Zum 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki fordern die katholische Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit der EKD entschlossenes Handeln für eine atomwaffenfreie Welt.
"Die Opfer von 1945 sind Mahnung und Verpflichtung zugleich", betonen Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Vorsitzender von Justitia et Pax, und der EKD-Friedensbeauftragte Landesbischof Friedrich Kramer in einer gemeinsamen Erklärung.
Beide Kirchen lehnen den Einsatz sowie die Androhung von Atomwaffen seit jeher ab.
Keine Gewöhnung an nukleare Abschreckung
"Es darf keine Gewöhnung an nukleare Abschreckung geben", warnt Bentz und verweist auf das katholische Friedenswort "Friede diesem Haus", das eine Abkehr von der Eskalationslogik fordert.
Kramer ergänzt: "Atomwaffen dürfen weder eingesetzt noch als Drohinstrument legitimiert werden." Besorgt zeigen sich die Bischöfe angesichts des Ukraine-Kriegs: Russlands Atomdrohungen hätten eine "massive Verunsicherung" ausgelöst – und trotz nachvollziehbarer Ängte sei klar:
"Abschreckung garantiert keinen Frieden."
Warnung vor neuem Wettrüsten
Kritisch bewerten sie das Auslaufen aller großen Abrüstungsverträge, darunter New START, und verweisen auf Warnungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI vor einem neuen nuklearen Wettrüsten.
"Abrüstungsverhandlungen scheinen derzeit unrealistisch. Doch auch in Krisen dürfen wir das Ziel nicht preisgeben", sagt Kramer.
Der Appell der Kirchen bleibt eindeutig: Die Reduktion von Atomwaffen sei eine "Frage des Weltgemeinwohls" – und Beharrlichkeit selbst in aussichtslos erscheinenden Zeiten der einzige Weg.
Kommentare
Das darf man zumindest…
Das darf man zumindest bezweifeln. Wir sehen zwar, dass Atomwaffen keinen Krieg verhindern, aber die Tatsache, dass es seit 1945 zu keiner direkten Konfrontation der Großmächte mehr kam, dass keine Atommacht eine volle Invasion mehr erlebte, spricht dafür, dass die Abschreckung defensiv sehr wohl wirksam ist. Natürlich entsteht durch die Verbreitung ein Risiko, dass die Waffen auch in irrational agierende Hände geraten, oder dass ein Einsatz durch Mißverständnis entstehen könnte, aber das Gleichgewicht des Schreckens wirkt sonst sehr wohl. Es ist auch nicht so, dass man mit Abrüstung das know how vernichtet. Vielmehr werden sich einige Geheimnisträger bei Ausmusterung anderen Herren andienen, die sich dem edlen Gedanken des Weltfriedens weniger verpflichtet fühlen. Auch der Abwurf erzählt eine andere Geschichte: Dieser geschah im Wissen, dass man anderen voraus war und keine Konsequenzen fürchten musste, ein Zustand der sich bei allgemeiner Abrüstung wieder einstellen würde. Natürlich ist der vielfache Overkill ein Irrsinn, die Mittel könnten humaner verwendet werden. Aber gerade die letzten Jahre sollten uns von der Idee, dass alle im Prinzip eh das Gute wollen eher kuriert haben.