1.04.2014
Das Beste aus der Bibel

Gott ist wie ...

"Religion ohne Gott" ist im Trend und wird heiß diskutiert. Atheisten vermuten, die Gottgläubigen hätten ein sehr dogmatisches Gottesbild. Die Bibel gibt ihnen nicht recht. Da wird Gott sehr bildlich und lebendig beschrieben.
Detail aus der Sixtinischen Kapelle

Gott als König - Psalm 7, 12; 9, 12; 24, 7; 80, 2

"Wunderbarer König"… heißt es in einem beliebten Kirchenlied. Dass sich Menschen Gott als König vorstellen, liegt nahe: Er steht an der Spitze der Hierarchie der Menschen, ja sogar der gesamten Schöpfung. Zum "mächtigen König der Ehren, der alles so herrlich regieret" betet auch der Psalmist. Er sieht Gott aber auch als "gerechten Richter", der über das Handeln der Menschen richtet und urteilt, der auch "täglich strafen kann". Gott "thront über den Cherubim", der Engelsschar also, gibt Anweisungen und ist höchste Instanz. Nicht nur über Israel, sondern über alle Völker. Das meint der Psalmist, wenn er sagt, Gott wohne "zu Zion", einem Berg bei Jerusalem, der als geistliches Machtzentrum der Welt gilt. (Psalm 7, 12)

"Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!"

Gott als Tier - 5. Mose 32, 11 f.; Hosea 5, 12 ff.; 14, 91

Auch mit Tieren wird Gott verglichen, meist mit starken und bewunderten. Gott beschreibt sich selbst einmal als Raubtier, als furchterregenden und blutrünstigen Löwen. So würde er dem feindlichen Volk Ephraim gegenübertreten: "Ich zerreiße sie und gehe davon; ich schleppe sie weg, und niemand kann sie retten." Dem eigenen Volk Juda hingegen will Gott wie ein "junger Löwe" begegnen, also eher harmlos. An anderer Stelle wird Gott mit einem Raubvogel verglichen. Wie ein Adler seine Jungen unter seinen Fittichen beschützt, so breite Gott seine Flügel aus und beschützt sie. Auch in der Pflanzenwelt gibt es ein Bild für Gott: Er sei wie eine "grünende Tanne". (5. Mose 32, 11 f., Hosea 5, 12 ff.)

"Wie ein Adler breitet er seine Fittiche aus."

Gott als Fels - 5. Mose 32, 4; Psalm 62, 3; 1. Samuel 2, 2; 2. Samuel 22, 47; Matthäus 16, 18; Lukas 6, 47 ff.

Im Land der Dünen ist es wichtig, einen festen Halt zu haben - das ist womöglich der Hintergrund dafür, dass Gott auch als Fels beschrieben wird, als "mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz". "Wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?", fragt David einmal, "seine Werke sind vollkommen, denn alles, was er tut, das ist recht." Auch Jesus nimmt das Bild vom Verlässlichen auf. Einmal in einem Gleichnis: Wer sein Haus baut, sollte es auf einem Fels grundieren, damit es bei einem Unwetter nicht einstürzt. Und dem Evangelisten Matthäus zufolge nennt er seinen Jünger Petrus den "Felsen", auf dem er seine Gemeinde bauen will. (5. Mose 32, 4, Psalm 62, 3, 1. Samuel 2, 2, 2. Samuel 22, 47, Matthäus 16, 18, Lukas 6, 47 ff.)

"Es ist niemand heilig wie der Herr, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist."

Gott als Sonne - Psalm 84, 12; Offenbarung 22, 5

Die helle, Leben spendende Sonne eignet sich sehr gut als Symbol für den Leben spendenden Schöpfergott. "Der Herr ist Sonne und Schild", betet der Psalmist deshalb. Streng genommen wirkt das wie ein Widerspruch gegen Aussagen, die Gott als den Lenker der Gestirne und auch der Sonne bezeichnen. Aber auch in diesem Fall versammelt die Bibel verschiedene Vorstellungen. Am Ende aller Zeiten jedenfalls, so heißt es in der Offenbarung, wird die Sonne gar nicht mehr benötigt, "denn Gott der Herr wird sie erleuchten." (Psalm 84, 12, Offenbarung 22, 5)

"Der Herr ist Sonne und Schild."

Gott als Familienmitglied - Jesaja 64, 7; 66, 13; Hosea 2, 18; Matthäus 6, 9 ff.; Johannes 14, 6; Philipper 4, 20

"Du bist doch unser Vater", ruft Jesaja zu Gott und wundert sich, dass nicht alle Menschen das erkennen. Dem Propheten genügt aber das väterliche Gottesbild nicht; später findet sich eine Aussage, nach der Gott tröstet, "wie einen seine Mutter tröstet". Prophet Hosea benutzt einen anderen Vergleich: Gott sei für sein Volk Israel wie eine Ehemann. Im Neuen Testament kommt das Vaterbild sehr häufig vor. Jesus nennt Gott seinen Vater und betet zu ihm, wie bis heute die Christenheit betet: "Unser Vater im Himmel …" (Jesaja 64, 7, Hosea 2, 18, Matthäus 6, 9 ff., Johannes 14, 6, Philipper 4, 20)

"Gott aber, unserm Vater, sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen."

Gottes Berufe - 2. Mose 15, 26; Psalm 23; Jesaja 64, 7

Auch in der Berufswelt finden die biblischen Verfasser Vergleiche. Besonders eindrücklich und beliebt ist es bis heute, sich Gott als Hirten vorzustellen, der seine Schafe weidet, sie zum Wasser führt und auf grüne Weiden und sie vor Feinden schützt. Als Töpfer stellt sich Prophet Jesaja Gott vor, "wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk." An anderer Stelle präsentiert Gott sich selbst als Arzt. (2. Mose 15, 26, Psalm 23, Jesaja 64, 7)

"Der Herr ist mein Hirte."

Gott als Kriegsteilnehmer - 2. Mose 15, 3; Psalm 18, 3; 71, 3; Klagelieder 2, 4

Pazifisten und Friedensstiftern wird es nicht gefallen, aber es lässt sich nicht wegdiskutieren: Gott wird auch als Soldat bezeichnet. "Der Her ist der rechte Kriegsmann", lobt Mose Gott. Und Jeremia klagt, dass Gott wie ein Bogenschütze "ohne Erbarmen" Jerusalem zerstört habe, sogar "alles getötet" habe, "was lieblich anzusehen war". In schützender Funktion gewährt Gott als Burg seinen Gläubigen Unterschlupf - ein Bild, das Martin Luther sehr gefallen hat, er baute es zu einem bis heute beliebten Kirchenlied aus: "Ein feste Burg ist unser Gott". (2. Mose 15, 3, Psalm 18, 3, Klagelieder 2, 4)

"Du bist mein Fels und meine Burg."

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Nach dem Erdbeben

Schwarzweiß Aufnahme des Convetno Do Carmo in Lissabon
Autor
Über 165.000 Tote, zerstörte Dörfer und Städte: Ausgerechnet am Weihnachtsfest kam grenzenloses Leid über die Menschen, die in Südostasiens Küstenregionen leben oder dort Urlaub machten. Christen fragen sich: Wie kann Gott das zulassen? Spätestens seit dem verheerenden Erdbeben von Lissabon vor 250 Jahren werden bei Naturkatastrophen Gottes Liebe und Allmacht in Frage gestellt.
Sonntagsblatt