Sie kamen, um Altlandrat Peter Seißer anlässlich seines 80. Geburtstages zu ehren. Seißer stand als Jurist und Sozialdemokrat, als Mensch, der seiner Heimat tief verbunden ist und als bekennender Christ im Mittelpunkt. Dekan Peter Bauer sprach von doppelter Verantwortung, die Seißer getragen habe. Von der Spannung, die zwischen Hoffnung und Verheißung bestehe. Und von der Herausforderung, die nicht leicht sei, wenn man sich nicht auf schlichte Formen reduzieren wolle. "Ihr Amtsbeginn als Landrat ging einher mit der emotionalsten Zeit der jüngeren deutschen Geschichte“, erinnerte amtierender Landrat Peter Berek. Die innerdeutsche Mauer sei gefallen, in der damals noch existierenden DDR haben erste freie Wahlen stattgefunden und Deutschland wurde wiedervereinigt. Für den Landkreis Wunsiedel sei das mit großen Veränderungen und Chancen verbunden gewesen.

Seißer: Landrat zu Zeiten des strukturellen Wandels

Seißer habe sich den Situationen mit Überzeugungskraft, Sachverstand und Einsatzbereitschaft gestellt. Er habe den Traum einer guten Heimat für die Menschen im Fichtelgebirge gelebt und mit Gottvertrauen in der Gesellschaft gewirkt. Nach der Euphorie der Wiedervereinigung habe Seißer den Strukturwandel als Antreiber, wenn nötig als der Unbequeme, am liebsten aber als Teamchef gestaltet. Entschieden sei Seißer gegen Rechtsextremismus vorgegangen. Jugendaustausch und Städtepartnerschaften waren ihm Herzensanliegen. Abschließend berichtete Berek von einer persönlichen Begegnung mit Peter Seißer im Jean-Paul-Zimmer. "Wie Ihre Augen leuchteten, das war Gänsehaut, hat mich sehr berührt und mit Dankbarkeit erfüllt.“

Großes Verantwortungsbewusstsein zeichnet sein Leben aus

Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger würdigte Seißer mit langer, teils emotionaler Rede. Verlässlich, ausdauernd und nachhaltig sei Seißer bei allen seinen Tätigkeiten gewesen. Seißer habe sich nie gescheut, Verantwortung zu übernehmen. „Auch dann nicht, wenn der Wind von vorne blies.“ Beharrlich habe Seißer seine Entscheidungen in der Politik, im Recht und im Glauben vertreten. Auf "drei feste Wurzeln“ sei das große Verantwortungsbewusstsein Seißers gegründet: Seinen ausgeprägten Glauben, eine unerschütterliche sozialdemokratische Gesinnung und eine tiefgreifende Liebe zur Heimat, dem Fichtelgebirge. Nürnberger zitierte auch eine Ergänzung des Strafrechts, die auf Seißer zurückzuführen ist.

Seißer bringt Kirche und Staat zusammen

Nach Landrat Peter Berek und Bundestagsabgeordneten Jörg Nürnberger sprach Regionalbischöfin Dorothea Greiner. "Der Dreiklang ist gut“, stellte Greiner fest. Seißer habe seine Ämter mit Disziplin ausgeübt, auch in der Kirche. „Die Härte, das alles durchzuhalten, hat eine große Berührbarkeit,“ sagte Greiner. Seißer habe "ein großes, weiches Herz und ein Gespür für die Not der Menschen.“

Drei Perioden sei Seißer in der Landessynode gewesen, Vizepräsident der Landessynode, Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und 47 Jahre Kirchenvorsteher in Wunsiedel. "Du bringst Kirche und Staat zusammen“, machte Greiner deutlich und „Dein Grundamt ist, Du bist ein Christenmensch und Brückenbauer.“ Mit Kompetenz und Verantwortung, die Seißer aus Gottes Hand genommen habe, stehe er in der Welt.

Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein sagte, Seißer habe schon zu Studienzeiten hart, präzise, preußisch korrekt und fleißig gearbeitet. Beckstein bedankte sich bei seinem Studienfreund Seißer für jahrzehntelange Freundschaft und Zusammenarbeit. Das Schlusswort hatte der Jubilar: "Ich stehe gerne unter dem Kreuz“, sagte er und betonte seine persönliche Einstellung, Weltliches und Geistliches zu verbinden. „Ich bin am Sonntagvormittag nur auf eine Kommandantenversammlung gegangen, wenn zuvor Gottesdienst gefeiert wurde.“ Das Kreuz im Sitzungsaal, unter dem er sich bedankte, habe er dem Landratsamt geschenkt, als er zehn Jahre Landrat war. Der Empfang wurde musikalisch umrahmt mit Klavier und Flöte von Reinhold Schelter und Sabrina Hinz.

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