Zahlreiche Gäste aus Politik und sozialem Bereich kamen zusammen, um eine Arbeit zu würdigen, die seit 1976 Menschen in herausfordernden Lebenssituationen begleitet. Geschäftsführerin Manuela Bierbaum begrüßte die Gäste zu einem Abend, der schnell deutlich machte, welchen Stellenwert die Einrichtung in der Region genießt. Oberbürgermeister Stefan Schmalfuß, Landrat Dr. Oliver Bär, Regierungsvizepräsident Thomas Engel und die stellvertretende Landrätin Martina von Waldenfels unterstrichen in ihren Grußworten übereinstimmend, wie wichtig die verlässliche Arbeit der Beratungsstelle für die Gesellschaft sei – über fünf Jahrzehnte hinweg.
Ein mutiger Schritt, zu jeder Zeit
Den emotionalen Mittelpunkt des Abends bildete die Festrede von Alessandra Sherman, Leiterin der Beratungsstelle. Sie nahm die Gäste mit auf eine Reise durch 50 Jahre Zeitgeschichte: von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1970er-Jahre über wichtige gesetzliche Veränderungen bis zu den Herausforderungen der Gegenwart – Migration, Pandemie und eine zunehmend komplexe soziale Wirklichkeit.
"Sich für ein Kind zu entscheiden, war zu jeder Zeit auch ein mutiger Schritt", betonte Sherman in ihrer Rede. Die Beratungsstelle habe Menschen begleitet, die Orientierung suchten, Fragen hätten oder sich in schwierigen Situationen befänden – und das stets wertschätzend, ergebnisoffen und auf Augenhöhe.
Tausende Begegnungen, ein gleichbleibender Grundsatz
Seit der Gründung 1976 haben insgesamt 17 Beraterinnen und sieben Verwaltungskräfte an den Standorten Hof und Marktredwitz unzählige Frauen, Paare und Familien unterstützt. Heute zählt die Einrichtung rund 1.200 Beratungskontakte pro Jahr. Das Angebot reicht weit über die klassische Schwangerschaftskonfliktberatung hinaus: Soziale und psychosoziale Begleitung, Präventionsarbeit und sexualpädagogische Angebote an Schulen gehören längst zum festen Aufgabenfeld.
Wie stark sich die Rahmenbedingungen über die Jahrzehnte gewandelt haben, machte Sherman in ihrer Rede deutlich: "Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche haben direkten Einfluss darauf, welche Menschen zu uns kommen und welche Themen sie mitbringen." Was sich dabei nie verändert habe, sei der Grundsatz, dass jeder Mensch einzigartig sei und ein Recht auf respektvolle Beratung und Unterstützung habe.
Fachlicher Blick auf frühe Traumata
Für einen inhaltlichen Höhepunkt sorgte Traumapädagogin Theresa Cordes mit ihrem Vortrag "Frühe Traumata präventiv begleiten – das Familiensystem im Blick". Sie zeigte auf, wie entscheidend frühzeitige Unterstützung für Familien ist, um belastende Erfahrungen zu verarbeiten und langfristig Stabilität aufzubauen.
Genuss und Musik zum Jubiläum
Auch jenseits der Reden bot der Abend reichlich Gelegenheit zum Austausch. Kulinarisch wurden die Gäste vom Ausbildungsrestaurant Schelters sowie vom Hofer "Wärschtlamo" Marcus Traub verwöhnt, musikalisch sorgte die A-cappella-Band Voice Club für die passende Stimmung.
Am Ende des Abends blieb ein klarer Eindruck: Die Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie Hochfranken ist seit 50 Jahren ein verlässlicher Anker für Menschen in sensiblen Lebensphasen. Und sie wird es, da waren sich an diesem Abend alle einig, auch in Zukunft bleiben.