München (epd). Die Vorsitzende des bayerischen Landesverbands der Dolmetscher und Übersetzer, Jeannette Lakèl, fordert von der Politik einen wirksamen Urheberrechtsschutz gegenüber Anbietern Künstlicher Intelligenz (KI). "Es ist nicht hinnehmbar, dass KI-Entwickler fremde Texte ohne Vergütung und ohne Zustimmung für das Training ihrer KI-Modelle nutzen", sagte Lakèl dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zudem warnt die Sprachexpertin vor überzogenen Erwartungen an Sprachmodelle. Intelligent im eigentlichen Sinne sei KI nämlich nicht, betonte Lakèl. Große Sprachmodelle berechneten lediglich die Wahrscheinlichkeit von Wortfolgen, verstünden jedoch keine Kommunikationsabsichten oder inhaltliche Zusammenhänge.

Grenzen der Technologie

Automatisierte Übersetzungen klängen zwar oft flüssig, enthielten laut Lakèl jedoch häufig Fehler, Auslassungen oder gar erfundene Inhalte. Die Gefahr liege darin, dass Menschen den Marketingversprechen glaubten, KI könne die menschliche Arbeit vollständig ersetzen. In der Branche führe diese Entwicklung zu spürbaren Verwerfungen. Fachleute schauten sich nach anderen Betätigungsfeldern um, weil ihre Kompetenz im Zuge des KI-Booms zu wenig wertgeschätzt werde, erläuterte Lakèl.

Besonders kritisch bewertet Lakèl Sparüberlegungen bei staatlichen Stellen. Es bereite Sorgen, wenn Ämter oder Einrichtungen im Gesundheitswesen KI-Sprachprogramme aus reinen Kostengründen einsetzen wollten. Gerade in solchen Bereichen sei der Einsatz qualifizierter Sprachmittler unverzichtbar, der tatsächliche Bedarf an Fachleuten bei Justiz und Behörden steige sogar.

Um diesen Bedarf langfristig zu decken, verlangt Lakèl auch ein politisches Gegensteuern in der Bildung. Weil fälschlicherweise behauptet werde, der Beruf habe keine Zukunft, gingen die Studierendenzahlen spürbar zurück. Werden Studiengänge für Dolmetscher und Übersetzer gestrichen, fehlten der Gesellschaft schon bald unverzichtbare Fachleute, mahnte die Landesverbandsvorsitzende.