15.11.2015
Ein Kleinod mit Geschichte

Epitaphien in der Regensburger Innenstadt

Im Schatten der renovierten Regensburger Dreieinigkeitskirche aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs liegen zahlreiche Grabmäler, die bis heute nach wie vor fast unentdeckt sind. Doch nun ist der bedeutsame Friedhof für die einst protestantischen Gesandten zu Reichstagszeiten vom Zerfall bedroht. Eine umfangreiche Sanierung soll ihn davor schützen.
Blick vom Turm der Regensburger Dreieinigkeitskirche
Über den Dächern von Regensburg: Den schönsten und beliebtesten Panoramablick hat man vom Turm der Dreieinigkeitskirche aus.

Einfache Grabplatten bis hin zu monumentalen Epitaphien sind rund um die historische Kirche inmitten der Regensburger Innenstadt zu finden. Von einem Gesamtdenkmal mit rund 60 Grabstätten spricht Klaus-Peter Ruess, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um die Aufarbeitung der Friedhofsgeschichte zwischen 1641 bis 1805 kümmert.

Die Grabanlage war zunächst als Notfriedhof für die bei Kämpfen um Regensburg gefallenen schwedischen Offiziere entstanden. Insgesamt sollen hier knapp 100 Menschen begraben sein, darunter 45 Gesandte aus Schweden, Dänemark, Kursachsen, Thüringen und Preußen.

Schädlicher Taubendreck

Heute ist der innerstädtische Friedhof ausgerechnet als einziger erhalten geblieben, "der vom Magistrat der Stadt urprünglich gar nicht erwünscht war", hat Ruess bei seinen Nachforschungen herausgefunden. Umso mehr beklagt er, dass die überwiegend barocken Denkmäler "in einem bedrohlich schlechten Zustand sind".

Vor allem Taubendreck schädige den Gesandtenfriedhof, den der ehemalige Chemiker bewahren und zugleich aus seinem Dornröschenschlaf erwecken will. So kann der 70-jährige Ruess auch amüsante Familiengeschichten der einstigen Diplomaten erzählen: wie ein preußischer Gesandter am Sterbebett evangelisch wurde und damit seine Witwe noch im Tode ärgerte.

Um die Bedeutung des versteckt hinter der Dreieinigkeitskirche gelegenen Gesandtenfriedhofs weiß auch die Gesamtkirchenverwaltung (GKV). Sie unterstützt die geplante Sanierung auch im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017. Erste Voruntersuchungen zur Instandsetzung der Grabmäler sind angelaufen.

Teure Sanierung notwendig

Die Wind und Wetter ausgesetzten Grabsteine und Epithanien seien trotz Schutzdächer zum Teil unleserlich geworden "und haben durch Verwitterung Teile ihres bildhauerischen Schmucks eingebüßt", sagt Architektin Anke Romanow aus der Bau- und Liegenschaftsverwaltung. Geschätzte 600.000 Euro würden zur Sanierung benötigt, die aus Fördermitteln und Spenden aufgebracht werden sollen.

Auch für Dekan Eckhard Herrmann ist der Gesandtenfriedhof ein wesentlicher Teil der "protestantischen Epoche" der Regensburger Stadtgeschichte. Er sollte daher bei Stadtführungen künftig fest im Programm sein.

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