Den Abschluss der Fußball-Europameisterschaft hat der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, mit einem Segensgebet begleitet. Er dankte Gott "für spannende Spiele, für die Gemeinschaft, für große Momente auf und neben dem Platz". Außerdem bat er um den Segen für die Mannschaften, "dass sie sich gut erholen", für Einsatzkräfte, Helferinnen und Helfer sowie für die Fans in allen Ländern – "ganz gleich, wie weit ihr Team gekommen ist".

Der Segen ist notwendig, denn ein großes Fußballturnier stößt immer auch ganze Nationen in Depression und Trauer. Ein unglückliches Ausscheiden oder eine Finalniederlage ziehen erwiesenermaßen unproduktive Werktage nach sich. Bei 23 Verlierer-Nationen kommt da einiges zusammen. Die Spanier dürften diesen Ausfalldurch ihren Finalsieg nicht kompensiert haben, eher im Gegenteil. Am Montag wurde im Gewinnerland vielerorts weitergefeiert. Der volkswirtschaftliche Schaden dieser Turniere könnte insgesamt in die Milliarden gehen.

Es wurde ein fröhliches und vor allem auch friedliches Fußballfest gefeiert

Auf der anderen Seite stehen satte Gewinne. Die Stadt München beispielsweise hat als eine von zehn gastgebenden Städten eine Wertschöpfung an sechs Spieltagen von über 150 Millionen Euro bilanziert. Rund eine halbe Million Fußballfans waren allein zu den ersten drei EM-Spieltagen in die bayerische Landeshauptstadt gereist. Die Hotelauslastung lag zwischen 79 und 93 Prozent über dem Durchschnitt.

Oberbürgermeister Dieter Reiter zog eine erfreuliche Bilanz: "Es ist vielleicht nicht das Sommermärchen geworden, das sich viele erhofft hatten, aber die Art, wie die deutsche Mannschaft aufgetreten ist, hat weit über den Fußball hinaus eine unglaublich positive Wirkung gehabt." Hunderttausende Fans hätten nicht nur im Stadion und im Olympiapark, sondern in der ganzen Stadt ein fröhliches und vor allem auch friedliches Fußballfest gefeiert.

Die EM 2024 in Deutschland verlief – wegen der unpünktlichen Bahn – nicht perfekt, aber sie hat neue, überraschende Akzente gesetzt. Fröhliche Fans haben gesungen, getanzt und gefeiert – und die gastgebenden Städte haben sich mitreißen lassen. Zuerst steckte die "Tartan Army" aus Schottland mit ihrer Zahl und ihrer Begeisterung ganz München an, danach strömten 15 000 Slowenen nach Stuttgart, 30 000 Rumänen nach Frankfurt oder 40 000 Polen nach Berlin. Abgesehen von den nationalistischen Gesten einiger albanischer und türkischer Spieler und Fans brachte die Europameisterschaft die europäische Einigung ein gutes Stück weiter.