23.12.2019
Feiertage für Christen und Juden

Charlotte Knobloch über den Zauber von Weihnachten und Chanukka

Weihnachten und Chanukka: Das christliche und das jüdische Fest ähneln sich - allein wegen der Lichter. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, liebt die Festbeleuchtung zu den Feiertagen. Im Interview erzählt die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, wie sie Chanukka verbringt und was sie entgegnet, wenn ihr jemand "Frohe Weihnachten" wünscht.
Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Frau Knobloch, Sie sind keine Christin, bekommen aber bald auch wieder von überall 'Frohe Weihnachten' zu hören. Stört Sie das, oder freuen Sie sich darüber?

Charlotte Knobloch: Meine Religion steht mir ja nicht auf der Stirn geschrieben. Wenn mir jemand 'Frohe Weihnachten' wünscht, nehme ich das dankend entgegen. Der Wunsch, der uns natürlich sehr erfreut, ist 'Happy Chanukka'. Weihnachten und Chanukka sind ja ziemlich ähnlich: Beides sind Lichterfeste. Ich finde es wunderbar, wenn wir es so wie dieses Jahr zusammen feiern können. Chanukka beginnt ja diesmal am 22. Dezember.

...und dauert acht Tage. Wie verbringen Sie die Feiertage?

Knobloch: Ich verbringe die Feiertage inmitten meiner Familie, hoch in den Bergen. Ich habe ja drei Kinder, sieben Enkel und inzwischen auch schon drei Urenkel. Wir entzünden jeden Abend eine Woche lang die Chanukka-Kerze. Und ich habe für die Kinder Geschenke vorbereitet.

Weihnachten und Chanukka sind zwar vom Hintergrund her unterschiedlich, aber äußerlich ähneln sie sich.

Und übrigens: Auch bei den jüdischen Jugendlichen steht die Religion nicht mehr im Vordergrund. Auf die Frage, was man an Chanukka feiert, wird man wahrscheinlich zu hören bekommen: Man bekommt Geschenke. Das ist wie bei den Christen. Da wissen ja auch schon einige nicht mehr, warum man eigentlich Weihnachten feiert.

Weihnachten kann man derzeit nicht entkommen - überall Glühwein, Christkindlmärkte, O Tannenbaum ... Mögen Sie und die jüdische Gemeinschaft das Weihnachtsflair?

Knobloch: Weihnachtsbäume gab es in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland vor 1933 durchaus, wenn auch nicht in jedem Haushalt. Für die jüdischen Menschen, die heute hier leben, ist Weihnachten ein Fest, an dessen schönen Seiten - wie Lichterschmuck und Süßigkeiten - man sich erfreuen kann, auch wenn man es selbst aus religiösen Gründen natürlich nicht feiert.

Auch ich freue mich über den Lichterschmuck: Die internationalen Weihnachtsdekorationen, zum Beispiel in Paris, New York oder London, sind wunderschön. Eine solche Festtagsdekoration fehlt in meiner Heimatstadt leider. München ist da ziemlich dunkel und düster. Manchmal ärgert es mich schon, dass sich gerade die bayerische Landeshauptstadt so dunkel darstellt, obwohl wir mit eleganten Prachtstraßen aufwarten können.

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