Die Bestattungsgesetze in Deutschland sind flexibler geworden: Viele Menschen wünschen sich individuelle Abschiedsformen - von der Urne zu Hause bis zur Bestattung ohne Sarg. Während einzelne Bundesländer mit Reformen vorangehen, setzen die meisten Regionen jedoch weiterhin auf eher traditionelle Regelungen, zeigt eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) unter den Bundesländern. Allerdings nimmt die Zahl an Ausnahmen und Sonderregelungen für persönliche Bestattungswünsche kontinuierlich zu.
Rheinland-Pfalz: Das liberalste Bestattungsgesetz Deutschlands
Ein Wandel zeichnet sich bereits ab: In Rheinland-Pfalz ist im Herbst 2025 das bundesweit liberalste Bestattungsgesetz in Kraft getreten und macht alternative Beisetzungen, Diamanten aus Asche, die Verwahrung der Urne zu Hause und sogar Flussbestattungen zur legalen Option für Angehörige.
Laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter ist dafür Voraussetzung, dass dies innerhalb der Grenzen von Rheinland-Pfalz geschieht, die verstorbene Person dies zuvor in einer Totenfürsorgeverfügung festgelegt hat und der letzte Hauptwohnsitz des oder der Verstorbenen in Rheinland-Pfalz lag. Viele andere Bundesländer verhalten sich hingegen zurückhaltend.
Bayern setzt auf traditionelle Bestattungsformen
So plant der Freistaat Bayern auf absehbare Zeit keine Lockerungen des Bestattungsrechts. Nach Auffassung der Staatsregierung könne ein würdevolles Andenken am besten auf einem öffentlichen Friedhof sichergestellt werden, teilte das Gesundheitsministerium auf epd-Anfrage mit.
Der besondere Schutz der Würde des Menschen gelte in Bayern auch über den Tod hinaus. Das Bestattungsrecht ermögliche eine klassische Erdbestattung im Sarg, eine Feuerbestattung mit anschließender Beisetzung der Urne auf einem Friedhof oder eine Seebestattung, bei der die Urne von einem Schiff aus auf hoher See beigesetzt wird.
Bestattungspflicht in Deutschland: Mehrheit der Länder setzt auf Friedhöfe
Nach bayerischem Recht gilt zudem der sogenannte Friedhofszwang: Beisetzungen finden also in der Regel auf einem Friedhof statt. So solle ein würdiger und allgemein zugänglicher Ort der Trauer für Angehörige und Freunde erhalten bleiben, erläuterte der Sprecher. Auch ein Naturfriedhof müsse durch eine Einfriedung als Friedhof erkennbar und geschützt sein.
Wie Bayern bestehen aktuell fast alle anderen Bundesländer auf einer Bestattungspflicht auf einem Friedhof oder entsprechend ausgewiesenen Naturwäldern. Außer Rheinland-Pfalz lassen Bremen und Nordrhein-Westfalen hier Ausnahmen unter strengen Auflagen zu.
"Seit 2015 ist unter bestimmten Bedingungen auch das Ausbringen von Asche auf privatem Grund oder öffentlichen Flächen auf dem Gebiet der Freien Hansestadt Bremen außerhalb von Friedhöfen zulässig", so eine Sprecherin.
Moderate Reformen in Sachsen und Sachsen-Anhalt
Moderate Modernisierungen der Bestattungsgesetze sind in Sachsen und Sachsen-Anhalt geplant. So soll es in Sachsen-Anhalt ab Mai 2026 möglich sein, bis zu fünf Gramm Asche zur würdevollen Nutzung in Erinnerungsstücken, etwa Gedenkdiamanten, zu entnehmen, erklärte ein Sprecher.
Fast alle Bundesländer haben die Sargpflicht gelockert, vor allem um Tuchbestattungen aus religiösen Gründen wie im Islam und im Judentum zu ermöglichen. Ein genereller Wandel hin zu weitergehenden Regelungen, wie sie Rheinland-Pfalz vorgibt, steht in den meisten Bundesländern jedoch nicht zur Debatte oder wird skeptisch gesehen.
Debatte um private Ascheaufbewahrung: Trauer sichtbar oder unsichtbar?
Kritiker der Aufbewahrung von Totenasche im privaten Bereich geben zu bedenken, dass damit andere Trauernde ausgeschlossen werden und diesen Personen kein Ort der Trauer zur Verfügung steht.
Die Kirche sei offen für neue Formen von Bestattung und Trauer, erklärte jüngst der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der sächsische Landesbischof Tobias Bilz. Dieser Wandel brauche jedoch einen verlässlichen Rahmen.
"Wenn Trauer ausschließlich ins Private rückt, droht sie unsichtbar zu werden."
Feuerbestattung in Deutschland
Die Feuerbestattung ist eine weltweit verbreitete Praxis, deren Wurzeln bis in die frühe Jungsteinzeit vor rund 8.000 Jahren reichen. Das erste deutsche Krematorium wurde 1878 in Gotha eröffnet. Heute wählen etwa 80 Prozent der jährlich über eine Million Verstorbenen in Deutschland die Einäscherung – immer im Einklang mit dem ausdrücklichen Willen der Verstorbenen.
Wichtige Aspekte auf einen Blick:
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Kosten: Meist günstiger als eine Erdbestattung; auch kleine Urnengräber sind regional preislich moderat.
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Beisetzungspflicht: Pflicht zur Beisetzung besteht sowohl bei Erd- als auch bei Feuerbestattungen. Möglich sind u. a.:
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Klassisches Grab auf dem Friedhof
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Kolumbarium (Grabeskirche)
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Waldfriedhof oder pflegefreie Gemeinschaftsgräber
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Urnenfeld ohne Namensnennung
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See-Bestattungen
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Neue Optionen: Seit Oktober 2025 erlaubt Rheinland-Pfalz unter bestimmten Bedingungen, die Urne mit nach Hause zu nehmen.