauen in demokratische Institutionen wächst nicht automatisch, wenn sich das Einkommen erhöht. Eine Studie der Universität Bamberg auf der Grundlage von Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass das Vertrauen in demokratische Institutionen von Beschäftigten im Niedriglohnbereich zwischen 2019 und 2023 nicht wuchs, obwohl ihre Löhne real deutlich stiegen, teilte die Universität am Dienstag in Bamberg mit. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Acta Sociologica" erschienen.
Die Forschenden unterschieden drei Gruppen danach, wie viel die Befragten 2019 pro Stunde verdienten: weniger als 12 Euro, zwischen 12 und 16 Euro sowie mehr als 16 Euro. Die stärksten Lohnzuwächse verzeichnete die erste Gruppe. Ihre realen Stundenlöhne lagen 2023 rund 18 Prozent höher als 2019. Die Lohnungleichheit zwischen den Gruppen verringerte sich damit. Das Vertrauen in Institutionen wie politische Parteien, Bundesregierung, Bundesverfassungsgericht und Polizei sank zwischen 2019 und 2023 jedoch in allen drei Lohngruppen.
Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen spielen eine Rolle
"Für Vertrauen scheint nicht allein entscheidend zu sein, wie sich die eigene wirtschaftliche Situation entwickelt", sagte Alexander Patzina vom Lehrstuhl für Soziologie der Universität Bamberg. Auch der gesellschaftliche Kontext und die Wahrnehmung politischer Entwicklungen spielten eine wichtige Rolle.
Die Jahre 2019 bis 2023 seien von der COVID-19-Pandemie, hoher Inflation, geopolitischen Krisen und politischen Konflikten geprägt gewesen, sagte Matthias Collischon vom IAB. Solche Entwicklungen könnten positive Effekte persönlicher wirtschaftlicher Verbesserungen überlagert haben. "Maßnahmen, die Löhne erhöhen und Lohnungleichheit verringern, reichen allein offenbar nicht aus, um das Vertrauen in demokratische Institutionen zu stärken", sagte Collischon.