München (epd). Viele Eltern in Deutschland befürworten eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Im Alltag wird ein Modell, bei dem beide Elternteile in Teilzeit arbeiten, jedoch nur selten umgesetzt. Das geht aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach praktizierten nur etwa sieben Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern dieses Arbeitszeitmodell.

Mütter und Väter stehen demnach vor einem Dilemma: Sie müssen ihre Vorstellungen von Elternschaft mit der finanziellen Absicherung der Familie vereinbaren. Ökonomische, institutionelle und arbeitsmarktbezogene Bedingungen erschwerten bislang, dass beide Elternteile in Teilzeit arbeiten, teilte das Deutsche Jugendinstitut mit. Immer noch übernähmen Mütter den Großteil der Sorgearbeit in den Familien. Für die Untersuchung befragten Forschende im Sommer 2025 rund 480 Eltern und 410 Fachkräfte aus der familienbezogenen Sozialen Arbeit.

Mütter übernehmen größtenteils Sorgearbeit

Die Familiensoziologin Claudia Zerle-Elsäßer vom DJI sieht in der ungleichen Arbeitsteilung auch finanzielle Risiken. Wenn das Familieneinkommen überwiegend von einem Elternteil abhänge, könne ein Arbeitsplatzverlust die Familie schnell in Schwierigkeiten bringen. Besonders hoch sei das Armutsrisiko nach einer Trennung oder Scheidung. Dem Bericht zufolge sind bundesweit 43 Prozent der Haushalte von Alleinlebenden mit Kindern armutsgefährdet. In Paarhaushalten, in denen beide Elternteile arbeiten, liege der Anteil bei weniger als fünf Prozent.

Damit sich für Familien etwas verbessere, seien geeignete Rahmenbedingungen wichtig, erklärten die Autoren der Studie. Dazu gehörten eine verlässliche und qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung, flexible Arbeitszeiten sowie steuerrechtliche Regelungen, die eine gleichberechtigtere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit begünstigten. Auch Familien- und Sozialleistungen seien wichtig, insbesondere für Alleinerziehende und armutsbetroffene Familien.