23.03.2020
Corona-Krise im Tourismus

Langau-Leiter Barbian: Wie Corona die Existenz evangelischer Tagungshäuser bedroht

Stornierungen und Ausfälle: Die Tourismusbranche ist von der Ausbreitung des Coronavirus hart getroffen. Das spüren auch christliche Tagungshäuser wie die evangelische Bildungs- und Erholungsstätte Langau bei Steingaden. Normalerweise machen hier Familien mit schwerbehinderten Kindern Urlaub, Menschen mit demenzkranken Angehörigen und Schulklassen. Der Leiter der Langau, Peter Barbian, warnt vor einem Aus für kirchliche Tagungshäuser.
Bildungs- und Erholungsstätte Langau von oben
Die Bildungs- und Erholungsstätte Langau in Steingaden von oben

Als Folge der Corona-Pandemie bleiben die 125 Betten der evangelischen Bildungs- und Erholungsstätte Langau bis Ende April komplett leer. Von Mai bis Ende Juni haben 80 Prozent der Gäste storniert. Geschäftsführer Peter Barbian rechnet mit einem Einnahmeverlust von 300.000 Euro - ein Einbruch, der vielleicht nie wieder aufgeholt werden kann.

 

Was bedeuten die Absagen wirtschaftlich für Ihr Haus?

Peter Barbian: Für uns und für viele Tagungshäuser kann dies das wirtschaftliche Ende bedeuten. Die kirchlichen Tagungshäuser und Familienferienstätten sind ja gemeinnützig und übernehmen teilweise Aufgaben für den Staat und die Kirche - im Erwachsenenbildungsbereich oder der Familienerholung.

Viele wirtschaften schon unter normalen Bedingungen an der Grenze. Und wenn Rücklagen da sind, dann sind diese meist zweckbestimmt für Renovierungsarbeiten, oder um Schwankungen im Jahreslauf abfedern zu können. Verluste, die durch diese Krise gemacht werden, können niemals wieder aufgeholt werden.

Fangen Freistaat oder Kirche die Verluste auf?

Barbian: Die Sonderförderung der Bayerischen Staatsregierung trifft nur für Unternehmen zu, die akut in Liquiditätsengpässen sind. Das heißt: Wenn Rücklagen da sind, müssen die erst aufgebraucht werden, auch wenn sie zweckbestimmt sind. Abgesehen davon ist die Höhe überschaubar. Für unsere über 50 Mitarbeitenden, die umgerechnet 24 Vollzeitstellen ausmachen, würde uns eine einmalige Förderung in Höhe von 15.000 Euro zustehen. Wir haben ein Schreiben an die Landeskirche verschickt, um auf die dramatische Situation hinzuweisen.

Wie geht es weiter?

Barbian: Das hängt davon ab, wie lange die Krise andauert. Die Bildungsstätte Langau hat für den Sommer und den Herbst kaum Stornierungen. Wir wissen aber von anderen Häusern, bei denen die Belegung für den Sommer bereits dramatisch eingebrochen ist.

Bei länger andauernder Krise sind ohne Zuschüsse oder Ausfallübernahmen letztlich alle kirchlichen Häuser in der Existenz bedroht.

Unser Team arbeitet gerade Überstunden ab und bringt Urlaubstage ein. Im April werden wir Kurzarbeit anmelden. Das trifft allerdings wieder die Schwächsten: Gerade untere Einkommensgruppen müssen sowieso schon schauen, wie sie über die Runden kommen. Eine Kürzung - selbst wenn es "nur" 20 Prozent sind - kann da oft nicht mehr aufgefangen werden.

Bildungs- und Erholungsstätte Langau

Die evangelische Bildungs- und Erholungsstätte Langau wurde 1965 vom damaligen Bund Christlicher Pfadfinderinnen BCP gegründet. Das barrierefreie Tagungs- und Gästehaus bietet Freizeiten für Familien mit schwerbehinderten Kindern, Menschen mit demenzkranken Angehörigen und auch für Schulklassen. Es wird gefördert von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Bayern, von den Familienministerien von Bund und Freistaat, von der Aktion Mensch und der Glücksspirale.

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