Die evangelische Theologin Agnes Schmidt beschäftigt sich in ihrer Reihe PrayerLab intensiv mit dem Thema Meditation. Ihre Anleitungen sollen helfen, einen Zugang zu Religion und Spiritualität zu finden.

Auf den ersten Blick scheint die Methode des Herzensgebets geradezu simpel: Ein Wort oder ein kurzer Satz wird wiederholt. Traditionell ist dies der Satz "Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner." Oder in der kurzen Variante "Jesus" oder "Jesus Christus" - weshalb das Herzensgebet oft auch Jesusgebet genannt wird.

Der Satz wird über einen längeren Zeitraum täglich eingeübt. Damit soll er sich verselbstständigen und als ständiger Begleiter in allen Gedanken eine Art Hintergrundmusik bilden. In einer zweiten Phase lernt der fortgeschrittene Praktizierende, den Satz mit dem eigenen Ein- und Ausatmen zu verbinden. In einem dritten Schritt soll beides mit dem Herzschlag in Verbindung gebracht werden.

Ein bekannter zeitgenössischer Lehrer der Praxis des Herzensgebets ist Franz Jalics. In seinem Buch "Kontemplative Exerzitien" führt er in zehn Wochen in die Praxis ein. Die Methode braucht Geduld und einen längeren Zeitraum, um zur vollen Wirkung zu gelangen. Dennoch möchte ich hier einen kleinen Einblick geben.

Ich schätze diese Form des Gebets, weil sie weniger Reflexion enthält, dafür aber viel Ruhe und Präsenz mit sich bringt. Ich leite sie an, wie ich mich selbst anleite. Nimm dir etwa 10 Minuten an einem stillen Ort Zeit dafür.

Schritt 1: Ankommen

Ich stelle mir vor, in der Gegenwart Gottes zu sein. In der Gegenwart von jemandem, der liebevoll und gnädig ist. Jemand, der mich so gut kennt, dass wir uns ohne Worte verständigen können. Ich bin da und kann mich entspannen und weiß: Alles ist gut. Zumindest für diesen Moment dürfen alle Sorgen abfallen.

Ich atme langsam und entspannt, tief und voll.

Ich stelle mir vor, Gottes Gegenwart wie Sonne auf meiner Haut zu spüren, wie die ersten warmen Strahlen im Frühling. Mit jedem Ausatmen lasse ich ein Stück mehr los - lasse die Schultern fallen, entspanne den Nacken, entspanne die Gesichtszüge. Gedanken, die ich noch beschäftigen, lasse ich vorbeiziehen.

Schritt 2: Den Namen wiederholen

In diese Präsenz hinein spreche ich Jesu Namen. Mit dem Einatmen sage ich Jesus, mit dem Ausatmen sage ich Christus. Ich spreche den Namen wie zu Gott hin, sage damit alles, was mir auf dem Herzen liegt. Ich drücke Vertrauen aus, bin einfach präsent.

Diese Übung halte ich für etwa fünf Minuten. Wenn Gedanken aufkommen, die mich ablenken, nehme ich diese wahr, ohne zu urteilen: Ich beobachte meinen Gedanken und kehre gelassen zurück zu dem Namen und der Gegenwart Gottes.

Schritt 3: Abschluss

Um das Gebet zu beenden, bedanke ich mich bei Gott für diese Zeit und diese Begegnung.

Manchmal kommt mir ein Gedanke, der mich inspiriert während dieser Zeit - ich nehme mir Zeit, diesen zu notieren, damit ich ihn nicht vergesse.

 

 

PrayerLab: Anleitungen für Gebet und Meditation mit der Bibel

Unsere Reihe "PrayerLab" bietet Euch konkrete Anleitungen und Methoden: Wie kann ich beten einüben? Wie kann ich mit der Bibel meditieren? Wir stellen Euch konkrete Methoden vor, erklären die historische Entstehung und geben Euch eine praktische Anleitung.

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