20. April 2021
Singles und Kirche

Singles und Kirche: Wie eine Webplattform Singles und Gemeinden unterstützt

Wer Single ist, findet sich in den meisten Kirchengemeinden nicht wieder. Doch was können kirchliche Einrichtungen verändern? Eine Plattform bemüht sich nun darum.
Kirchen kümmern sich viel um Familien und Ehepaare. Für Singles gibt es meist weniger Angebote. Andrea König von der Fachstelle für Frauen und Günter Kusch vom Forum Männer im Amt für Gemeindedienst Nürnberg berichten im Sonntagsblatt-Interview, welche Angebote es bereits für Singles gibt und weshalb sie die Plattform SinglesundKirche.de gegründet haben.

Wer Single ist, findet sich in den meisten Kirchengemeinden nicht wieder. Doch was können kirchliche Einrichtungen verändern? Andrea König und Günter Kusch vom Amt für Gemeindedienst (AfG) in Nürnberg haben vor über einem Jahr das Projekt "Kirche & Singles" gestartet. Im Interview berichten sie über die ersten Erfolge und ihre Pläne für die Zukunft.


Was passiert auf dem Webportal zum Thema "Singles und Kirche"?

Andrea König: Wir haben gar nicht so viel Material auf die Seite gestellt. Vielmehr sollen Singles das selbst gestalten. Diese sollen einen Ort bekommen, wo sie mitteilen können, wie sich Kirche vorstellen und wie wir diese gestalten können. Auf der anderen Seite gibt es auch den Bereich für Kirchengemeinden, die sich mit dem Thema Singles beschäftigen wollen. Hier geht es vor allem um die Sensibilisierung kirchlicher Einrichtungen für das Thema.

Günter Kusch: Wir haben für den Anfang Interviews gemacht mit Singles und sie befragt. Darunter finden sich auch ein paar Promis, so der Komiker Volker Reissmann. Er hat auf die Frage geantwortet, ob Jesus der erste Single war – und war natürlich um keine Antwort verlegen.

Außerdem haben wir Laura als Bloggerin gewonnen: Sie berichtet auf der Seite regelmäßig über ihr Leben als Single. Die Seite wächst kontinuierlich – seit kurzem finden sich dort auch Rezepte für und von Singles.


Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Singles?

Andrea König: Gerade in der Weihnachtszeit war das Thema Einsamkeit und Corona groß in den Medien. Wir haben deshalb überlegt, welches Angebot wir Singles machen könnten. Und dann haben wir ganz spontan zu einem digitalen Treffen eingeladen. Beim ersten Mal kamen rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle Altersklassen waren vertreten. Die Leute kamen aus ganz Deutschland. Und seitdem hat sich das Treffen etabliert. Das Format wurde sehr gut angenommen.

Da bestand der Wunsch, das alle zwei Wochen zu machen, und seither gibt es jeden Freitag um 18 Uhr ein digitales Treffen. Das wird sehr flexibel gehandhabt: Wer einmal dabei war, bekommt immer die Einladung. Wer Zeit hat, kommt einfach dazu.


Was wünschen sich Singles von der Kirche?

Günter Kusch: Eine Idee, die immer wieder angesprochen wird, ist der Wunsch, dass neu Zugezogene schneller ein Netzwerk finden in einer Kirchengemeinde. Singles möchten, wenn sie umziehen, gerne in einer Kirchengemeinde beheimatet sein. Von einem Single kam die Idee, dass es eine App geben müsste, bei der sich die Leute vernetzen können, also etwa sagen, ich möchte etwas kochen, wer möchte noch dazu kommen.
Die meisten Kirchengemeinden sind sehr auf die Familie hin orientiert. Da stehen Vater, Mutter und die Kinder im Mittelpunkt. Viele Singles haben den Eindruck, dass sie mit ihren Themen gar nicht vorkommen.
Andrea König: Viele Singles geht es gar nicht darum, dass sie in jeder Kirchengemeinde ein Angebot benötigen. Im Gegenteil. Wenn bei einer Veranstaltung "Singles" draufsteht, dann würden viele da gar nicht hingehen. Aber die meisten wünschen sich mehr Vernetzung.

Vielen Gemeinden ist gar nicht bewusst, wo sich die Singles aufhalten. In vielen Chören und bei der Kirchenmusik sind viele Singles unterwegs, ganz einfach weil jeder dort sehr leicht teilnehmen kann. Ähnlich ist es im Bereich Kirchenvorstand. Singles sind also an vielen Orten präsent.

Und darauf müssten Kirchengemeinden mehr reagieren?

Andrea König: Für viele Singles könnte die Kirchengemeinde der zentrale Ort sein. Neben Arbeit und Freunden könnte hier der dritte zentrale Ort im Leben von Singles sein. Da steckt großes Potenzial drin. Das bedeutet nicht, dass jede Kirchengemeinde jetzt zielgruppenspezifische Angebote machen muss. Aber wir sollten als Kirche doch eine Sensibilisierung für diese Themen haben.

In der bayerischen Landeskirche gibt es jetzt eine Stabsstelle für Chancengerechtigkeit. Dort wird gerade ein digitales Tool entwickelt, dass eine Art Index liefern soll für die Arbeit in den Kirchengemeinden. Und mit Hilfe dieses Tools sollen dann Gemeinden herausfinden können, welche Bedürfnisse es gibt und welches Potenzial aufgegriffen werden könnte. Und das kann vielleicht auch für Singles genutzt werden.

Als ersten Schritt haben wir jetzt ein digitales Pinnbrett installiert. Auf diesem Padlet können Singles eintragen, was sie sich wünschen und was es braucht – und was nicht. Das ist ein sehr charmantes Tool, das viel Spaß bereitet und uns hilft, Neues zu entdecken.

Gibt es schon Ideen von oder für Kirchengemeinden?

Günter Kusch: Es gibt viele gute Anregungen. Eine Idee ist es, neue Kasualien zu entwickeln. Wäre es möglich, neue Rituale zu begründen. Könnte es nicht auch eine Segnung geben, wenn ich mit einem neuen Beruf anfange oder die Stelle wechsle? Hier könnten wir als Gemeinden den Menschen eine Stärkung mit auf den Weg geben.

Und könnte es nicht auf jeder Webseite der Gemeinden auch einen Link auf die Single-Plattform geben – oder einen Zugang zu einer App, auf der ich mich als Single anmelden kann? Dann könnte ich dort Veranstaltungshinweise bekommen oder mich mit anderen in der Gemeinde vernetzen.

Was muss sich in den nächsten Jahren noch verändern?

Andrea König: Unsere Aufgabe sehe ich vor allem im Bereich der Sensibilisierung. Häufig wird in den Medien von Alleinlebenden gesprochen. Dabei trifft dieser Begriff gar nicht zu: Nur weil ich allein lebe, bin ich noch lange kein Single. Wir haben in unseren Gruppen einige Teilnehmerinnen, die sind geschieden und haben Kinder, aber sie leben nicht alleine.

Die Gruppe der Singles ist sehr heterogen. Wir haben die Tendenz, die Menschen in Schubladen zu stecken. So lange sich das nicht ändert, sehe ich viel Bedarf für unsere Arbeit. Wir müssen unsere Sprache ändern – denn das ist die Voraussetzung dafür, dass sich das Verständnis füreinander verbessert.

 

Unter diesem Link findet Ihr das Webportal "kircheundsingles.de"

 

 

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