Bamberg (epd). In ganz Deutschland waren am Sonntag mehr als 7.000 Denkmale für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Veranstalterin des bundesweit größten Kulturevents mit 11.000 Veranstaltungen an nur einem Tag ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Bei der zentralen Eröffnungsfeier, die heuer in der Welterbe-Stadt Bamberg stattfand, betonten Politiker und Denkmalschützer den Wert historischer Gebäude, auch mit Blick auf die Umwelt und kommende Generationen.

"Der Erhalt historischer Gebäude ist gelebte Nachhaltigkeit", unterstrich Bayerns Staatssekretär Martin Schöffel bei der Auftaktfeier. "An der Bauweise aus früheren Zeiten mit einfachsten Mitteln können wir uns wieder orientieren," sagte er. Denkmäler seien zudem nicht nur alte Gebäude, sondern zeugten von einer jahrhundertealten Geschichte, die Menschen und ihre Heimat prägten und die für kommende Generationen erhalten werden sollten, erklärte der CSU-Politiker. Die Welterbe-Stadt Bamberg lobte er dabei als vorbildlich und attestierte ihr, eine der schönsten Städte Bayerns zu sein.

Luxusobjekte sind die Ausnahme

Auch Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, betonte, dass das Bewahren historischer Gebäude gelebter Klimaschutz sei: "Es sollte der Normalfall sein, dass wir Gebäude ertüchtigen, pflegen und reparieren." So wie es der private Hausbesitzer mache, müsse es auch die öffentliche Hand tun. "Alle sollten sich anstrengen", forderte er von der Politik. "Wir können unseren Vorfahren dankbar sein, dass sie uns das wertvolle Erbe hinterlassen haben und wir es in die Zukunft tragen dürfen". Denkmalschutz sei so wichtig wie nie, mahnte er.

Gleichwohl räumte er ein, dass der Denkmalschutz einen erstaunlich schlechten Ruf habe. "Bei dem Thema denken viele an hohe Kosten oder Einmischen durch Behörden", bedauerte er. Auch Luxus oder Einzelobjekte würden damit in Verbindung gebracht, "aber das sind ganz große Ausnahmen", so der oberste deutsche Denkmalschützer. "Wir erleben zum Glück viele begeisterte Menschen, die den Mehrwert historischer Gebäude zu schätzen wissen."

#Blick in geheime Gebäude

Vor der Kulisse barocker Gebäude sagte auch Bambergs Oberbürgermeister Sebastian Martins Niedermaier (SPD), dass eine historische Stadt kein lebendiges Museum sei. Im Gegenteil: In Bamberg würden die Bürger und Bürgerinnen mit Leidenschaft ihre Stadt mitgestalten. "Wir bauen hier zum Beispiel die Dachgeschosse alter Gebäude aus, um Wohnraum zu schaffen. Das ist maximal klimagerecht", sagte das Stadtoberhaupt. Außerdem erinnerte er an die enorme Handwerkskunst, die dahinterstecke. Niedermaier, von Beruf Gärtnermeister, lebt selbst in einem historischen Gärtnerhaus.

Allein in der Domstadt Bamberg hatten an dem Aktionstag mehr als 60 Denkmale geöffnet, bayernweit waren es 820. Trotz regnerischen Wetters kamen etliche Menschen, um das kostenlose Angebot zu nutzen. Im ganzen Land besuchten sie sonst vielfach verschlossene Orte, wie Kirchen, Schlösser oder Industriedenkmäler oder schauten Restauratoren oder Kirchenmalern über die Schulter.