20.10.2019
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Wo der Glaube Hände und Füße bekommt (Jakobus 2,14ff)

Was hat mein Glaube mit meinem Tun und Handeln, meinen Werken zu tun? Mit dieser grundsätzlichen Frage, auf die etwa der Jakobusbrief oder die Rechtfertigungslehre Martin Luthers Antworten geben, setzt sich Dekan Gottfried Schoenauer in seiner Evangelischen Morgenfeier auseinander.
Kreuzgang

Es war eine der schönen Erlebnisse, Sonntagmorgen, ein Gottesdienst, der mich ganz erfüllte: Schöne Lieder, eine gute Predigt, liebe Menschen um mich, mit denen ich gerne meinen Glauben bekenne, ein schwungvolles Orgelspiel und ich hatte das Gefühl: Hier kann mein Glaube leben, hier wohnt er, hier wird er gestärkt und stark. Beim Hinausgehen nach dem Gottesdienst habe ich noch ein Lied im Ohr:

Sonne der Gerechtigkeit gehe auf zu unserer Zeit brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.

Das Lied begleitet mich hinaus auf den Kirchplatz. Manchmal habe ich das den ganzen Sonntag im Ohr. Aber an diesem Sonntag ist es anders: Vor der Kirchentür sitzt ein Bettler, schäbig angezogen, ungepflegt, ungewaschene Haare und in seiner Hand mit schwarz geränderten Fingernägeln hält er mir einen Plastikbecher entgegen.

Fort ist meine gute Stimmung, keine Musik mehr in meinem Ohr: Dieser Mann hat mir diesen schönen Sonntagmorgen verdorben. Unmöglich: Was bettelt der hier die Gottesdienstbesucher an. Ich werde ihm nichts in seinen Plastikbecher geben, sonst ist er jeden Sonntag da. Oder doch: einige Münzen in den Becher und mein Gewissen ist beruhigt, der Sonntag wieder gerettet. Oder spielt der Gedanke eine Rolle, dass andere Gottesdienstbesucher mich sehen und nicht verstehen, dass ich als Pfarrer an einem Hilfesuchenden einfach so vorbeigehe? Ich erschrecke über mich selbst bei diesem Gedanken. Es passt nicht zusammen: Mein Glaube und wie ich mich verhalte – draußen vor der Kirchentür. War nicht von Barmherzigkeit die Rede in diesem Gottesdienst?

Es passt nicht zusammen: In der Kirche Gott um Hilfe für die Elenden und Armen zu bitten und vor der Kirchentür ist das nicht mehr von Bedeutung. Es passt nicht zusammen: Im Gottesdienst erkennen, dass in allen Hilfesuchenden und Gescheiterten das Gesicht Christi zu erkennen ist und dann draußen sein Gesicht nicht mehr erkennen. Im Gottesdienst Gott loben und danken und draußen herrschen andere Gesetze? Sperren wir, sperre ich Gott ein in den Kirchenraum oder in mein Inneres, in mein Herz und was in der Welt vor sich geht, hat nichts mehr damit zu tun? Es stellt sich die grundsätzliche Frage: Was hat mein Glaube mit meinem Tun und Handeln, meinen Werken zu tun? In der Bibel gibt Jakobus darauf folgende Antwort:

Was hilft´s, Brüder und Schwestern,

wenn jemand sagt, er habe Glauben,

und hat doch keine Werke?

Kann denn der Glaube ihn selig machen?

Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist

und Mangel hat an täglicher Nahrung

und jemand unter euch spricht zu ihnen:

Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!,

ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat –

was hilft ihnen das?

So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat,

tot in sich selber.

Aber es könnte jemand sagen:

Du hast Glauben, und ich habe Werke.

Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke,

so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken.

Willst du nun einsehen, du törichter Mensch,

dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?

Denn wie der Leib ohne Geist tot ist,

so ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Gerecht vor Gott mit guten Werken?

Gerecht vor Gott werden durch gute Werke – da sträubt sich mein lutherisches Herz. Ist uns nicht eingetrichtert worden und Paulus sagt das überdeutlich: "Der Mensch wird gerecht ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben" (Römer 3, 28). Gott kommt uns entgegen mit weit geöffneten Armen. Gott kommt uns entgegen wie ein Liebender – und Liebe verträgt keine Vorausleistung. Erst musst du dieses oder jenes tun, dann kann ich dich lieben.

Nein, jemanden lieben, das tut man nicht, weil er dieses oder jenes kann, sondern um seiner selbst willen - das ist der Kern unseres christlichen Glaubens, das Bekenntnis unserer evangelischen Kirche. Das war die reformatorische Muttermilch, damit sind wir großgezogen worden. Und Martin Luther hat das Jakobusbuch in der Bibel auch als "Stroherne Epistel" bezeichnet. Vor Gott gelten die Werke nichts, du kannst dir den Himmel nicht verdienen. Werke machen nicht gerecht, gute Werke zählen nicht. Wie befreiend, das hat nicht nur Martin Luther erfahren.

Aus Afrika wird berichtet: Ein Pfarrer fragte eine alte Frau, die im Sterben lag, ob sie sich denn vor dem Tod fürchte. "Nein", sagte sie, ich habe doch Jesus Christus. Der Pfarrer fragte weiter. "Wie verstehst du das?" Erstaunt über diese Frage sah diese Frau ihn an und antwortetet dann: "Wenn ich vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen muss, dann bitte ich den Heiland, dass er mit mir kommen möge, ich verstecke mich dann so hinter ihm, dass Gott mich gar nicht sehen kann, sondern nur Jesus Christus statt meiner ansieht; und wenn er mich etwas fragt, so stehe ich hinter Jesus, schweige und warte, was er für mich antworten wird. Irgendwann dreht er sich dann um und nimmt mich in die Arme." Was für eine schöne Geschichte, was für ein Glaube. Da wird deutlich, wer uns den Himmel öffnet und verdient.

Und doch: Der Glaube, mein Glaube hat Folgen, Konsequenzen für mein Innenleben und noch mehr. Mein Glaube bekommt Hände und Füße. Füße, die sich dorthin bewegen, wo man mich braucht. Hände, die zupacken und helfen, wo es nötig ist. Mein Glaube bekommt eine Stimme, die die Ungerechtigkeit beim Namen nennt und denen eine Stimme gibt, die mundtot gemacht wurden, den Ärmsten und besonders Schutzbefohlenen Gottes. Nur ablesen an den sogenannten guten Werken, wie groß mein Glaube oder wie klein er ist oder ob ich überhaupt glaube, lässt sich das nicht.

Nein, den Himmel kann man sich damit nicht verdienen. Aber: Gute Werke waren nie und sind es immer weniger Alleinstellungsmerkmale der Christen, der Kirche. Die Kirche ist in unserer Gesellschaft nicht mehr so wichtig. Eher gelten "Greenpeace" oder "Ärzte ohne Grenzen" als Orientierung. Kirchen sind da weniger im Fokus. Das könnte ihre neue Freiheit sein. Sie müssen nicht angepasst sein, sie müssen nicht zwei Herren dienen und können umso mehr dem einen dienen. Ihre zentrale Aufgabe ist es immer gewesen, Stimme für die Opfer zu sein, dorthin zu gehen, wo große Not herrscht und anzupacken, um das Leid zu wenden. So bekommt der Glaube Stimme, Hände und Füße. So wie es in der schönen Kantate von Johann Sebastian Bach heißt: 

Herz und Mund und Tat und Leben
Muss von Christo Zeugnis geben
Ohne Furcht und Heuchelei,
Dass er Gott und Heiland sei.

Gerechtigkeit in der Welt – Folgen des Glaubens

Einmal habe ich in einer Predigt über die fatalen wirtschaftlichen Zusammenhänge in dieser Welt geredet. Als evangelischer Christ habe ich Papst Franziskus zitiert, der gesagt hat: "Diese Wirtschaft tötet". Er hat damit zum Ausdruck gebracht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, dass die Wirtschaftssysteme unserer Welt daran größten Anteil haben. Diese Wirtschaft, deren Hauptanliegen die Geldvermehrung ist, tötet die, die in diesem System am Rande stehen.

Da kann ich ihm nur Recht geben und es ist doch die Aufgabe der Kirche, auf soziale Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Aber darf man so politisch predigen? Der Vorwurf kam schnell, noch am gleichen Sonntag: "Die Kirche soll sich um ihre eigenen Dinge kümmern, um Glaube und Liebe, aber nicht davon reden, wovon sie nichts versteht." Es stimmt, wir sind keine Fachleute in politischen und wirtschaftlichen Dingen. Aber die Kirchen sind oder müssten Experten sein, die wissen was Armut und Hunger und soziale Abhängigkeit bedeutet.

Die Liebe kann doch nicht nur meinem unmittelbaren Nächsten gelten, das Verhältnis zwischen einzelnen Menschen ordnen oder einem Bettler ein Almosen geben. Sie mischt sich ein in strukturelle, ja auch in politische und wirtschaftliche Dinge. Weil der Glaube, aus dem die Liebe kommt, nicht blind ist und die großen Zusammenhänge erkennt. Ich sehe es als eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche und jedes einzelnen Christen an, hier nicht zu schweigen. Es ist eine geradezu prophetische Aufgabe. Martin Luther hat das einmal so formuliert:

…Kaufleute haben unter sich eine allgemeine Regel, und das ist der Hauptgrund aller Wucherkniffe… dass sie sagen: Ich darf meine Ware so teuer geben wie ich kann. Weil solches Verkaufen ein Werk ist, dass du gegenüber deinem Nächsten übst, soll es durch solches Gesetz und Gewissen begrenzt sein, dass du es ohne Nachteil und Schaden deines Nächsten übst.

Es ist wahr, die Kirchen haben ihren Auftrag oft verraten. Aber immer wieder haben sich Gruppen oder einzelne zusammengetan und haben ihrem Glauben Stimme, Hände und Füße gegeben. Ihr Glaube war nicht tot, wie es hier Jakobus klagt, sondern lebendig. Ein Auferstehungsglaube, der sich nicht fesseln lässt, nicht in Kirchenmauern einsperren lässt und nicht in falscher Zurückhaltung verharrt. Sie sind das Gewissen unserer Kirche und dafür, dass unsere Kirchen Orte der Barmherzigkeit sind und bleiben oder werden. Sie haben sich doch auf ihre Fahnen geschrieben, was Christus gesagt hat: "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan". (Matthäus 25, 40)

Eintreten für eine gerechte Welt – wer sonst, wenn nicht ich?

"Wir schaffen das", dieser Ausspruch von unserer Bundeskanzlerin ist zu einer stehenden Redewendung geworden im Hinblick auf die vielen Geflüchteten, die 2015 in unser Land gekommen sind. Oft zitiert mit einem höhnischen Unterton. Ich weiß nicht, ob wir das schaffen, die vielen Fremden bei uns zu integrieren. Die Migrationsfrage polarisiert. Viel Hass ist entstanden. Die schreckliche Tat in Halle zeigt, wohn der Hass geführt hat. Oder liegt der tiefere Grund für den Hass, der besonders in den sozialen Netzen sein Unwesen treibt, in dem Gefühl abgehängt zu sein, zu den Verlierern zu gehören? Darüber vergisst man leicht, was alles geschafft wurde. Ich habe gelesen wie die Bilanz zur Integration der Flüchtlinge in der Arbeitswelt aussieht.

Das klingt ganz gut: Aktuell sind vier von zehn Geflüchteten beschäftigt oder in Ausbildung. Wir brauchen sie, überall fehlt es an Arbeitskräften. Ich denke nur an unser Pflegeheim. Wenn wir nicht bald Fachkräfte bekommen, müssen Zimmer oder sogar eine Station geschlossen werden. Seit 2014 entstanden bei uns zwei Millionen neue Stellen, weshalb kein Deutscher behaupten kann, man nehme ihm die Arbeit weg. Es gibt doch genug. Das sind gute Argumente, die man den Asylgegnern und Fremdenhassern entgegenhalten kann. Christus sagt: "Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen". Alle Fremden gehen uns etwas an, alle Armen und Elenden, ob sie bei mir im Wohnzimmer sitzen oder in der Fußgängerzone knien, im Krankenhaus liegen oder in irgendeinem Hungergebiet leben oder auf Kriegsschauplätzen ausharren müssen.

Und darum will ich arbeiten für eine gerechte Welt, nicht nur Zuschauer sein.

Ich lasse mir meine Hoffnung nicht nehmen, auch nicht mit dem Satz: "Ich kann ja sowieso nichts ändern". Wenn wir das sagen, geben wir der Wirklichkeit, so wie sie ist, Recht. Ein Satz, der mich ohnmächtig macht. Ein gottloser Satz, der Gott leugnet. Christus hat uns doch versprochen, dass wir dieses Leben gestalten dürfen, seine Schöpfung genießen und bewahren dürfen, Anteil an seiner Gerechtigkeit und am Reich Gottes haben. Wir haben so viele Möglichkeiten. So fragt auch folgender Text: Wer sonst, wenn nicht wir? Wer sonst, wenn nicht ich?

Meinen Beruf: habe ich gewählt. Meine Kleidung wähle ich auch. Was ich denke, sage ich. Wenn ich wollte, würde ich Fußball spielen. Ich könnte Frauen lieben, Nonne sein, Bischöfin oder Herzchirurgin (jedenfalls theoretisch). Ob ich Kinder haben möchte oder nicht, kann ich entscheiden. (Ob sie dann wirklich kommen, liegt nicht in meiner Hand.) Ich kann ein Bankkonto eröffnen, ein Haus kaufen, eine Firma gründen. Ich kann, wenn es sein muss, vor Gericht gehen. Natürlich darf ich Auto fahren.

Ich habe mich entschieden zu glauben, weil es mein Leben aufregender macht. Aber niemand zwingt mich. Ich könnte Bundeskanzlerin werden oder jetzt, in gesetztem Alter, Bundespräsidentin. Ich habe Glück gehabt. Ich bin in einem Land geboren, in dem das möglich ist. Meine Familie hat mich unterstützt. Niemand hat mir das Gefühl gegeben, etwas nicht erreichen zu können, weil ich eine Frau bin oder Christin, weil ich blond bin oder an einem Dienstag geboren – jedenfalls niemand, der sich nicht widerlegen ließe. Das Glück haben nicht alle. Deshalb: "Tu deinen Mund für die Stummen auf. Schaffe Recht den Unterdrückten." Wer sonst, wenn nicht ich?[1]

Die Werke des Glaubens und der Liebe sind immer Christusbegegnungen. Ein Schüler fragt seinen Lehrer: Kann man Gott von Angesicht zu Angesicht sehen? Und der Lehrer antwortet: Wenn man sich tief bückt – so tief, dass man ins Angesicht seines Bruders und seiner Schwester sehen kann.

Mein Glaube lehrt mich sehen, ihn, Jesus Christus sehen in jedem leidenden Menschen, in jedem Fremden, in jedem Kranken. Dann wird mein Glaube auch handeln, bekommt Stimme, Hände und Füße. Und darum ertrag ich es nicht, wenn manche behaupten mit guten Werken Gott gnädig stimmen zu können, dem Himmel ein wenig näher kommen zu können. Mit dem Glauben ist es wie mit der Liebe, da frage ich auch nicht, was mir das jetzt bringt, sondern tue, wozu die Liebe mich drängt, wozu der Glaube mich bewegt.

Was man liebt und was man glaubt, will man nicht im Verborgenen halten. Meine Freunde, meine Bekannten, ach alle Welt soll das erfahren. So bin ich erkennbar, das ist mein Lebensentwurf. So ist das auch mit unserer Kirche – so wie sie von Anfang an gedacht war.  Das Gesicht Jesu Christi will ich in ihr entdecken, oft genug fällt mir das sehr schwer. Aber so stelle ich mir das vor, deswegen arbeite ich in dieser Kirche, so würde ich mir das wünschen:  Sie zeigt, was sie glaubt, was sie liebt mit ihren vielen Geschichten und Liedern.

In ihren Gottesdiensten feiert sie dieses Leben und scheut sich nicht, ganz öffentlich zu bezeugen wie kostbar dieses Leben ist, dass Gott es liebt und dass man sich für jedes Leben einsetzen muss. Ich träume von einer Kirche, die erkennbar ist in ihrer Arbeit, mit ihren Werken, mit ihrem Einsatz für die Menschen z.B. in den diakonischen Einrichtungen. Sie mischt sich ein, ist laut, wo immer Unrecht und Ungerechtigkeit das Leben bestimmen will. Sie erzählt von ihrer Hoffnung auf eine Welt ohne Leid und Schmerz. Sie trocknet Tränen und tröstet, geht in die Krankenhäuser und zu den Trauernden.

Sie freut sich, dass Gott nicht auf Leistung schaut, sondern jeden und jede liebt. Diese Freiheit lebt sie und das ist mir als evangelischer Christ besonders wichtig, sie zwingt niemanden so oder so zu glauben oder zu handeln. Sie verheimlicht nicht all die Fehler, die sie gemacht hat und macht. Und – das würde ich mir wünschen – sie akzeptiert andere Lebensentwürfe und ist bereit von ihnen zu lernen. Sie wirbt für ihre Überzeugung ohne dabei ihre Einzigartigkeit zu betonen. Ja, sie zeigt, was sie glaubt und liebt und bekennt. 

Mir spricht aus dem Herzen, was ich bei der Pfarrrein und Autorin Susanne Niemeyer gefunden habe:

Ich glaube, von Zeit zu Zeit muss man sich bekennen. Muss hervortreten aus der Deckung und zeigen, wo man steht. Kein Larifari, sondern Butter bei die Fische: Woran glaube ich? Worauf baue ich? Was hoffe ich?

Ich glaube an das Gute, dass es in jedem Menschen gibt. Ich glaube, dass es sich lohnt, die Welt da draußen zu entdecken. Meistens beginnt das schon hinter der nächsten Straßenecke. Ich glaube, dass manchmal die Luft trägt. Ich glaube, dass mir Kraft zuwächst, wenn ich sie brauche. Ich glaube an die Freiheit, meine und die der anderen. Ich glaube, dass Reden hilft. Ich glaube, dass zwei Drittel der Dinge, die Angst machen, eigentlich ganz interessant sein könnten. Ich glaube, dass ich mich selbst überraschen kann, auch wenn es manchmal nicht so scheint. Ich glaube an die Liebe. Ich glaube, dass Nächstenliebe mehr Erlösung verspricht als der Prinz auf seinem Pferd. Ich glaube, dass glauben hilft. Woran glaubst du?[2]

Und was wurde aus dem Bettler vor unserer Kirche? Ich habe ihm etwas gegeben. Mein Kopf redet mir zwar ein: Es ist falsch, dafür gibt es die Tafel, den Sozialstaat, die diakonischen Einrichtungen. Mein Bauch aber reagierte anders. Das ist evangelische Freiheit, wie ich sie liebe. Damit ist längst nicht alles gut. Aber dieses Lied kam mir wieder in den Sinn und jetzt klang es ganz trotzig: "Sonne der Gerechtigkeit… brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann, erbarm dich Herr".

[1] Susanne Niemeyer, i: Wandeln, Mein Fastenwegweiser 2018, Verlag: Andere Zeiten

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