Drei im Weggla oder Knackersemmel? Schupfnudeln oder Langos? Gebrannte Mandeln oder doch lieber die schokolierten Trauben? Weihnachtsmärkte sind Entscheidungsarenen für Unentschlossene – und ein Gaumenschmaus für alle anderen.
Die Redakteur:innen von Sonntags stellen euch ihre Top-Favoriten in Bayern vor.
München: Haidhauser Weihnachtsmarkt auf dem Weißenburger Platz
Tipp von Eva-Katharina Kingreen
Mitten im Franzosenviertel, auf dem Weißenburger Platz in Haidhausen, stehen 50 festlich geschmückte Buden im Kreis. Sternförmig führen die Straßen auf den Platz zu, und jeder Eingang entfaltet seinen eigenen Charme. Mal kommt man durch eine schmale Fußgängerzone, mal durch eine breitere Straße. Alle Wege führen sicher zum Haidhauser Weihnachtsmarkt. Verfehlung: ausgeschlossen.
Angekommen beginnt das Kreislaufen. Verfehlen kann man sich nicht, da alle im Kreis unterwegs sind. Man kann sich wunderbar unterhalten, weil man nebenbei keine Entscheidungen fällen muss – rechts oder links, diesen Stand oder jenen. Man kommt an allem vorbei und ist geborgen in einer Winterwelt ohne Autos, ohne Arbeitshektik, ohne den Druck, noch eben in den Supermarkt zu flitzen.
Wer Bier liebt, findet hier neben den üblichen Heißgetränken das spezielle Christmator-Bier, wer Herzhaftes sucht: ungarisches Langos, Schaschlik oder Flammlachs. Mein persönliches Highlight: die Reiberdatschi! Frisch zubereitet, außen kross, innen weich – jene perfekte Mischung aus fettig und essbar, die man auf Weihnachtsmärkten einfach liebt.
Ein niedliches, liebevolles Highlight ist zudem eine Seilbahn über den Ständen, auf dem ein kleiner Weihanchtsmann auf dem Fahrrad hin und her radelt. Ein liebevolles Detail: Über den Ständen schwebt eine Seilbahn, auf der ein kleiner Weihnachtsmann unermüdlich auf seinem Fahrrad hin und her radelt.
Der Weihnachtsmarkt ist bis einschließlich dem 23. Dezember geöffnet. Mehr Infos hier.
Schwabinger Weihnachtsmarkt: Kunsthandwerk und Krempel
Tipp von Rieke C. Harmsen
Der Schwabinger Weihnachtsmarkt ist noch am ehesten so, wie ich mir das vorstelle: Es gibt weniger Essen und mehr Kunst und Krempel. Die Stände bieten fast ausschließlich Kunsthandwerk vom Feinsten: Selbstgenähte Taschen, dekorierte Kerzen, Töpferwaren - und natürlich unendlich viel Schmuck in allen Preisklassen. Im Zentrum des Weihnachtsmarktes, der sich an der Münchner Freiheit befindet, ist eine kleine Bühne, auf der viel Musik zu hören ist, von Jazz über Klassik bis hin zu familienfreundlichen Aktionen.
Mein kleiner Lieblings-Glühwandstand befindet sich ganz hinten in einer Ecke. Dort gibt es nicht nur einen leckeren alkoholfreien Glühwein, sondern auch eine gute vegane Wurst und einen Unterstand, falls es mal regnen sollte. Sehenswert ist auch die Galerie im Kunstzelt, die Werke von über Künstler*innen aus München zeigt, sowie die XMAS-Pop-Up-Bude, in der jede Woche neue KünstlerInnen ihre kreative Werke präsentieren. Und dann gibt es noch eine Initiative, die vor allem soziale Projekte fördert: Die Soziale Hütte.
Der Mondscheinexpress am Bahnwärter Thiel
Tipp von Ayana Lüdtke
Im winterlichen Glanz verwandelt sich der Bahnwärter Thiel in ein funkelndes Weihnachtswunderland: Der "Mondscheinexpress" lädt zum Träumen, Staunen und Genießen ein. Zwischen alten Waggons, leuchtenden Lichterketten und dem Duft von Glühwein und Zimt liegt ein Hauch von Nostalgie und Märchenluft.
Kreative Stände präsentieren handgemachtes Kunsthandwerk, besondere Geschenkideen und kulinarische Köstlichkeiten, wie gebrannte Mandeln, saftige Lebkuchen, frisch gebackene Flammkuchen, vegane Bratwürste, heiße Cocktails und hausgemachten Punsch, während sanfte Musik und warme Feuerschalen für eine gemütliche Atmosphäre sorgen.
Sobald die Sonne untergeht, erwacht der Mondscheinexpress erst richtig zum Leben: ein kunterbuntes Abendprogramm aus Live-Musik, DJ-Sounds und weiteren Performances sorgt für festliche Stimmung bis spät in die Nacht. Zwischen den Waggons erklingen Jazz- und Folkklänge, während drinnen zu elektronischen Beats getanzt wird. Feuershows, Lichterprojektionen und kleine Theaterstücke verleihen dem Abend eine besondere Magie – ein Erlebnis irgendwo zwischen Weihnachtsmärchen und Kulturbühne.
Neusässer Weihnachtsmarkt bei Augsburg: Klein, aber fein
Tipp von Claudia Schreck
Die "Neusässer Märchenweihnacht" ist für mich jedes Jahr ein Highlight in der Adventszeit. Eine kleine Weihnachtswelt, in der stimmungsvoll geschmückte Buden, Lichterketten und der Duft von Leckereien sofort für Vorfreude auf Weihnachten sorgen.
Besonders schön finde ich, dass der Markt wirklich für Groß und Klein gemacht ist. Es gibt eine lebende Krippe mit echten Schafen, ein Karussell und eine Kindereisenbahn, dazu das Nikolauspostamt, in dem Kinder ihre Wunschzettel abgeben können und sogar der Nikolaus persönlich vorbeischaut. Die umliegenden Kindergärten schmücken liebevoll die Weihnachtsbäume, was dem Markt eine sehr persönliche Note gibt.
Kulinarisch ist von klassischer Bratwurst, über "crazy Kartoffeln" bis hin zu französischen Spezialitäten alles dabei. An vielen Ständen werden zudem handgemachte Geschenkideen angeboten, sodass man beim Bummeln ganz nebenbei noch besondere Weihnachtsgeschenke findet. Wer eine Pause braucht, kann sich am Weihnachtsmarktfeuer aufwärmen.
Ein echtes Markenzeichen ist der alljährliche Märchenspaziergang, der liebevoll vom Atelier Fleschutz gestaltet wird. Die Kinder können bei einer Märchenrallye mitmachen und sich mit gelöster Aufgabe eine Belohnung sichern.
Gerade diese Mischung aus traditionellem Weihnachtsmarkt, familienfreundlichen Angeboten und der fantasievollen Märchenwelt macht den Neusässer Weihnachtsmarkt zu meinem Lieblings-Weihnachtsmarkt. Hier kann man den Alltag hinter sich lassen, gemeinsam staunen, genießen und sich ganz entspannt auf das Weihnachtsfest einstimmen.
Historischer Weihnachtsmarkt Schloss Guteneck (Oberpfalz)
Tipp von Stefanie Hollweck
Wer schon mal auf einen Weihnachtsmarkt wie im Märchen wollte, der wird auf Schloss Guteneck (bei Nabburg in der Oberpfalz) nicht enttäuscht. Natürlich kommt man bei vollen Parkplätzen und kleinen Schlangen am Eingang doch rasch in der Realität an, trotzdem besticht der Markt mit seinem magischen Flair und trotzdem natürlichen Look. Mitten im Wald stehen etliche Buden, es brennen Lagerfeuer, an denen man sich die Finger wärmen kann, es riecht nach Grill, Punsch und Kaiserschmarrn. Und das alles bevor man überhaupt ins Schloss selbst geht. Hier geht es im Innenhof weiter mit Angeboten für Groß und Klein, von Handwerkskunst bis zu meinem Lieblingsweihnachtsmarkt-Snack: Dem Baumstriezel. Am Holzspieß frisch vor Ort im Ofen gebacken und am liebsten mit Zimt-Zucker oder Krokant bestreut. Nur Vorteile hat der Markt aber auch nicht: Es ist schon recht viel los und man muss 10€ Eintritt zahlen (und 2€ pro Auto), meiner Meinung ist es das aber Wert.
München: Der Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm
Tipp von Susanna Khakhan Samail
Mitten im Herzen des Englischen Gartens liegt einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte Münchens: der Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm. Viele behaupten, er sei längst überbewertet, doch für mich gehört er einfach zur Münchner Weihnachtszeit dazu – ein echter Klassiker, den ich jedes Jahr aufs Neue besuche.
Die kleinen Holzhütten kreisen sich rund um den Turm, geschmückt mit romantischen Lichtern, die in der Nacht wunderschön zu betrachten sind. Es duftet nach Glühwein, und frischen Schmalznudeln – kaum irgendwo sonst schmecken sie so gut wie hier. Zwischen den Ständen findet man handgemachte Geschenke, Holzspielzeug, Schmuck oder feine regionale Spezialitäten. Besonders schön ist die stimmungsvolle Musik, die leise durch den Garten klingt, und die kleine Eisstockbahn, auf der Kinder wie Erwachsene lachen und spielen.
München: Tollwood Winterfestival
Tipp von Scarlett Amoako-Atta
Neben den vertrauten weihnachtlichen Elementen (Punsch und Glühwein, gebrannte Mandeln etc.) ist das Tollwood Winterfestival gleichzeitig sehr vielfältig. Es ist immer was los, ohne überfüllt zu sein, mit verschiedenen Künstlern und Konzerten. Und durch die Lage auf der Theresienwiese kann man auch gut spontan planen: Entweder schlendert man nur ein bisschen über das Gelände, oder man geht auf ausführliche Entdeckungstour durch die Zelte und Stände.
Geltendorf: Weihnachtsmarkt auf Schloss Kaltenberg
Tipp von Vivien Lingelbach
An den Adventswochenenden geht es auf Schloss Kaltenberg bei Geltendorf wahrlich märchenhaft zu: Wer das große Eingangstor passiert, betritt eine zauberhafte Märchenwelt. Der außergewöhnliche Weihnachtsmarkt, der von den Erzählungen der Brüder Grimm inspiriert wurde, lockt mit Märchenfiguren und Mittelalterflair. Funkelnde Lichter und bunte Lichtinstallationen lassen Schloss und Wald stimmungsvoll erstrahlen. Neben Engeln, dem heiligen Nikolaus und dem Krampus sind allerlei Stelzenkünstler, Gaukler und fantastische Märchenwesen unterwegs. Ob Schneeweißchen und Rosenrot, der Froschkönig oder der böse Wolf: Die aufwendigen Kostüme sind ein echter Hingucker.
Auf mehreren Bühnen und in Zeltanlagen werden Akrobatiktheater, musikalische Darbietungen, Puppenspiel, Geschichtenerzählungen und Mitmachaktionen geboten. An den Marktständen werden Leckereien und Kunsthandwerk angeboten. Die Arena, in der sonst die Ritterspiele stattfinden, wurde dieses Jahr in eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen verwandelt.
Tipp: Festes Schuhwerk wird empfohlen, für Kinder sind Matsch- oder Schneehosen ganz praktisch. Der Eintritt zum Weihnachtsmarkt kostet 12,50 Euro/15 Euro (Kinder bis 15 Jahre haben freien Eintritt). Tickets sollten lieber im Voraus online besorgt werden. Mehr Infos hier.
Der Coburger Weihnachtsmarkt
Tipp von Micha Götz
Wenn ich im Advent über den Coburger Marktplatz laufe, schnuppere ich immer diesen ganzen markanten Weihnachtsduft: gebrannten Mandeln, Glühwein und dann das i-Tüpfelchen - Coburger Bratwurst – das ist wie eine unsichtbare Glocke, die sagt: Hey Micha es weihnachtet in Coburg
Was ich am Coburger Weihnachtsmarkt so liebe: Er wirkt wie ein kleines Märchen, das mitten in der Stadt aufschlägt. Kein anonymes Durchschieben der Menschenmassen, kein überdrehtes Spektakel, sondern ein stimmungsvoller Platz, der Zeit lässt zum Schauen, Staunen und Durchatmen. Viele nennen ihn einen Geheimtipp, für mich ist er eher so etwas wie ein vertrauter Freund, den ich jedes Jahr wiedersehe.
Der historische Marktplatz mit dem Rathaus im Hintergrund, die Lichterketten, der große Weihnachtsbaum, die hübsch dekorierten Buden – all das formt eine Atmosphäre, die man schwer in Worte fassen kann, aber sofort spürt. Es fühlt sich an wie: Genau so soll Advent aussehen.
Besonders schön ist, dass der Markt nicht nur für Erwachsene gemacht ist. Meine Kinder kommen unglaublich gern mit nach Coburg. Sie lieben die bunten Lichter, die liebevoll geschmückten Stände, die Figuren, Sterne und Tannenzweige, die überall auftauchen. Hier können sie sich bewegen, schauen, probieren, ohne dass man das Gefühl hat, permanent aufpassen zu müssen, nicht im Gedränge zu verschwinden.
Während sie staunend von Stand zu Stand laufen, habe ich Zeit, mir in Ruhe einen Glühwein zu holen, vielleicht noch einen zweiten, und natürlich: eine Coburger Bratwurst. Die gehört für mich einfach dazu. Diese Mischung aus regionalen Spezialitäten und kleinen handgemachten Dingen – Holzarbeiten, Schmuck, Dekorationen, liebevolle Geschenkideen – wirkt deutlich persönlicher als das, was man auf großen Innenstadtmärkten oft erlebt.
Was mir auch gefällt: Der Coburger Weihnachtsmarkt muss nicht laut schreien, um wahrgenommen zu werden. Er ist nicht so überladen, sondern angenehm überschaubar. Viele Besucherinnen und Besucher sagen, Coburg sei in der Adventszeit ein Geheimtipp. Ich kann das gut verstehen. Wer ein wenig Abstand vom Großstadttrubel sucht und trotzdem nicht auf festliche Stimmung verzichten möchte, findet hier genau den richtigen Ort.
Vielleicht gibt es größere, berühmtere Weihnachtsmärkte. Aber es gibt nur wenige, bei denen sich Tradition, Atmosphäre, Kinderlachen und regionale Genüsse so stimmig verbinden wie in Coburg. Und genau deshalb mag ich diesen Markt so sehr – und komme jedes Jahr wieder.