Kunstgeschichte
Bisher unbekannte Notizen eines Nachbarn von Albrecht Dürer werfen neues Licht auf die Umstände seines Todes. Manche These zu seinem Spätwerk könnte nun wanken.
Dürer Reformation Nürnberg
Eine Plakette am Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg

Im Wikipedia-Eintrag zu Albrecht Dürer (1471-1528) steht noch, dass der große Künstler am 6. April 1528 an Malaria starb. Aber die Notizen eines Nachbarn des Nürnberger Malers berichten nun von einer anderen Todesursache.

Eine neu vorgestellte wissenschaftliche Arbeit besagt, der Künstler sei wohl einer Lungenentzündung oder einer Rippenfellentzündung erlegen. Das hat der emeritierte Würzburger Geschichtsprofessor Franz Fuchs in seinem Aufsatz für den jüngsten Band des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg dargelegt.

Albrecht Dürers Nachbar Christoph Scheurl (1481-1542) habe am Rande seiner unveröffentlicht gebliebenen Chronik "Geschichtsbuch der Christenhait" die Todesursache Dürers vermerkt, schreibt Fuchs. Die Notiz liefere als neues Detail zu Dürers Tod auch die genaue Uhrzeit am 6. April 1528: "Zwei Stunden vor Sonnenaufgang".

Starb Albrecht Dürer gar nicht an Malaria?

Scheurl schrieb zudem auf, dass Dürer am 2. April abends erkrankt und an der "Pleuresis" verstorben ist. "Pleuresis" oder "Pleuritis" werde gewöhnlich mit Rippenfell- oder Brustfellentzündung übersetzt, stellt Fuchs fest. Es könne aber auch eine Lungenentzündung als Ursache infrage kommen. Bisher gingen die Kunsthistoriker davon aus, dass sich Dürer 1520/21 während seiner Reise in die Niederlande mit Malaria angesteckt hatte und an dieser Infektion in seinen letzten Lebensjahren litt.

Die neue Erkenntnis kann sich nach Auffassung des Dürer-Experten und Direktors der Nürnberger Museen, Thomas Eser, auf die fachliche Betrachtung des Dürer-Spätwerks auswirken. Er räumte ein, dass sich auch mit der neuen Veröffentlichung der medizinische Befund Dürers heute nicht mehr sicher klären lasse.

Rat der "Älteren Herren" genehmigte Anfertigung der Totenmaske

"Die These des lang erkrankten Malers muss aber erst mal in die Schublade", stellte Eser fest. Das Leiden Dürers an Fieberschüben oder an einer Melancholie seien bisher gerne in sein späteres Schaffen hineininterpretiert worden.

Fuchs' Aufsatz kann außerdem noch mit Spekulationen um Dürers spektakuläre Exhumierung einen Tag nach seiner Beerdigung aufräumen. Diese ist nach den Notizen des Zeitgenossen keine Nacht- und Nebelaktion gewesen, sondern sei vom Rat der "Älteren Herren" genehmigt gewesen, um die Totenmaske des bekannten Künstlers für die Nachwelt anzufertigen und ihm eine Locke abzuschneiden. In der bisherigen Kunstgeschichtsschreibung war vielfach von einer Schändung von Dürers Grab durch "unwürdige Gesellen" die Rede gewesen.

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