An diesem Freitag feiern Christinnen in mehr als 120 Ländern den Weltgebetstag der Frauen. In diesem Jahr wurde das Ökumene-Event von palästinensischen Frauen vorbereitet. Das Motto lautet "Ertragt einander in Liebe".

Angesichts der Eskalation des Nahost-Konflikts hatten der deutsche Weltgebetstags-Vorstand sowie das deutsche Komitee eine überarbeitete Version der Gottesdienstordnung erarbeitet. Damit solle einer zunehmend polarisierten Diskussion in Deutschland Rechnung getragen werden, hieß es. Der Angriff der Hamas und der Krieg in Gaza hätten die Bereitschaft vieler Menschen verringert, palästinensische Erfahrungen gelten zu lassen, wurde erklärt. Die neuen Erläuterungen sollten dazu beitragen, die "Worte der palästinensischen Christinnen trotz aller Spannungen hörbar zu machen."

Die Theologin Brunhilde Raiser, evangelische Weltgebetstags-Vorstandsvorsitzende, warb um Verständnis für die Situation der Christ*innen in Palästina. Sie lebten in einer ihre Existenz bedrohenden Situation. Die Gottesdienstordnung sei da geändert worden, wo es zum Verständnis hilfreich sei, damit es im deutschen Kontext nicht fälschlicherweise antiisraelisch oder antisemitisch oder antijüdisch verstanden werden könne. 

Kritik der palästinensischen Christinnen an deutschen Änderungen

Das palästinensische Weltgebetstags-Komitee hatte die deutschen Änderungen bereits Mitte Januar als nicht abgesprochen kritisiert. Sally Azar, Pfarrerin in Jerusalem und Leiterin des palästinensischen Komitees des Weltgebetstags, äußerte Ende Februar gegenüber evangelisch.de Unverständnis.

Vor dem Hintergrund der deutschen Diskussionen um den Nahost-Konflikt könne sie zwar verstehen, dass die Liturgie kontextualisiert wurde.  Sie frage sich jedoch, warum in den Erfahrungsberichten von drei Frauen in der Liturgie noch etwas geändert werden sollte:

"Niemand hat so richtig verstanden, dass wir damit Probleme kriegen könnten - mit einer Bearbeitung unserer eigenen Texten im palästinensischen Raum."

Der Alltag in den palästinensischen Gebieten sei geprägt von der israelischen Besatzung, von mangelnder Bewegungsfreiheit, von Demütigungen und Willkür an den Checkpoints, von Übergriffen israelischer Soldaten. Von all dem sei in der vom deutschen Weltgebetstagskomitee aktualisierten Fassung der Liturgie kaum noch etwas zu spüren.

"Uns wurde versprochen, dass an den Geschichten nichts geändert wird, aber trotzdem wurden in den Geschichten Wörter gestrichen und auch Israel als Täter gestrichen. Aber so leben wir, so sehen wir." 

1927 wurde erstmals international ein Weltgebetstag von christlichen Frauen unterschiedlicher Konfessionen gefeiert. Ein erster ökumenischer Weltgebetstag in Deutschland fand 1947 im Berlin der Nachkriegszeit statt. Seit Anfang der 1960er Jahre engagieren sich auch römisch-katholische Frauen vermehrt beim Weltgebetstag. Bereits 1994 stand das Thema Palästina im Mittelpunkt. Der Gottesdienst für den Weltgebetstag 2025 kommt von den Cookinseln im Südpazifik.

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