9.06.2019
Pfingstsonntag

2019: Das ist die Pfingstbotschaft der bayerischen Bischöfe

"Pfingsten bläst uns den Geist der Freiheit ins Herz", schreibt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Botschaft zum dritthöchsten Feiertag im Christentum. Lesen Sie in unserer Zusammenfassung die Gedanken der bayerischen Bischöfe zum Pfingstsonntag.
Taube Flug in die Freiheit

Für den den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist das Pfingstfest eine Erinnerung an die Pluralität der Kirche. Die Erfahrung des Heiligen Geistes verbinde sehr verschiedene Menschen zu einer Gemeinschaft, die Kirche genannt werde, heißt es in der Pfingstbotschaft des Bischofs.

"Pfingsten mischt unsere kirchlichen Milieus auf und bläst uns den Geist der Freiheit ins Herz", schreibt Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutscghland (EKD) ist.

"Pfingsten nimmt unsere Klischees und Vorurteile aufs Korn und je mehr der Geist weht und uns in der Seele erreicht, verwandelt er sie in Liebe."

Zu der vielfältigen Gemeinschaft der Christen gehörten auch die Zweifler, die mit ihrem kritischen Geist andere davor bewahrten, "althergebrachte Glaubenswahrheiten einfach nachzubeten". Zur Gemeinschaft gehörten auch die jungen Menschen, die manchmal "harte Worte" fänden für die gewohnten kirchlichen Formate. Auch "die Erweckten" gehörten dazu mit ihrer Begeisterung für den Glauben, heißt es in der Botschaft.

In der biblischen Apostelgeschichte im Neuen Testament wird berichtet, wie der Heilige Geist zu den Jüngern Jesu kam, die nach dessen Tod und Auferstehung allein in Jerusalem zurückgeblieben waren. In der Bibel heißt es: "Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab."

Der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski zufolge will Gott am Pfingstfest bei den Menschen einziehen.

"Nicht nur als Untermieter, sondern sozusagen als Familienmitglied, als wirklicher Hausgenosse will er bei uns wohnen", sagte sie am Pfingstsonntag in der Ansbacher St. Gumbertuskirche. Durch den Heiligen Geist, den Jesus "Tröster" genannt habe, könne man Gottes Nähe in besonderer Weise spüren - Gott stehe den Menschen durch seinen Geist bei. Und Trost bräuchten Menschen vom Anfang bis zum Ende ihres Lebens: "Vom Säugling, der schreit, bis hin zum sterbenden Greis."

Laut Bornowski schreit die ganze Welt geradezu nach Trost - egal, wohin man auch schaue: "Zu den Geflüchteten in den Schlauchbooten auf dem Mittelmeer, die so sehr auf Rettung und eine neue Heimat hoffen und dann einfach ihrem Schicksal überlassen werden!"

Oder in den Sudan, nach Jemen, nach Venezuela, an die mexikanisch-US-amerikanische Grenze, listete die Theologin auf. Trost zu spenden habe viel mit Geistesgegenwart zu tun. "Im richtigen Moment das Richtige tun und sagen", wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, als er in Sizilien selbst in ein Flüchtlings-Schlauchboot gestiegen sei.

Auch für den evangelischen Regensburger Regionalbischof, Hans-Martin Weiss, ist das Pfingstfest eine Erinnerung daran, dass Gott bei den Menschen sei und in ihnen wohne. Durch den Heiligen Geist, den Jesus "Tröster" genannt habe, teile er sich den Menschen mit und helfe ihnen. "Wenn wir so verzweifelt, fertig, kaputt sind, dass wir noch nicht einmal mehr etwas sagen können, spricht Gott durch den Heiligen Geist zu den Menschen", sagte Weiss am Pfingstsonntag in der Kurkirche Bad Gögging im Kreis Kelheim, deren Einweihung an Pfingsten vor 20 Jahren gefeiert wurde.

Die Erfahrung des Heiligen Geistes verbinde die Menschen aber nicht nur mit Gott, sondern auch die Menschen miteinander.

Er sei eine Art "Mittler, der zwischen uns ist, als ob wir alle im selben Wasserbecken wären", erklärte Weiss. Diese Verbundenheit überschreite auch die Zeiten. Die Menschen seien durch den Heiligen Geist verbunden mit den Christen der Reformationszeit und des Mittelalters, mit den Aposteln und Jüngern und mit Jesus selbst.

Nach Auffassung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, soll die Kirche ein Beispiel für ein einmütiges Miteinander sein. Es sei "der synodale Weg", der die Kirche "neu in ein Pfingsten hinein" führe, sagte der Erzbischof von München und Freising laut einer Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats.

"Wir wollen aufeinander hören mit Respekt und die Sorgen des anderen hören", beschrieb Marx diesen Weg.

Schon der biblische Apostel Paulus habe gesagt, dass Allen der Geist Gottes gegeben sei. In dieser Tradition gelte es für die Kirche voranzugehen.

Marx bedauerte, dass oft Kommunikation nicht gelinge, "auch nicht in der Kirche". Er sei nicht immer glücklich über die Kommunikation der Kirche, auch über sich selbst nicht, sagte der Erzbischof. Er forderte eine Rückbesinnung der Kirche auf das Pfingstfest als "Fest der gelungenen Kommunikation". Miteinander reden und einander verstehen zu können, seien zwei der großen menschlichen Gaben.

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Es erinnert an die Entsendung des Heiligen Geistes und wird als "Geburtstag" der Kirche verstanden. Im christlichen Kirchenkalender endet mit Pfingsten die österliche Festzeit. Der Name geht auf das griechische Wort "pentekoste" (der Fünfzigste) zurück, weil das Pfingstfest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern gefeiert wird.

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