Die neue "Spritpreisregel" sollte am 1. April, pünktlich zu Ostern, segensreiche Wirkung entfalten: Man hatte ja versprochen, irgendwie einzugreifen – herausgekommen ist eine liturgische Übung in Leidensfähigkeit. Der Autofahrer als moderner Büßer: Er tankt und zahlt. Wer braucht schon Karfreitag, wenn der Blick auf die Anzeigetafel an der Tankstelle zur Passion wird?
Passend dazu erklärte die bayerische evangelische Landeskirche tags zuvor: Ein neuer Politikbeauftragter wird berufen. Tobias Zeeb, 36 Jahre jung, soll künftig den Dialog zwischen Kirche und Staat pflegen.
Zeeb tritt sein Amt genau zur richtigen Zeit an. Einerseits als theologischer Erklärer für die Politik: Was ist eigentlich Sünde? Ist es bereits moralisch fragwürdig, wenn man Autofahrern gerade zu Ostern ein solch teures Ei legt? Oder erst dann, wenn man durch Energiesteuer und CO2-Abgabe an geopolitischen Spannungen mitverdient?
Neues Gebot: "Du sollst nicht abzocken."
Ein Gespräch mit Lars Klingbeil und Katherina Reiche könnte da erhellend wirken. Vielleicht in Form eines neuen Gebots: "Du sollst nicht abzocken."
Andererseits bietet die Politik ja auch Lernchancen für die Kirche. Verknappung ist schließlich ein Erfolgsmodell. Wenn weniger Öl da ist, steigt der Preis. Wenn weniger Pfarrer da sind – vielleicht steigt dann ja die Nachfrage nach Gottesdiensten? Die Predigt als Premiumprodukt, der Segen als rares Gut. Eintrittskarten für die Ostermesse, dynamisch bepreist je nach Auslastung. Wer früh kommt, zahlt weniger. Wer spontan Erlösung sucht, zahlt den Spitzenpreis.
Man stelle sich die Synergien vor: Die Politik lernt von der Kirche die Kunst der Beichte – ein ehrliches "Wir haben da vielleicht etwas überschätzt" könnte Wunder wirken. Die Kirche lernt von der Politik die Kunst der Kommunikation – "Es wird besser" ist schließlich ein Satz, der unabhängig von der Faktenlage erstaunlich lange trägt.
Neues Sakrament: die Tankstellen-Absolution
Wäre Tobias Zeeb katholisch, würde er eventuell ein neues Sakrament einführen: die Tankstellen-Absolution. Wer beim Bezahlen nicht laut flucht, dem werden wenigstens die kleinen Sünden vergeben. Wer hingegen still leidet, bekommt Bonuspunkte im Jenseits – oder einen Rabattgutschein fürs Paradies.
Am Ende bleibt also die leise Hoffnung, dass der Dialog zwischen Kirche und Staat mehr ist als ein höfliches Nicken, dass Moral nicht nur gepredigt, sondern auch gehört wird.
Bis dahin gilt: Tanken gehen ist mittlerweile fast wie Beten – beidem ist gemeinsam: Man muss hoffen und glauben, dass es danach besser wird.