10.11.2019
Ökumene

Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre: Jubiläum in Augsburg

Kirchenvertreter: Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre hat Christen versöhnt. Das Internationale Ökumene-Netzwerk "Miteinander für Europa" feierte 20-jähriges Bestehen in Augsburg.
Altar und Ambo von Lutzenberger + Lutzenberger in St. Anna, Augsburg.
St. Anna in Augsburg mit Blick auf Altar und Ambo von Lutzenberger + Lutzenberger.

Die vor 20 Jahren in Augsburg unterzeichnete "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" hat nach Ansicht des früheren Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Christian Krause, eine Euphorie der Befreiung ausgelöst. Die Unterzeichnung sei eine Versöhnung unter den Christen gewesen, sagte er in Augsburg. Dort hatten sich rund 180 Vertreter des ökumenischen Netzwerks "Miteinander für Europa" getroffen, das am 31. Oktober 1999 in Ottmaring bei Augsburg gegründet worden war.

Die gemeinsame Ökumeneschrift sei nicht nur ein Stück Papier geblieben, sondern habe viele weitere Weltkirchengemeinschaften in ein gemeinsames Bekenntnis eingebunden, sagte der Braunschweiger Altbischof Christian Krause. "Wir haben die Hände, die wir uns damals gereicht haben, nicht wieder losgelassen und es sind viele weitere Hände dazugekommen", betonte der 79-Jährige. Zugleich ermunterte er das Netzwerk, die ökumenischen Beziehungen zu vertiefen und weiterzuleben: "Ihr seid die Botschafter an Christi statt."

Gemeinsame Erklärung der Rechtfertigungslehre

Martin Luthers Lehre von der Rechtfertigung des "sündigen" Menschen vor Gott wurde vor fast 500 Jahren zum theologischen Ausgangspunkt der Kirchenspaltung in Europa. 1999 hoben Lutheraner und Katholiken nach rund 30-jährigem Dialog in einer Gemeinsamen Erklärung in Augsburg ihre früheren gegenseitigen Lehrverurteilungen auf.

Die Augsburger Erklärung sei ein Meilenstein gewesen, auch wenn es immer noch Unterschiede gebe, sagte der Augsburger Regionalbischof Axel Piper. "Rechtfertigung" heute sei eine Hilfe zum Leben und habe auch viel mit Selbstbewusstsein zu tun, sagte der Theologe. Rechtfertigung heute geschehe dann, wenn man andere Menschen wissen lasse, "dass ich ihn schätze und ihn anerkenne", betonte der Regionalbischof für Augsburg und Schwaben.

Auch wenn viel erreicht worden sei im ökumenischen Miteinander sei "noch nicht alles gelöst", sagte der Diözesanadministrator der Diözese Augsburg, Prälat Bertram Meier. Allerdings sei "das, was uns verbindet größer als das, was uns trennt". Bei aller Unterschiedlichkeit in den christlichen Kirchen bilde das 1999 unterzeichnete Dokument eine sichere Grundlage für die weitere ökumenische theologische Forschung, betonte der Prälat.

Das internationale ökumenische Netzwerk "Miteinander für Europa" feierte drei Tage lang seinen 20. Geburtstag. Zum Abschluss des samstäglichen Festtages gab es in der Augsburger St.-Anna-Kirche ein ökumenisches Gebet für Europa. Zum Netzwerk gehören Vertreter aus mehr als 300 christlichen Gemeinschaften, darunter zahlreiche CVJMs, die Gemeinschaft Sant'Egidio, die Fokolar-Bewegung und die Schönstatt-Bewegung. Eingebunden war das Fest in ein Begegnungswochenende in Ottmaring bei Augsburg mit 180 Vertretern aus verschiedenen europäischen Ländern.

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Sie gilt als Aufbruch und historisches Ereignis in der Geschichte der Ökumene: Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" beendete im Jahr 1999 einen jahrhundertelangen theologischen Streit zwischen den christlichen Kirchen. Unterzeichnet wurde das Dokument in der evangelischen Kirche St. Anna in Augsburg.