Kirchentag
Die Losung des Kirchentages auf Fränkisch? Klingt komisch, geht aber. Die Idee dazu hatte der Nürnberger Pfarrer und Kabarettist Hannes Schott. Im Sonntagsblatt-Gespräch erklärt er, wieso.

Der Nürnberger Pfarrer von St. Jakob und Kabarettist, Hannes Schott, hat die kürzlich bekanntgegebene Losung des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2023 in Nürnberg sofort ins Fränkische übersetzt. Aus "Jetzt ist die Zeit" macht er schlicht: "Etzadla".

Sie haben gleich nach der Bekanntgabe der Kirchentags-Losung eine Perücke aufgesetzt, ein kleines Filmchen gedreht und das Leitwort ins Fränkische übersetzt. Weshalb?

Hannes Schott: Natürlich habe ich da gleich einen leichten Kreativitätsschub verspürt. Ich habe mir gedacht, jetzt ist es raus, jetzt musst du als Kabarettist irgendwie reagieren und noch eine Pointe reinbringen. Die Perücke setze ich dazu auf, weil ich dann ein anderer Typ bin, der gscherte Franke, der am Stammtisch 'a weng' daherreden kann. Ich habe ja oberhalb der Nase außer den Augenbrauen keine Haare mehr. Eine leichte Verfremdung hilft mir, in eine Rolle reinzuschlüpfen. Ich fand den Bibelspruch von Anfang an super. Ich habe da nach den Erfahrungen von anderen Kirchentagen etwas viel Einengenderes erwartet, das eindeutig in eine ethische Richtung geht.

Der Spruch "Jetzt ist die Zeit" ist für mich positiv und hoffnungsvoll - gerade in den momentanen Zeiten. "Jetzt ist die Zeit" - geht für mich automatisch weiter mit: Jetzt ist die Zeit des Heils, jetzt und auch beim Kirchentag in zwei Jahren. Die fränkische Übersetzung mit "etzadla" ist nicht so hoffnungsfroh. Das Wort nimmt der Franke für alles. Insofern muss es dann noch theologisch gefüllt werden. Im Bibeltext dazu steht: 'Es ist höchste Zeit' - das ist eher das "Etzadla". Also man kann es so sagen: es ist höchste Zeit, dass was passiert oder jetzt ist die Zeit des Höchsten, die Zeit Gottes. Das ist auch sehr hoffnungsvoll.

"Bagg mers" und "Obachd" - mit solchen fränkischen Begriffen ist die Kirchentagskampagne für Nürnberg 2023 gespickt. Kommt Nürnberg mit dem Dialekt nicht etwas kuh-dorfig rüber?

Schott: Es ist ja nicht völlig falsch. Denn, wenn man ehrlich ist, dann sind wir Franken natürlich kuh-dorfig. Auch Nürnberg, wo ich jetzt seit einem Jahr bin, das ist eine Großstadt, aber auch eine Kleinstadt, die sich als Großstadt verkleidet hat. Und wenn die Leute zum Kirchentag kommen und eine Großstadt wie Berlin erwarten und den Charme und das Miteinander einer Kleinstadt erleben, ist doch wunderbar.

epd: Und die anderen fränkischen Worte, die auf den Kirchentags-Plakaten und Postkarten verwendet werden - was sagt der Theologe zum Beispiel zu "Allmächd"?

Schott: Allmächd ist ein höchst spirituelles Wort. Der Höchste wird angerufen, der "allmächtige Gott". Spricht man ihn auf Dialekt in der Muttersprache an, wird der Allmächtige ganz runtergebracht und ich kann mit ihm auf Augenhöhe reden. Wir Franken haben beste sprachliche Voraussetzungen, den Kirchentag zu prägen: "Obachd gebn", das ist ein wertvoller Hinweis und wenn "etzadla" in den Sprachgebrauch der Leute kommt, ist das wunderbar. Ich erinnere mich an Studienfreunde, die gesagt haben, sie haben sich aus dem Fränkischen das "a weng" abgeschaut, das alles einfacher macht und, das "la" überall hinzuhängen, weil das das Leben leichter macht. Dann ist nicht mehr alles so groß und schwer.

"Jetzt ist die Zeit" - des konn mer scho aa auf Fränkosch sogn! Hannes Schott und das Motto vom Kirchentag auf Fränkisch!

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