21.10.2020
+++ News zum Coronavirus +++

Corona-Krise in Bayern: Stadt München hebt Maskenpflicht für Grundschüler trotz hoher Inzidenz auf

Aktuelle Nachrichten zum Coronavirus und dessen Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft lesen Sie hier im Sonntagsblatt.de-Newsticker.
Dossier Corona Virus Coronavirus

München hebt Maskenpflicht für Grundschüler trotz hoher Inzidenz auf

Mittwoch, 21. Oktober, 08.17 Uhr: Die Landeshauptstadt München hebt die Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler ab diesem Mittwoch (21.10.) trotz hohen Inzidenzwerts auf. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte diese Entscheidung am Dienstagabend damit, dass das Infektionsgeschehen in Grundschulklassen "sehr gering" sei: Diese machten nur fünf Prozent der aktuell 83 geschlossenen Schulklassen aus. "Grundschüler sind keine Infektionstreiber", sagte Reiter. Darum habe er entschieden, die Maskenpflicht aufzuheben, "um die Einschränkungen gerade für die jüngsten Schülerinnen und Schüler durch das Tragen von Masken so gering wie irgend möglich zu halten".

Die bayerische Staatsregierung hatte am 16. Oktober eine "Corona-Ampel" beschlossen, gemäß derer in Kommunen ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 50 die Maskenpflicht am Platz für Schüler aller Jahrgangsstufen gilt. In der entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung sei jedoch eine abweichende Regelung in begründeten Einzelfällen möglich, teilte die Stadt mit. Davon mache sie nun Gebrauch. München verzeichnete am Dienstag laut Robert-Koch-Institut 72,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Der 50er-Grenzwert ist dort seit 12. Oktober überschritten.

Der Betrieb an Münchner Schulen und Kitas mit insgesamt rund 5.000 Schulklassen und rund 3.000 Kitagruppen richte sich nach einem Stufenplan mit drei Phasen, hieß es weiter. Welche Stufe aktuell gilt, entscheide das städtische Gesundheitsreferat je nach Infektionsgeschehen in Absprache mit dem Bildungsreferat und der staatlichen Schulaufsicht. Es gebe "keinen Automatismus", wonach ab einem bestimmten Inzidenzwert sofort die nächste Stufe eingeleitet wird. Aktuell gelte weiterhin Stufe "gelb".

Dies bedeute, dass in München die Maskenpflicht im Unterricht ab der fünften Klasse erhalten bleibt, soweit dort der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. An den Grundschulen und den Grundstufen der Förderzentren jedoch müsse am Platz keine Mund-Nasen-Bedeckung mehr getragen werden. Auf den Gängen und Gemeinschaftsflächen hingegen gilt auch dort weiterhin Maskenpflicht.

Dienstag, 20. Oktober, 10.42 Uhr: Der Berchtesgadener Landrat Bernhard Kern (CSU) hat die drastischen Beschränkungen in seinem Landkreis wegen der enorm hohen Corona-Infektionszahlen erläutert und verteidigt. Die Maßnahmen seien "sehr nötig", sagte er dem Radiosender Bayern2 am Dienstag. Ab 14 Uhr an diesem Tag gilt im Berchtesgadener Land faktisch ein Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen, Schulen und Kitas haben geschlossen, das öffentliche Leben wird weitgehend lahmgelegt. Kern sagte: "Wir stehen in engster Verbindung mit dem Klinikum in Bad Reichenhall. Und man merkt ganz klar, dass die Zahlen im Krankenhaus steigen."

Mit Blick auf die anstehenden Herbstferien in Bayern sagte Kern dem Radiosender, für Tourismus und Wirtschaft sei das "natürlich ein ganz extrem einschneidender Schnitt". Die Herbstferien würden nicht so werden, wie man sich das gewünscht habe. Aber nun sei es "das Wichtigste, dass wir die Gesundheit in den Vordergrund stellen". Er wolle zudem "Weihnachten und die anstehende Adventszeit so erleben, wie wir es uns eigentlich wünschen." Die Einschränkungen seien auch nötig, damit man spätestens nach den Ferien wieder "einigermaßen normale Umstände" für die Schülerinnen und Schüler habe.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, sie unterstütze die ab Dienstag 14 Uhr geltende Ausgangsbeschränkung: "Schnell steigende Corona-Zahlen ohne offensichtliche klare Infektionsherde erfordern ein schnelles Durchgreifen." Bei derartigen Werten sei eine Kontaktnachverfolgung nur noch schwer möglich und eine Herausforderung. Die von Landrat Kern bekanntgegebenen Maßnahmen seien "der richtige Weg". Bei solchen Infektionszahlen müsse "die Notbremse gezogen" werden. Die Maßnahmen seien zwar einschneidend: "Aber was jetzt zählt, ist Entschlossenheit."

Im Berchtesgadener Land dürfen die Menschen ihre Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen und Kitas müssen schließen, Restaurants dürfen Essen nur noch zum Mitnehmen anbieten. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 2. November. Unterdessen sinken die Werte der Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis wieder. Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag auf seiner Internetseite einen Wert von 236,0. Tags zuvor war er noch bei über 250 Infizierten binnen sieben Tagen gewesen.

Corona-Regeln: Politik appelliert an die Vernunft der Bürger

Montag, 19. Oktober, 08.14 Uhr: Die Bundesregierung hat zur Vernunft im Umgang mit den steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich an die verschärften Regeln zur Kontaktbeschränkung zu halten. "Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet", sagte sie in ihrem Video-Podcast. Sie riet, auf jede Reise und jede Feier zu verzichten, die nicht unbedingt notwendig seien.

Ob ein erneuter "Lockdown" abgewendet werden könne, hänge von der Bevölkerung ab, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Die Frage sei, ob es gelinge, einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Kontakte einzuschränken, sagte er der "Funke Mediengruppe" am Sonntag. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der "Bild am Sonntag" sind 68 Prozent der Deutschen mit dem Corona-Management der Bundesregierung zufrieden.

 

Der Deutsche Städtetag forderte eine schnelle Verfügbarkeit von Bundeswehrsoldaten und anderen Helfern zur Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten. "Der Personalbedarf ist immens und steigt rasant mit den Infektionszahlen. Dass er fünfstellig sein kann, halten wir für realistisch", sagte der Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Montag). Von einem Bedarf von mehr als 10.000 weiteren Helfern geht auch das Kanzleramt aus.

Die Bundeswehr hatte bereits 5.000 kurzfristig verfügbare und weitere 10.000 binnen 30 Tagen einsatzbereite Soldatinnen und Soldaten zur Corona-Amtshilfe abgestellt. "Wir schauen auch über die Bundeswehr hinaus, ob wir weitere Personalreserven in der Bundesregierung und nachgeordneten Behörden mobilisieren können", sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) der "Rheinischen Post". Er brachte auch die Idee eines Staatsakts für Corona-Opfer am Ende der Pandemie wieder ins Gespräch.

Nach Meinung der evangelischen Theologin Margot Käßmann sollte eine erneute Beschränkung der Personenzahl bei Trauerfeiern vermieden werden. "Taufen, Konfirmationen, Trauungen lassen sich nachholen. Eine Beerdigung nicht", schrieb sie in der "Bild am Sonntag".

Bayern weitet Maskenpflicht deutlich aus

14.08 Uhr: Die Maskenpflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird in Bayern deutlich ausgeweitet. In Regionen mit einem Sieben-Tages-Inzidenzwert ab 35 müssen Schüler ab der fünften Klasse nun auch im Unterricht eine Maske tragen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag nach der Kabinettssitzung in München sagte. Ab einer Inzidenz von 50 gilt dies zudem für Grundschüler - auch in der Nachmittagsbetreuung. Die Maskenpflicht ab Inzidenz 35 gilt zudem für Studierende in der Vorlesung sowie auf allen stark frequentierten Plätzen und Passagen, in öffentlichen Gebäuden und Hochhäusern. Am Arbeitsplatz müsse dort ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, wo kein Mindestabstand möglich ist.

Zudem wurde eine Sperrstunde von 23 Uhr (ab Inzidenz 35) beziehungsweise 22 Uhr (ab Inzidenz 50) beschlossen. Diese Maßnahme geht über das hinaus, was die Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwochabend in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen hat. Auch Tankstellen dürfen nicht über diese jeweiligen Uhrzeiten hinaus Alkohol verkaufen. Für private Feiern gelten die Grenzen von zehn Personen zu Hause ebenso wie in öffentlichen Räumen (ab Inzidenz 35) beziehungsweise fünf Personen oder die Mitglieder zweier Hausstände (ab Inzidenz 50).

Weltärztepräsident erwartet 10.000 Corona-Neuinfektionen täglich

Samstag, 17. Oktober, 11.52 Uhr: Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery rechnet damit, dass trotz der aktuell beschlossenen Maßnahmen die Zahl der Corona-Neuinfektionen in wenigen Tagen eine weitere Rekordmarke erreicht. "Auch in Deutschland wird die Zahl der Neuinfektionen in der kommenden Woche voraussichtlich die Grenze von 10.000 überschreiten", sagte Montgomery der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). Daran könnten auch die jetzt getroffenen Maßnahmen wenig ändern, weil die sich erst "in frühestens fünf bis zehn Tagen auswirken", sagte der Präsident des Weltärztebundes.

Nach Ansicht des SPD-Fraktionsvize und Epidemiologen Karl Lauterbach ist bei einem weiteren Anstieg der Fallzahlen die Versorgung schwerer Corona-Fälle gefährdet. Bei einem weiteren dauerhaften Anstieg der Fallzahlen reichten die Krankenhauskapazitäten nicht aus, um die schweren Fälle angemessen zu behandeln, sagte Lauterbach der Zeitung. "Bei täglich 10.000 Fällen ist spätestens in zwei Monaten der Punkt erreicht, bei dem zu wenige Intensivbetten für die Corona-Patienten bereitstehen", warnte Lauterbach. Der Gesundheitsexperte plädierte dafür, erst einmal die aktuell beschlossenen Maßnahmen wirken zu lassen. "Ob sie wirklich ausreichen, ist aber fraglich", sagte er.

Landeskirche setzt auf bewährte Vorsichtsmaßnahmen für Gottesdienste

14.24 Uhr: Wegen der vermehrten Corona-Infektionen im Freistaat will die evangelische Landeskirche keine neue Empfehlung für Gottesdienste an die Gemeinden herausgeben. Die Lage sei in den Landkreisen und Ortschaften sehr unterschiedlich, sagte ein Kirchensprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Man sei sicher, dass die "Verantwortlichen in den Kirchengemeinden sorgsam vorgehen werden". Die Sicherheitskonzepte für die Kirchenräume hätten bisher sehr gut getragen, erläuterte der Sprecher.

Auch beim evangelischen Dekanat Nürnberg hieß es, die Kirchengemeinden hätten seit langem ausgefeilte Hygienekonzepte, die klar regelten, wo Menschen sitzen dürfen, dass Abstand gehalten wird und Masken getragen werden.

An diesem Wochenende finden in einigen bayerischen Gemeinden noch Konfirmationen statt, die vom Frühjahr auf den Herbst verschoben worden waren. Viele Gemeinden haben die Konfirmanden in kleine Gruppen aufgeteilt und hielten so die Anzahl an Personen klein, teilte das Dekanat Nürnberg mit. Es würden mehrere Gottesdienste nacheinander mit Pausen dazwischen stattfinden, in denen gelüftet oder desinfiziert werden könne. "Die feiernden Familien sind bekannt, so dass im Ernstfall jede einzelne Person, die im Gottesdienst anwesend war, nachvollzogen werden kann".

Für die feiernden Familien werde es anschließend aber komplizierter, räumt die Sprecherin des Dekanats ein. Sie müssten ihre Familienfeiern nach den Gottesdiensten selbst anpassen, hieß es aus der Landeskirche. Wer unsicher sei, was die Vorgaben seien, sollte sich an die örtlichen Gesundheitsämter wenden.

Am Freitag hatte das Robert-Koch-Institut zum zweiten Mal einen Rekordwert bei den Neuinfektionen gemeldet. Mit 7334 lag der Wert deutschlandweit so hoch wie nie zuvor.

Corona-Ausbruch in Gandersheimer Bibelschule: 125 Infizierte

Freitag, 16. Oktober, 07.57 Uhr: Nach einem Corona-Ausbruch im Glaubenszentrum Bad Gandersheim sind derzeit 125 Personen infiziert. Insgesamt seien 252 Personen getestet worden, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Landkreises Northeim am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Glaubenszentrum Bad Gandersheim umfasst eine freikirchliche konfessionsübergreifende Bibelschule und ein Konferenzzentrum.

Über den Ursprung des Ausbruchs hat der Landkreis nach eigenen Angaben noch keine validen Erkenntnisse, lediglich die Vermutung, dass das Virus beim gemeinsamen Singen übertragen wurde, sagte die Sprecherin. Bei den Infizierten handele es sich um Mitarbeiter, Gäste und "Personen, die auf dem Gelände agieren".

Bislang gebe es keine Krankenhauseinweisung, sondern zunächst Verläufe mit den üblichen Krankheitssymptomen. Alle Infizierten befänden sich in Quarantäne. Das Gesundheitsamt arbeite "mit Hochdruck" an der Nachverfolgung der Kontaktpersonen.

In einer Pressemitteilung des Glaubenzentrums heißt es, am vergangenen Wochenende sei bekanntgeworden, "dass im Umfeld der Bibelschule durch einen Außenkontakt eine positive PCR-Testung aufgetreten ist". Die betroffene Person lebe nicht auf dem Gelände der Bibelschule. Dennoch sei das Gesundheitsamt umgehend informiert und eine Großtestung vereinbart worden.

Von Beginn des Schulregelbetriebs ab dem 19. September sei das strenge Hygienekonzept im Glaubenszentrum genauestens eingehalten worden, hieß es.

Coronavirus: RKI meldet so viele Neuinfektionen in Deutschland wie noch nie

Donnerstag, 15. Oktober, 08.05 Uhr: Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat am Donnerstagmorgen einen Rekordwert an Neuinfizierten mit dem Coronavirus in Deutschland gemeldet. Mit 6638 Neuinfizierten liegt der Wert höher als die bisherige Spitze von 6300, die Ende März erreicht worden war. Der direkte Vergleich ist jedoch schwierig, da im Frühjahr vergleichsweise weniger getestet wurde.

Ethikrats-Vorsitzende erwartet keine allgemeine Corona-Impfpflicht

Mittwoch, 14. Oktober, 08.17 Uhr: Die Münchner Medizinethikerin und Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält eine allgemeine Corona-Impfpflicht in Deutschland für ausgeschlossen.

"Da bin ich mir sicher", sagte die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität München (TUM) der "Augsburger Allgemeinen". Sie könne sich lediglich eine eng berufsbezogene Impfvorgaben vorstellen, wie der Ethikrat sie in einer früheren Stellungnahme zur Masernimpfung bereits geäußert hatte.

Buyx lehnt zudem die Einführung einer Immunitätsbescheinigung ab, die Menschen bekommen könnten, die nach einer Covid-19-Infektion wieder genesen sind: "Wir sagen einhellig: Niemand weiß momentan genau, wie lange eine Immunität gegen Covid anhält und wie man die dauerhaft nachweisen könnte. Darum lehnen wir das ab."

Eine solche Bescheinigung mit solchen Folgen für die betroffenen könne einer Diskriminierung gleichkommen, betonte die Medzinethikerin.

CSU-General warnt vor "Kontrollverlust" im Kampf gegen Corona

Dienstag, 13. Oktober, 08.52 Uhr: Wegen der momentan steigenden Corona-Infektionszahlen hat CSU-Generalsekretär Markus Blume die Regierungschefs der Länder vor einem Kontrollverlust in der Pandemie gewarnt. "Wir haben nur noch ein ganz schmales Zeitfenster, in dem wir es schaffen können, mit sehr verbindlichen Maßnahmen einen neuerlichen Lockdown zu vermeiden", sagte Blume der "Augsburger Allgemeinen". Ob man dies hinbekomme, entscheide sich an diesem Mittwoch (14. Oktober) bei der Ministerpräsidentenkonferenz. Er könne nur hoffen, dass jetzt sämtliche politische Entscheidungsträger "den Schlag gehört" haben.

Mit Blick auf die vor allem in den Großstädten stark gestiegenen Infektionszahlen forderte er die entsprechenden Regierungschefs auf, ihre Widerstände gegen Beherbergungsverbote mehrerer Bundesländer aufzugeben: "Wir müssen sicherstellen, dass Infektionscluster vor Ort begrenzt bleiben, damit wir nicht in ein Infektionsgeschehen mit exponentieller Wirkung geraten", sagte Blume. Sollte das nicht klappen, rede man nicht mehr über Beherbergungsverbote, sondern müsse wieder an Reisebeschränkungen denken. Man sei jetzt in einer ganz entscheidenden Phase: "Deutschland steht am Scheideweg."

Blume forderte auch mehr bundesweite Regelungen: "Wir brauchen bei steigenden Infektionszahlen mehr Maske im öffentlichen Raum, nicht nur im Öffentlichen Nahverkehr. Eine Maskenpflicht muss überall gelten, wo Abstand nicht gewahrt werden kann." Zudem brauche es einheitliche Quarantäne-Regeln, wenn Menschen aus Risikogebieten kommen. Zudem brauche es einheitliche Regeln bei Veranstaltungen, Alkohol, Partys und mit Kontaktbeschränkungen. "Wir sind bisher gut durch die Krise gekommen, aber wir laufen Gefahr, die Kontrolle über das Virus wieder zu verlieren", warnte er.

Ifo-Institut: Steigende Corona-Fallzahlen auch wegen mehr Tests

17.58 Uhr: Die steigende Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Deutschland ist nach Berechnungen des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung nicht nur auf mehr Ansteckungen zurückzuführen, sondern auch auf zusätzliche Tests. "Die Zahlen vom Oktober können nicht direkt mit denen vom April verglichen werden", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest laut einer Mitteilung seines Instituts vom Montag. Entscheidungsträger in der Politik und Akteure des Wirtschaftslebens sollten deshalb weder mit zu rigiden Beschränkungen noch mit zu laxen Maßnahmen auf die Lage reagieren, erläuterte er: "Wir brauchen Beschränkungen, die wirtschaftliche Aktivität ermöglichen, statt sie zu verhindern."

Das Infektionsgeschehen verschärfe sich tatsächlich, betonte Fuest: "Allerdings nicht so sehr, wie ein direkter Vergleich der Neuinfektionen heute und während der ersten Welle vermuten lässt." Wäre im April so viel getestet worden wie heute, wären damals auf dem Höhepunkt der ersten Welle gut 10.000 Fälle mehr entdeckt worden, heißt es in einem Aufsatz des ifo-Instituts: "Eine Maskenpflicht und zusätzliche Tests ermöglichen den Bürgern Aktivitäten, die sonst dem Gesundheitsschutz zum Opfer fielen: Kinder können zur Schule gehen und Kunden in Geschäfte kommen." Es bestehe daher kein wirklicher Konflikt zwischen gesundheits- und wirtschaftspolitischen Anliegen, sagte Fuest.

Die bundesweiten Infektionszahlen waren in den vergangenen Tagen stark gestiegen, zuletzt auf deutlich mehr als 3.000 Neuinfektionen pro Tag. In zahlreichen großen Städten wie auch München wurde der Inzidenzwert von mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten. 

Dekan Wilde: Kirche muss nach kreativen Lösungen suchen

Montag, 12. Oktober, 08.52 Uhr: Nach Ansicht des neuen evangelischen Passauer Dekans Jochen Wilde stehen die Menschen an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Corona habe sie "wie ein Brandbeschleuniger" in ein Vorher und Nachher eingeteilt, sagte Wilde in seiner Antrittspredigt in der Matthäuskirche am Samstag laut Manuskript. In das Klagelied über die Zukunft der Kirchen will er nicht einstimmen: "Wir müssen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre verfallen." In Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und sozialen Diensten, erlebe er "sehr viel an Licht und Lebendigkeit". Dort geschehe Segensreiches an ganz unterschiedlichen Stellen, "wenn auch nicht immer im Licht der Öffentlichkeit".

Kirche ist dem 60-jährigen Dekan zufolge gefordert, Prioritäten zu setzen, ihr Profil zu schärfen und "nach klugen und kreativen Lösungen Ausschau zu halten". Dabei dürfe Kirche "auch mehr von der Jugend lernen". Im Dekanat Passau, in dem die Protestanten in der Minderheit sind, wünsche er sich mehr Kooperation und Vernetzung mit der katholischen Kirche: "Lassen Sie uns doch in der Ökumene - gerade in diesen Tagen - die Glaubensunterschiede so weit es geht hinten anstellen." Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass in Passau, das selbst an einer Grenze liege, die Menschen "eine besondere Sensibilität, eine besondere Empathie für Grenzgänger jeder Art" haben.

Der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler überreichte Wilde im Gottesdienst das Amtskreuz und erteilte ihm den kirchlichen Segen. Wilde ist Nachfolger von Wolfgang Bub, der im April in den Ruhestand gegangen ist. Zum Dekanat Passau gehören 16 Kirchengemeinden mit 28.000 Gemeindegliedern in den drei Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und Rottal-Inn sowie der Stadt Passau. 

Donnerstag, 8. Oktober, 10.57 Uhr: Die Zustimmung unter den bayerischen Bürgern zum Corona-Krisenmanagement der Staatsregierung bleibt sehr hoch: Fast vier von fünf Wahlberechtigten (79 Prozent) bewerten das politische Handeln im Freistaat in der Pandemie positiv. Nur jeder Fünfte hingegen sieht es kritisch, wie der "BR-BayernTrend" am Mittwoch in München ergab. Allerdings fiel der Rückhalt leicht: Im Juli standen noch 87 Prozent voll dahinter. Auch rückblickend beurteilen 75 Prozent die bisherige Corona-Politik in Bayern seit Ausbruch der Pandemie als angemessen. 17 Prozent bewerten sie als übertrieben, und sieben Prozent hätten sich weitergehende Maßnahmen gewünscht.

Auch mit der Informationspolitik von Behörden und staatlichen Stellen zeigen sich 68 Prozent der Befragten zufrieden, 29 Prozent sind unzufrieden. Die vorübergehende Ausweitung der Maskenpflicht auf belebte öffentliche Plätze geht für 76 Prozent der Bayern grundsätzlich in die richtige, für 22 Prozent in die falsche Richtung.

Ungeachtet der hohen Zustimmung zur Corona-Politik sieht die Hälfte (50 Prozent) der Bayern wegen der Pandemie den sozialen Zusammenhalt bedroht. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während sich 55 Prozent der Ab-65-Jährigen sehr große oder große Sorgen um den sozialen Zusammenhalt machen, sind es bei den 18- bis 39-Jährigen lediglich 41 Prozent.

Die Angst vor Ansteckung ist leicht gestiegen: 29 Prozent der Befragten fürchten, dass sie selbst oder Familienmitglieder sich mit SARS-CoV-2 infizieren könnten; im Juli waren es 27 Prozent.

Die Sorgen um die Wirtschaft bleiben: 55 Prozent der Bayern äußern große bis sehr große Furcht, dass sich wegen der Pandemie die Wirtschaftslage im Freistaat verschlechtern könnte; im Juli waren es 60 Prozent. Geringer ist die Sorge um die eigene ökonomische Situation: Ähnlich wie im Juli sorgen sich aktuell 20 Prozent um ihr eigenes Auskommen - zwölf Prozent der älteren Bayern, aber 24 Prozent der 40- bis 64-Jährigen.

Die Christsozialen büßen an Unterstützung ein: Wäre in Bayern am kommenden Sonntag Landtagswahl, käme die CSU auf 45 Prozent Wähleranteil und könnte damit knapp die absolute Mehrheit erreichen; im Juli waren es noch 49 Prozent. Die Grünen kämen aktuell auf 21 Prozent (plus ein Prozentpunkt), die Freien Wähler auf sieben Prozent (plus zwei Prozentpunkte), SPD und AfD auf jeweils acht Prozent (jeweils plus ein Prozentpunkt). Den anderen Parteien, darunter FDP und Linke, bliebe der Einzug in den Landtag verwehrt (jeweils drei Prozent).

Für die repräsentative Umfrage wurden von Infratest dimap von 30. September bis 5. Oktober insgesamt 1.001 Wahlberechtigte in Bayern telefonisch interviewt.

Mediziner: Kein falsches Heroentum - bei Erkältung zu Hause bleiben

Mittwoch, 7. Oktober, 11.23 Uhr: Die Hausärzte in Bayern appellieren in der Corona-Pandemie an die Arbeitnehmer, nicht erkältet ins Büro zu gehen. "Dieses Heroentum, dass man erkrankt arbeitet, kann ich überhaupt nicht empfehlen", sagte der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Markus Beier, am Mittwoch dem Radiosender Bayern2. Selbst wenn damit keine Covid-19-Infektionen weitergetragen würden, werde das allgemeine Infektgeschehen damit angeheizt. "Das ist absolut nicht nötig."

Beier sagte weiter, dass er mit gemischten Gefühlen in die Erkältungssaison gehe. Es sei verständlich, dass sich viele ein Stück mehr Normalität wünschen, "aber man sollte es wirklich nicht übertreiben". Er empfehle weiterhin, die AHA-Regeln einzuhalten (Abstand halten, Hygiene beachten, Atemschutzmaske tragen) und diese um ein "L" für Lüften zu ergänzen.

Im April und Mai habe man als Gesellschaft hier noch eine gewisse Stringenz gehalten, "die sich jetzt teilweise auflöst", bedauerte Beier. Das könnte problematisch werden. Grundsätzlich empfiehlt er: Wer Husten, Halsschmerzen oder Fieber habe - also typische Corona-Symptome -, solle sich zunächst telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Dieser könne im Einzelfall entscheiden, ob man nur zu Hause bleiben und sich selber isolieren solle, oder ob auch ein Corona-Test nötig ist.

Bischöfe: Alle sollen Weihnachtsgottesdienste besuchen können

Montag, 5. Oktober, 15.26 Uhr: Die Erzbischöfe und Bischöfe der Freisinger Bischofskonferenz haben die katholischen Gemeinden zur Kreativität an den besonderen Festen und Feiertagen zwischen Allerheiligen und Weihnachten aufgerufen. Gerade an Weihnachten soll niemand ausgeschlossen werden, der einen Gottesdienst besuchen will, heißt es in einer in München veröffentlichten Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz.

Weil man angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie nicht damit rechnen könne, dass die Abstands- und Hygieneregeln sich ändern, sollten etwa für Gottesdienste im Freien die technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

In ihrem Papier gehen die Bischöfe und Erzbischöfe auch auf die Einschränkungen der kirchlichen Jugendarbeit seit Ausbruch der Pandemie ein. Für viele Kinder und Jugendliche seien die durch das Virus ausgelösten Einschränkungen besonders hart: "Ihr Leben, ihre sozialen Kontakte hat die Pandemie massiv eingeschränkt."

Soziale Unterschiede hätten sich durch die Pandemie verstärkt. Es bestehe die Sorge, dass sozial Schwächere weiter abgehängt werden, weil ihnen etwa wegen mangelnder technischer digitaler Ausrüstung die Teilhabe fehlt. Die Kinder- und Jugendhilfe der Caritas habe in dieser Zeit neue Wege beschritten, um weiter Kontakt zu den Betroffenen zu halten.

Zur Freisinger Bischofskonferenz gehören die beiden bayerischen Erzbistümer Bamberg sowie München und Freising. Außerdem zählen die bayerischen Bistümer Würzburg, Eichstätt, Augsburg, Regensburg und Passau sowie das Bistum Speyer in der Pfalz dazu.

Über zwei Millionen Kontrollen zu Corona

Samstag, 4. Oktober, 10.28 Uhr: Für eine Akzeptanz der polizeilichen Corona-Kontrollen wirbt Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) Denn die Überwachung der Bestimmungen diene der Eindämmung des Pandemie, sagte Rinderspacher. Wie eine parlamentarische Anfrage ergeben habe, sei es in Bayern vom 21. März bis zum 20. September zu über zwei Millionen Kontrollen der Polizei zur Überwachung der Corona-Bestimmungen gekommen. Davon seien lediglich bei 147 Kontrollen "Widerstandshandlungen" registriert worden.

Neue Regeln und Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie

Mittwoch, 30. September, 09.39 Uhr: Bund und Länder haben angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weitere Beschränkungen und Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung der Pandemie vereinbart. Ein umfassendes Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft wie im Frühjahr soll mit einer erweiterten "Hotspot"-Strategie verhindert werden. Die am Dienstag in Berlin vorgestellten Beschlüsse von AHA bis Urlaub:

* AHA-REGELN: Zu den bisherigen "AHA"-Regeln - 1,5 Meter Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken tragen - kommen zwei Buchstaben hinzu: Das "C", als Aufforderung, die Corona-Warn-App zu nutzen und das "L" fürs regelmäßige Lüften.

* BELÜFTUNG: Regelmäßiges Stoßlüften in allen privaten und öffentlichen Räumen könne die Gefahr der Ansteckung erheblich verringern, heißt es in dem Bund-Länder-Papier. Auch eine CO2-Messung in geschlossenen Räumen wird empfohlen, damit das Lüften nicht vergessen wird. Ein 500-Millionen-Euro-Förderprogramm unterstützt in diesem und im nächsten Jahr die Umrüstung von Belüftungsanlagen in öffentlichen Gebäuden - unter anderem in Schulen.

* FEIERN: Wenn Städte und Landkreise zu Corona-"Hotspots" werden, soll es Obergrenzen für Familienfeiern und andere Feste geben. Wenn es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gibt, dürfen in öffentlichen oder angemieteten Räumen nicht mehr als 25 Menschen zusammenkommen. Im Privaten wird dann dringlich empfohlen, maximal mit zehn Personen zu feiern. Wenn wiederum die Sieben-Tages-Inzidenz von 35 überschritten ist, sollen höchstens 50 Personen in öffentlichen oder angemieteten Räumen an Festen teilnehmen. In privaten Räumen sollen es dann nicht mehr als 25 sein.

* GASTRONOMIE: Wer in Restaurants und Cafés falsche Kontaktdaten auf die Gästelisten schreibt, muss mit einem Bußgeld von mindestens 50 Euro rechnen. Gaststättenbetreiber werden zu "Plausibilitätskontrollen" aufgefordert - sie müssen also überprüfen, ob die Gäste korrekte Angaben machen. Gegebenenfalls könnten in der Gastronomie zeitlich begrenzte Ausschankverbote für Alkohol erlassen werden.

* GESUNDHEITSDIENST: Der öffentliche Gesundheitsdienst wird mit vier Milliarden Euro gefördert. Die Gelder stellt der Bund bis 2026 zur Verfügung. Damit sollen bei den Ländern bis zu 5.000 neue Stellen geschaffen werden und die Digitalisierung in den Gesundheitsämtern vorangetrieben werden.

* URLAUB: Mit Blick auf die beginnenden Herbstferien appellieren die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen, auf Reisen in Risikogebiete zu verzichten.

Münchner Motettenchor gibt erstes Konzert nach der Corona-Pause

Montag, 28. September, 16.36 Uhr: Der Münchner Motettenchor beendet mit einem Konzert die Corona-Pause. Am Samstag (3. Oktober) führt der Chor die "Petite Messe solennelle" von Gioachino Rossini in der Münchner Matthäuskirche auf. Damit angesichts der Corona-Beschränkungen möglichst viele Besucher kommen können, wird das Werk am Nachmittag und am Abend von zwei verschiedenen Formationen mit jeweils 30 Sängerinnen und Sängern aufgeführt, wie der Motettenchor mitteilte. Identisch bei beiden Aufführungen sei nur das Solistenquartett mit Talia Or (Sopran), Marlene Lichtenberg (Alt), Gyula Rab (Tenor) und Nikolay Borchev (Bass) von der Bayerischen Staatsoper. Den coronabedingten Einschränkungen komme entgegen, dass Rossinis Messe nicht von einem Orchester, sondern nur von zwei Klavieren und einem Harmonium begleitet wird.

Mit dem Konzert eröffnet der Motettenchor sein 60. Jubiläumsjahr. Das für den 28. Juni geplante dreifache Jubiläumskonzert im Gasteig mit den Münchner Symphonikern zu ihrem 77-jährigen Bestehen und zum 70. Geburtstag des Komponisten Enjott Schneider fiel den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Der Münchner Motettenchor hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt am 14. Dezember 1960. Unter der Leitung seines Gründers Hans Rudolf Zöbeley (1931-2007), der auch Kantor an St. Matthäus war, entwickelte sich der Chor kontinuierlich zu einem der führenden Ensembles in München. Zu einem musikalischen Markenzeichen des Chores wurden die Carmina Burana von Carl Orff. Zu dem Konzert zum 100. Geburtstag Orffs auf dem Münchner Marienplatz kamen im Juli 1995 über 10.000 Menschen. Neben traditionellen Werken wendet sich der Chor auch immer wieder der modernen zeitgenössischen Musik zu.

Ärzte warnen vor Anstieg der Corona-Todesfälle

Sonntag, 27. September, 14.39 Uhr. Ärztevertreter rechnen damit, dass die Zahl der Corona-Toten in Deutschland in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Die aktuell zunehmende Zahl der Covid-19-Toten spiegele zeitversetzt das steigende Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag). Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Das bedeute, dass sich viele der Menschen, die jetzt sterben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten, erklärte Janssens.

Der Mediziner rechnet nach eigenen Worten aber nicht mit einer erneut dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr. "Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen", sagte er. Zudem habe das Land gelernt, die besonders gefährdeten Gruppen, die Alten und Kranken, besser zu schützen.

Zur traurigen Bilanz der Pandemie gehörten aber nicht nur die unmittelbaren Todesfälle, fügte Janssens hinzu: "Neben den Menschen, die an und mit dem Corona-Virus sterben, dürfen wir aber nicht diejenigen vergessen, die weiterhin sterben, weil sie sich aus Angst vor Ansteckung nicht in Praxen und Kliniken trauen." Die Gesamtzahl der indirekten Toten werde man erst Jahre später beziffern können, wenn sämtliche Spätfolgen der Pandemie abschätzbar seien.

Weihnachtsmärkte sollen größere Abstände haben, Getränke nur in Sektoren

Samstag, 26. September, 19.19 Uhr: Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Weihnachts- und Christkindlesmärkte in den großen bayerischen Städten. Komplett abgesagt werden sie zwar nicht, aber wegen geltender Hygieneregeln finden sie überall in veränderter Form statt, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in fünf Großstädten ergab. Der weltbekannte Nürnberger Christkindlesmarkt soll stattfinden, es stelle sich "nicht die Frage nach dem ob, sondern nach dem wie", sagte ein Sprecher des Marktamtes. Der Markt werde dezentraler aussehen, sprich: Die Stände werden in größeren Abständen und deshalb nicht nur auf dem Hauptmarkt, sondern an diversen Plätzen in der Altstadt aufgestellt.

Auch der Augsburger Christkindlesmarkt soll "luftiger" werden: Die Standreihen auf dem Rathausplatz werden verbreitert, die Zahl der Händler soll aber durch eine Ausweitung der Fläche in die umliegende Innenstadt gleichbleiben. Ein Verbot des Alkoholausschanks sei derzeit nicht geplant, die Abgabe der Getränke an den Glühweinständen aber soll "mit abgegrenzten Sektoren" erfolgen, in denen Abstandsregeln gelten. Auch der Würzburger Weihnachtsmarkt soll stattfinden, er wird ebenfalls über die Innenstadt verteilt. Nur an "peripheren Plätzen" soll es Essen und Trinken geben - und nicht mit Selbstbedienung, sondern mit Bedienung und Kontaktdatenerfassung wie im Restaurant.

In der Landeshauptstadt München ist nach Angaben des Referats für Wirtschaft und Arbeit noch nicht entschieden, ob der Christkindlmarkt stattfinden wird. Aktuell sei das Referat als Organisator und Veranstalter dabei, ein coronataugliches Konzept zu entwickeln. Dies sei aber "noch nicht spruchreif", erläuterte ein Referatssprecher. In Regensburg sei "die Durchführung dezentraler Weihnachtsmärkte" politisch erwünscht, heißt es aus dem Rathaus. Momentan prüfe man, wo und wie dies in der Innenstadt umgesetzt werden kann. Zudem sei derzeit noch nicht klar, welche Auflagen "neben den üblichen Hygieneregeln" angesichts der Infektionszahlen in der Adventszeit gelten.

"Fastnacht in Franken" wegen Corona erstmals keine Live-Sendung

Freitag, 25. September, 11.41 Uhr: Die bekannte TV-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" am 5. Februar wird erstmals in ihrer Geschichte nicht live aus Veitshöchheim gesendet. Grund dafür seien die Risiken durch die Corona-Pandemie, sagte der Ehrenpräsident des Fastnacht-Verbandes Franken, Bernhard Schlereth, der Würzburger Tageszeitung "Main-Post" (Freitag). "Stellen Sie sich vor, ein Künstler würde kurz vor der Sendung positiv getestet, dann müssten womöglich auch alle anderen in Quarantäne", erläuterte er. Man überlege gerade, ob man Einzelauftritte zusammenschneide oder sogar einen Gardeauftritt im Rokokogarten Veitshöchheim drehe.

Schlereth, der als künstlerischer Leiter für die Fastnachtssendungen im Bayerischen Fernsehen von Verbandsseite her zuständig ist, sagte der zeitung weiter: "Wir werden machen, was geht." Denkbar sei auch eine Aufzeichnung in den Mainfrankensälen mit deutlich weniger Publikum - und auf jeden Fall ohne die sonst so rege vertretene Politprominenz in den ersten Reihen. "Vielleicht können wir etwas mit Doubles machen", erläuterte Schlereth. Nach einem Treffen mit den Künstlern, die heuer auf der Bühne stehen sollen, sei jedenfalls klar, dass alle hochmotiviert seien und in diesen Zeiten "dankbar für jeden Auftritt" wären.

Trotz Corona: Jeder soll Weihnachtsgottesdienste besuchen können

Donnerstag, 24. September, 14.54 Uhr:  Jeder soll nach dem Willen des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm trotz Corona in diesem Jahr an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen können. "Unsere Kirchen sind bei den nötigen Sicherheitsabständen zu eng", sagte Bedford-Strohm am Donnerstag in München:

"Darum gehen wir raus! Das Licht der Weihnacht wird in diesem Jahr auf vielen Wiesen und Plätzen erstrahlen."

Viele der mehr als 1.500 evangelischen Kirchengemeinden im Freistaat planten heuer Weihnachtsgottesdienste an ungewöhnlichen Orten - beispielsweise in der Fußgängerzone oder einer Scheune, erläuterte er.

Solche außergewöhnliche Orte seien nicht nur etwas Besonderes, sondern schlichtweg nötig, weil dicht gedrängte Kirchenbänke an Heiligabend unter Corona-Bedingungen nicht möglich sind, teilte die Landeskirche weiter mit.

Viele Gemeinden planten, den Christbaum nicht in, sondern vor der Kirche für Gottesdienste im Freien aufzustellen. In anderen Gemeinden will man zu mehreren kurzen Gottesdiensten an verschiedenen Orten einladen.

"Vielleicht werden wir lange Unterhosen anziehen müssen", sagte Bedford-Strohm.

Es würden aber sicherlich Gottesdienste, "an die wir uns noch lange erinnern werden".

Söder: Wirtschaft, Schulen und Kitas haben oberste Corona-Priorität

Mittwoch, 23. September, 11.32 Uhr: Die bayerische Staatsregierung setzt im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiterhin auf "Eindämmung statt Durchseuchung". Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München, man werde die bayerische Strategie beibehalten und nicht auf die schwedische wechseln. Die sich daraus entwickelnden Todeszahlen bei einem Strategiewechsel wären "ethisch, medizinisch und wirtschaftlich" nicht zu verantworten. Es gelte unbedingt einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Um dies zu erreichen, soll künftig mehr Maske getragen werden. Regional soll ab einem Schwellenwert bei der 7-Tages-Inzidenz von 35 weiterhin die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen gelten, ab 50 auch in Grundschulen. Darüber hinaus sollen die Sperrstunden in den Risikoregionen mit einer Inzidenz über 50 verlängert werden. Auch die Zahl der Gäste bei privaten Feiern wird reduziert: Innen dürfen sich nur noch 25 statt 100 Personen treffen, außen noch 50 statt 200. Zudem werden private Treffen auf zwei Hausstände beschränkt.

Auch die bereits diskutierte Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen soll kommen, sofern dort die Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Darüber hinaus wird der Besuch von kritischen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen auf täglich eine Person beschränkt. Diese Person soll in der Regel aus dem eigenen Hausstand stammen oder ein naher Angehöriger sein. Bei Minderjährigen könnten die Eltern oder Sorgeberechtigten ihre Kinder während festen Besuchszeiten auch gemeinsam besuchen.

Söder kündigte außerdem ein "Lüftungsprogramm" für 50 Millionen Euro für Kitas, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen an. Mit technischen Lüftungsanlagen und Luftfiltern lässt sich die Viruslast in Innenräumen nach Angaben von Experten teilweise deutlich senken. Die oberste Priorität der Staatsregierung sei, die Wirtschaft und damit auch die Arbeitsplätze zu erhalten sowie einen Vollbetrieb in Schulen und Kitas zu gewährleisten. Das Freizeitverhalten der Menschen müsse dahinter womöglich etwas zurücktreten.

Würzburger Improtheaterfestival soll Corona-kompatibel starten

Dienstag, 22. September, 10.08 Uhr: Die 19. Auflage des Würzburger Improtheater-Festivals findet trotz Corona-Pandemie statt - zumindest nach jetziger Planung. "Es ist ein absolut verrücktes Jahr", sagte Festivalleiterin Lena Försch laut einer Mitteilung vom Montag. Auch bei der Organisation habe man diesmal improvisieren müssen. Von 21. bis 24. Oktober zeige man heuer sieben verschiedene Shows auf diversen Bühnen der Stadt. Manche Shows würden wegen der Hygienevorschriften und der dadurch begrenzten Platzzahl gleich zweimal hintereinander gezeigt, damit möglichst viele Zuschauer kommen können. Zwischen den beiden Shows würden die Sitzplätze desinfiziert und die Säle gut durchgelüftet, hieß es.

Beim Improvisationstheater entsteht "alles im Moment" - es gibt kein Skript oder Drehbuch, keine fest stehenden Dialoge. Je nach Art des Improtheaters kann sich eine dramatische Liebesgeschichte, Gruseliges aus dem Land der Alpträume oder ein Wettstreit um den schönsten Song für Würzburg auf der Bühne entwickeln. Normalerweise kommen zu dem Festival Schauspieler und Zuschauer aus rund einem Dutzend Länder nach Würzburg - wegen der Corona-Pandemie komme das Gros der 60 Darsteller diesmal vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. Für mehr Reichweite soll dieses Jahr eine Art Festival-Fernsehsender sorgen, der live von den Bühnen ins Netz streamen soll. 

Söder für Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen

Montag, 21. September, 09.47 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht sich für eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen aus. Er sei sehr dafür, dass man überall dort im öffentlichen Raum eine Maskenpflicht einführe, "wo kein Abstand halten möglich oder gewollt ist", sagte Söder der Radiosender B5 Aktuell. Wenn es klare Regeln gebe, könnten die Ordnungskräfte auch entsprechend reagieren. Seine Sorge mit Blick auf die momentan hohen Infektionszahlen in Würzburg oder München seien nicht in erster Linie professionell organisierte Termine, sondern private Feiern: "Wenn die Vernunft nichts hilft, dann muss gesteuert werden."

Der CSU-Chef betonte, dass ein zweiter Lockdown verhindert werden müsse. Klare Priorität hätten für ihn, dass in den Schulen und Kitas im Freistaat weiter ein Vollbetrieb möglich seien und die Wirtschaft. Söder betonte, dass in München angesichts der Entwicklungen nun geplant sei, das Gesundheitsamt zu verstärken. Die Staatsregierung werde auch die Bundeswehr um Unterstützung bitten, um Infektionsketten besser nachverfolgen zu können. Kritisch sieht Söder zudem den Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla in Budapest. Man solle sich gut überlegen, ob man wirklich dorthin fahren wolle.

Erstattung für Corona-Test nach Rückkehr aus Nicht-Risikogebiet endet

Dienstag, 15. September, 08.10 Uhr: Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten müssen einen Corona-Test von Dienstag an selbst bezahlen. Wie das Bundesgesundheitsministerium am Montag in Berlin mitteilte, tritt dann die neue Testverordnung in Kraft, nach der nur noch die Kostenübernahme für die verpflichtenden Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten bestehen bleibt. "Die Pandemie zwingt uns, unsere Strategie ständig der dynamischen Lage anzupassen", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Für die Urlaubszeit sei es wichtig gewesen, möglichst alle Reisenden auf das Corona-Virus zu testen. "Mit Blick auf Herbst und Winter konzentrieren wir die Tests jetzt wieder stärker aufs Inland", ergänzte Spahn.

Die Test- sowie Quarantänepflicht für Reisende aus Risikogebieten bleibt allerdings bestehen. Die Regeln werden derzeit überarbeitet und sollen ab Oktober gelten. Das Ende der Kostenerstattung für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten hatten die Regierungschefs von Bund und Ländern kürzlich beschlossen. Damit entfällt für diese Gruppe auch der Anspruch auf einen Test nach einem Urlaub im Ausland.

Tag des offenen Denkmals fand erstmals überwiegend digital statt

Montag, 14. September, 15.31 Uhr: Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie erstmals überwiegend digital statt. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stellten sich Hunderte Kirchen, Burgen und andere historische Gebäude oder Parks mit digitalen Angeboten auf einer Online-Plattform vor. Mehr als 1.200 Beiträge standen zum Abruf bereit, darunter Filme, digitale Rundgänge, Fotoreihen, Schnitzeljagden, Live-Veranstaltungen und Podcasts. Einige Veranstalter wie etwa Museen boten aber auch vor Ort Führungen unter Corona-Auflagen an, für die meist eine Vorab-Anmeldung erforderlich war.

Die Beiträge auf der Online-Plattform "tag-des-offenen-denkmals.de" sollen noch bis Ende September abrufbar bleiben. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days und stand in diesem Jahr unter dem Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Im vergangenen Jahr lockten rund 8.000 Denkmäler in ganz Deutschland mehrere Millionen Besucher an.

Corona-Demo in München - mit Gegendemo

Samstag, 12. September, 17.50 Uhr. Bei einer Corona-Demonstration in München sind nach Polizeiangaben am späten Samstagnachmittag etwa 10.000 Menschen zusammengekommen. Die Kundgebung auf der Theresienwiese sei bis zum frühen Abend "weitestgehend friedlich" verlaufen, wie ein Polizeisprecher dem Sonntagsblatt sagte. Ihren Protestzug zuvor hatten die Veranstalter vorzeitig abgebrochen. Die Polizei hatte den Zug angehalten, weil in der Spitze geschätzt 3.000 statt der angemeldeten 500 Teilnehmer dabei waren und diese nach Polizeiangaben "nur vereinzelt" einen Mund-Nasen-Schutz trugen. Die Beamten waren mit 1.400 Kräften im Einsatz.

Auch auf der Theresienwiese überwachte die Polizei die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen, teilweise per Hubschrauber. Der Abstand werde "nicht durchgängig" gewahrt, teilte die Polizei auf Twitter mit. Zudem trügen viele Teilnehmer keine Maske: "Wir werden diese Personen ansprechen, und je nach Sachlage werden sie wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt", hieß es.

Beim Protestzug vom Odeonsplatz zur Theresienwiese hatte die Polizei die Teilnehmer in Gesprächen und per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, eine Maske zu tragen und den Abstand zu wahren. Nach Auflösung des Zugs auf Höhe der Alten Pinakothek forderten die Initiatoren von "Querdenken 089" die Teilnehmer auf, zur geplanten Versammlung auf der Theresienwiese um 16 Uhr zu kommen. Die Teilnehmerzahl dort war nicht begrenzt, es galten jedoch die Hygienevorgaben wie bei allen öffentlichen Veranstaltungen von mehr als 200 Personen

Der Corona-Demo vorausgegangen waren diverse Umplanungen aufgrund kontroverser Gerichtsurteile. Ursprünglich hatten die Veranstalter 5.000 Teilnehmer auf dem Odeonsplatz und einen Protestzug durch die Innenstadt angemeldet. Die Stadt hatte dies untersagt und war am Freitag vom Verwaltungsgericht bestätigt worden. Demnach war nur eine auf 1.000 Teilnehmer beschränkte Versammlung auf der Theresienwiese und kein Protestzug erlaubt. Am frühen Samstagmorgen hatte der bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden, einen Protestzug mit 500 Teilnehmern zur Theresienwiese und dort eine Versammlung ohne Teilnehmerbegrenzung zuzulassen.

Eine Gegendemonstration von einem Bündnis aus linken Organisationen fand am Nachmittag auf dem Goetheplatz statt. Das Motto: "Solidarität statt rechter Verschwörungswahn".

Corona: Synodalpräsidentin Preidel weist auf Bedeutung von Seelsorge hin

Samstag, 14.25 Uhr. In ihrem letzten Bericht vor der Landessynode hat die bisherige Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel am Samstag die Bedeutung der Seelsorge auch während der Corona-Beschränkungen hervorgehoben. In den Wochen des Lockdowns habe die "Frage nach einer angemessenen und verantwortlichen geistlichen und seelsorgerlichen Gegenwart unserer Kirche" eine besondere Bedeutung gehabt, sagte Preidel in ihrem Bericht aus dem Landessynodalausschuss (LSA), der das Kirchenparlament zwischen dessen beiden Tagungen im Jahr vertritt. Durch die Corona-Krise habe sich auch der Zeitplan der Landessynode verändert, die zu ihrer ersten Tagung der neuen sechsjährigen Amtsperiode im Eventzentrum Strohofer an der A3 bei Geiselwind zusammen gekommen ist.
 

DAK-Report: Krankenstand in Bayern bleibt trotz Corona konstant

11. September, 14.30 Uhr: Trotz der Corona-Pandemie ist der Krankenstand in Bayern im ersten Halbjahr 2020 laut DAK im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Mit 3,8 Prozent liege er erneut deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (4,2 Prozent), teilte die Krankenkasse DAK in ihrem "Gesundheitsreport" mit. Demnach waren von Januar bis Juni an jedem Tag durchschnittlich 38 von 1.000 Arbeitnehmern krankgeschrieben. Dabei ist jedoch die Zahl der Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen deutlich gestiegen, wie es hieß. Zudem habe es mehr Krankschreibungen wegen psychischer Leiden gegeben.

Im Monatsvergleich lag der Krankenstand im Freistaat nur im April mit 4,6 Prozent deutlich über dem Wert des Vorjahres (3,8 Prozent), wie es hieß. Ansonsten seien die Fehltage auf dem Niveau von 2019 oder sogar darunter geblieben. Ein nachhaltiger Anstieg der Arbeitsunfähigkeit sei ausgeblieben, obwohl es wegen Corona noch bis Ende Mai die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung gab, teilte die DAK mit. Dies zeige, dass kontaktlose Formen der Krankschreibung bei bestimmten Krankheitsbildern sinnvoll sein können und das Ansteckungsrisiko in den Praxen reduzieren.

Der Hauptgrund für Arbeitsausfälle waren laut DAK Muskel-Skelett-Beschwerden - etwa Rückenschmerzen -, die um vier Prozent zunahmen und jeden fünften Fehltag verursachten. Atemwegsprobleme stiegen um 16 Prozent an und waren ebenfalls für jeden fünften Fehltag verantwortlich; dennoch lag das Niveau noch unter dem des schweren Grippejahres 2018. Auch dies zeige, dass sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bewährt hätten, hieß es. Auf Platz drei folgten psychische Leiden wie Depressionen und Angstzustände; diese nahmen um elf Prozent zu und sorgten für jeden sechsten Ausfalltag.

Die DAK sieht einen Zusammenhang zwischen der Zunahme psychischer Leiden und dem Lockdown im Frühjahr: Die tiefgreifenden Corona-Beschränkungen seien für psychisch vorbelastete sowie für Menschen in schwierigen Lebenssituationen schwer zu bewältigen gewesen, hieß es.

Für die Analyse wurden die Daten von 350.000 DAK-versicherten Beschäftigten in Bayern für das erste Halbjahr 2020 und für 2019 ausgewertet.

Arbeitsvolumen in den Betrieben auf Rekord-Tief

14.39 Uhr: Das Arbeitsvolumen in den Betrieben ist im zweiten Quartal dramatisch gesunken. "Die Zahl der Arbeitsstunden lag zwischen April und Juni so niedrig wie noch nie in einem Quartal seit der Wiedervereinigung", sagte Enzo Weber vom Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitszeit sei vor allem durch Kurzarbeit, Abbau der Zeitguthaben auf den Arbeitszeitkonten, Freistellungen und weniger Überstunden gesunken.

"Die Daten zum Arbeitsvolumen zeigen die Auswirkungen der wirtschaftlichen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie in ihrer vollen Wucht", erklärte das Institut. Das Arbeitsvolumen sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 13,3 Milliarden Stunden gesunken. Gegenüber dem ersten Quartal 2020 bedeutet das einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang um acht Prozent.

"Der Rückgang bei der Zahl der Erwerbstätigen blieb in Anbetracht des immensen wirtschaftlichen Schocks dagegen begrenzt", sagte Arbeitsmarktforscher Weber. Die Zahl der Erwerbstätigen ist nach den Angaben im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,3 Prozent gesunken und lag bei 44,7 Millionen. Gegenüber dem ersten Quartal 2020 ergibt sich saison- und kalenderbereinigt eine Abnahme von 1,4 Prozent.

Gericht bestätigt zeitweise Maskenpflicht an bayerischen Schulen

Dienstag, 8. September, 08.15 Uhr: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hat am Montag einen Eilantrag gegen die neuntägige Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen im Freistaat abgelehnt. Wie das Gericht mitteilte, hatte ein zehnjähriger Gymnasiast über seine Mutter gegen die Anordnung der Staatsregierung im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes dagegen geklagt. Die Richter allerdings bestätigten die über die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verhängte Maskenpflicht im Unterricht in den ersten beiden Wochen des neuen Schuljahres.

Der BayVGH begründete seine Entscheidung damit, dass das Anliegen auch in einem Hauptsacheverfahren "voraussichtlich nicht erfolgreich" sein würde. Deswegen erscheine eine Aussetzung der ab Dienstag (8. September) geltenden zeitweisen Maskenpflicht "nicht dringend geboten". Die Tragepflicht eines Mund-Nasen-Schutzes könne als notwendige Schutzmaßnahme eingestuft werden. Sie diene dem legitimen Zweck, die Ausbreitung des Coronavirus unter Schülern und Lehrern zumindest zu reduzieren, teilte das Gericht weiter mit.

Die bis 18. September geltende Maskenpflicht sei auch deshalb angemessen und nicht zu beanstanden, weil im Einzelfall aus pädagogischen und medizinischen Gründen Ausnahmen zugelassen seien. Die mit der Maskenpflicht einhergehenden Einschränkungen seien "nicht nur hinnehmbar", sondern dienten auch "einem interessengerechten Ausgleich der Schüler", befand der BayVGH. Gegen den Beschluss der Richter gibt es keine Rechtsmittel. 

Fast jeder vierte Bayer hat sich im Urlaub nicht erholt

Montag, 7. September, 15.02 Uhr: Knapp ein Viertel der Bayern hat sich in diesem Jahr nicht richtig erholt. Laut einer DAK-Umfrage liegen die bayerischen Urlauber damit an erster Stelle: Knapp ein Fünftel der Deutschen (19 Prozent) kam in den vergangenen Wochen weniger gut oder überhaupt nicht zu neuen Kräften, wie die Krankenkasse am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Im Vorjahr waren es nur 13 Prozent. Vor allem Menschen in Bayern (23 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (22 Prozent) berichteten von mangelhafter Erholung. In Baden-Württemberg waren es lediglich 16 Prozent.

Knapp die Hälfte (44 Prozent) der schlecht Erholten klagte über gescheiterte Reisepläne wegen der Corona-Krise. 37 Prozent konnten sich aufgrund der Corona-Einschränkungen am Urlaubsort nicht gut erholen. Nur die Unfähigkeit abzuschalten (46 Prozent) war für den schlechten Urlaub noch entscheidender als die Pandemie. Zudem hatte ein Fünftel Stress mit der Familie oder mit Freunden.

Unter den gut Erholten waren für 80 Prozent Sonne und Naturerlebnisse entscheidend. Auch Zeit für sich selbst oder mit der Familie förderten die Erholung (70 Prozent) Positiv wirkte sich für viele auch der Wegfall der Arbeitsbelastung (61 Prozent) und der Ortswechsel (56 Prozent) aus.

Laut DAK-Befragung erkrankten oder verletzten sich im Sommer vier Prozent der Urlauber, 2019 waren es noch sieben Prozent. Die meisten Urlaubspatienten hatten einen Unfall oder Sturz. Unter einer Erkältung litt knapp ein Drittel der erkrankten Urlauber, von einem Magen-Darm-Infekt waren lediglich vier Prozent betroffen. Damit lagen die Infektionszahlen deutlich unter denen des Vorjahrs mit 39 Prozent - möglicherweise ein positiver Effekt der Hygienemaßnahmen.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im Auftrag der DAK vom 22. Juli bis 7. August 1.000 Urlauber befragt. 

Mehr als 500 Verfahren wegen Corona-Soforthilfe-Betrugs in Bayern

Sonntag, 6. September, 15.15 Uhr: Die Corona-Pandemie ruft offenbar auch etliche Betrüger auf den Plan. Alleine in Bayern laufen - Stand Mitte Juli - mindestens 537 Ermittlungs- und Vorermittlungsverfahren zu Anträgen auf Corona-Soforthilfen des Bundes und des Freistaats, teilte das bayerische Justizministerium dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Die ausgezahlte Schadenssumme lag Ende Mai bei ungefähr 1,7 Millionen Euro. Zudem bestehe bei noch nicht ausbezahlten Anträgen im Gesamtwert von 2,2 Millionen Euro der Verdacht auf falsche Angaben. Wegen der deutlichen Steigerung der Antragszahlen seit Ende Mai sei auch von einem deutlichen Anstieg der Schadenshöhe auszugehen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Bei den verfolgten Straftaten im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen handle es sich in der Regel um Subventionsbetrug. Neben der Pflicht zur Rückzahlung drohten den Tätern "hohe Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren", sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) dem epd. Welchen Branchen die Täter zuzuordnen seien, wurde bei der Sonderabfrage des Ministeriums bei den 22 bayerischen Staatsanwaltschaften nicht erfasst. "Die bayerische Justiz ist beim Kampf gegen Betrug mit Corona-Soforthilfen sehr wachsam und gut aufgestellt", sagte Justizminister Eisenreich. Dies zeige die große Zahl an Ermittlungsverfahren im Freistaat: "Betrug lohnt sich nicht."

Zu den 537 Verfahren wegen der Anträge auf Corona-Soforthilfe kamen bei den bayerischen Ermittlungsbehörden alleine bis Ende Mai mindestens 608 weitere Ermittlungs- und Vorermittlungsverfahren wegen sonstiger Corona-Betrügereien. Die Ermittler hätten in Bayern zum Beispiel die folgenden beiden Betrugsmaschen beobachtet: Erpresserschreiben an Einzelpersonen, verbunden mit der Drohung, diese oder Familienmitglieder mit Corona zu infizieren, sowie diverse Corona-Fake-Shops im Internet, in denen nicht wirksame Schutzmittel oder Medikamente sowie nicht existente Impfstoffe verkauft werden. 

Polizei nutzt Corona-Gästelisten auch für Kleinkriminalität

Donnerstag, 3. September, 10.15 Uhr: Die bayerische Polizei hat auf Corona-Gästedaten aus der Gastronomie auch für Ermittlungen zu weniger gravierenden Delikten zugegriffen. Unter 24 Fällen bis Ende Juli befinden sich auch Diebstahl, Beleidigung und Fahrerflucht, wie aus einer Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hervorgeht, über die die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) in München vorab berichtet. Gleichwohl sei es aber auch um Kapitaldelikte wie Mord und schweren Raub sowie Vermisstensuchen gegangen. Im Sommer hatte das Ministerium stets darauf verwiesen, dass es sich bei der Datennutzung um schwere Straftaten und Notfälle handle.

Die persönlichen Daten, die Gäste in Restaurants, Cafés und Biergärten hinterlassen müssen, sind eigentlich zur Rückverfolgung beim Infektionsschutz gedacht. Als im Juli bekannt wurde, dass diese Daten auch für polizeiliche Zwecke verwendet werden, löste das politische Diskussionen aus. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen sieht nun laut Bericht seinen damaligen Verdacht bestätigt: Auf die Gästedaten sei eben nicht nur in Ausnahmefällen und bei besonders schwerer Kriminalität zugegriffen worden, sondern etwa auch bei Fahrerflucht.

Zudem seien laut der Antwort des Innenministeriums auch Daten Unbeteiligter erhoben und gespeichert worden. Hagen sagte, er halte das für "hochproblematisch". Die Gästelisten seien ausschließlich zur Pandemie-Bekämpfung eingeführt worden: "Eine Zweckentfremdung zerstört das Vertrauen der Bürger in staatliches Handeln und die Akzeptanz für die Corona-Regeln."

Das Innenministerium hingegen betont in der Antwort die "Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit". Die 24 Fälle betreffen fast alle Regionen im Freistaat, schwerpunktmäßig jedoch den Zuständigkeitsbereich der beiden Polizeipräsidien München und südliches Oberbayern. Auch in anderen Bundesländern hatte es Fälle von Zweckentfremdung der Corona-Gästelisten gegeben. Daraufhin waren Rufe nach einer bundesweiten Regelung laut geworden - inklusive einem Begleitgesetz, dass solche Fälle der Datennutzung klar definieren soll.

Landtags-SPD fordert höhere Corona-Pauschalen für Kitas

Mittwoch, 2. September, 11.27 Uhr: Die SPD-Landtagsfraktion hat die Pauschalen des Freistaats für Kita-Träger während der Zeit der Corona-Zwangsschließungen kritisiert. "Der sogenannte Beitragsersatz ist nur eine Pauschale, die oft nicht ansatzweise den entstandenen Schaden ausgleicht", sagte die SPD-Abgeordnete und Vorsitzende des Landtags-Sozialausschusses Doris Rauscher in München. Besonders ärgerlich sei, dass es diese Pauschale nur dann gibt, wenn ein Kind keinen einzigen Tag im Monat in der Kita betreut wurde: "War es nur einen einzigen Tag da, entfällt der Beitrag komplett. Das ist die reinste Mogelpackung."

Hinzu komme, dass die von der Staatsregierung ausbezahlten Pauschalen für die Monate April bis Juni viel zu niedrig seien. Für ein Krippenkind erhielten die Träger pauschal 300 Euro, für ein Kind im Kindergartenalter 150 Euro. In vielen Einrichtungen aber seien die Elternbeiträge deutlich höher und betrügen je nach Buchungszeit etwa in München auch mal 500 Euro.

"Die Pauschale der Staatsregierung geht also völlig an der Realität vorbei", sagte Rauscher. Die Regierung müsse dringend nachbessern, damit Träger oder Eltern im Fall einer erneuten Kita-Schließung nicht auf den Kosten sitzenbleiben.

Bereits durch die jetzige Differenz zwischen Elternbeiträgen und Pauschalen hätten einige Einrichtungen große Defizite angehäuft - oft seien die Träger Kommunen, Kirchen oder Sozialverbände. Der Bestand etlicher Einrichtungen wäre bei einer erneuten Zwangsschließung mit den aktuellen Regelungen gefährdet, so die SPD.

Deutsches Mozartfest in Augsburg findet nun im Oktober statt

Dienstag, 1. September, 14.54 Uhr: Das ursprünglich im Mai geplante Deutsche Mozartfest in Augsburg findet nun vom 9. bis 31 Oktober statt. Mit zehn Konzerten sei fast das gesamte geplante Mai-Programm auf den Oktober verlegt worden, teilte die Stadt Augsburg am Dienstag mit. Inhaltlich widmet sich das Festival unter dem Titel "MZRT & BTHVN - Vollendung und Aufbruch" den beiden "Ton-Titanen" Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Ludwig van Beethoven (1770-1827). Man begebe sich damit "auf die Suche nach Verbindungen, Trennlinien und Übergängen zwischen Mozart und Beethoven", hieß es in der Ankündigung.

Es würden musikalische Bögen zwischen dem frühen und späten Mozart sowie vom jungen zum betagten Beethoven gespannt. Dabei dürften auch "ikonische Werke" wie Mozarts Requiem sowie die fünfte und sechste Symphonie Beethovens nicht fehlen - diese Werke würden jeweils vom "Orchestra in Residence", der Akademie für Alte Musik Berlin (Akamus) gespielt. Wegen der Abstands- und Hygieneregeln seien für fast alle Konzerte des Mozartfestes die Räume gewechselt worden. Gespielt werde nun in der evangelischen St. Ulrichskirche, im Kongress am Park sowie im Kleinen Goldenen Saal.

ifo-Institut: Kurzarbeit sinkt weiter langsam

Montag, 31. August, 16.19 Uhr:  Die Zahl der Firmen mit Kurzarbeit sinkt einer Umfrage zufolge weiter. Im August waren es 37 Prozent der Unternehmen, wie das Münchner ifo-Institut am Montag mitteilte. Im Juli waren es noch 42 Prozent. "Der Anteil an Firmen mit Kurzarbeit war über fast alle Branchen hinweg rückläufig, auch wenn es insgesamt immer noch viele sind", sagte ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link zu den Umfrageergebnissen des Forschungsinstituts. Spitzenreiter blieb im August die Industrie mit 53 Prozent der Firmen, nach 57 Prozent im Juli.

Bei den Dienstleistern befanden sich den Angaben zufolge im August noch 33 Prozent der Firmen in Kurzarbeit, nach 39 Prozent im Juli. Im Handel fiel der Anteil von 31 Prozent im Juli auf 26 Prozent im August. Vergleichsweise wenig betroffen war das Bauhauptgewerbe, wo nur sieben Prozent der Unternehmen Kurzarbeit fuhren, nach elf Prozent im Juli.

In den aggregierten Zahlen der großen Wirtschaftszweige verbergen sich laut ifo riesige Unterschiede. Das zeigt sich besonders deutlich an den Dienstleistern. Obwohl der Durchschnittswert nur 33 Prozent betrug, waren im August 88 Prozent der Reisebüros und -veranstalter in Kurzarbeit, 74 Prozent Arbeitskräftevermittler, 71 Prozent der Hotels, 69 Prozent der kreativen und künstlerisch tätigen Betriebe, 52 Prozent der Gastronomieunternehmen und 40 Prozent der Verlage. Besonders wenig Kurzarbeit gab es im August im Grundstücks- und Wohnungswesen mit 4,2 Prozent sowie bei Informationsdienstleistern mit 2,8 Prozent.

Ähnlich gemischt sieht es der Umfrage zufolge in der Industrie aus: Der Durchschnittswert beträgt dort 53 Prozent. Dennoch waren im August noch 80 Prozent der Metallerzeuger und -bearbeiter in Kurzarbeit. Bei den Herstellern von Bekleidung waren es 67 Prozent und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen ebenfalls 67 Prozent. In der Autobranche betrug der Anteil 65 Prozent der Unternehmen, in der Chemie hingegen nur 34 Prozent, bei den Herstellern von Nahrungsmitteln 14 Prozent und bei der Pharmazie vier Prozent.

Caritasverband betrachtet Regelbetrieb in Kitas ab September als unrealistisch

Freitag, 28. August, 09.16 Uhr: Der Diözesan-Caritasverband München und Freising warnt angesichts des Drei-Stufen-Plans der Staatsregierung für Kitas vor Konflikten zwischen Eltern und Kindergärten. Dieser Plan sehe vor, dass die Kitas in Stufe 2 - also bei steigenden Corona-Infektionszahlen - in den eingeschränkten Betrieb wechseln und nicht mehr jedes Kita-Kind im gewohnten Umfang betreut werden kann, sagte Caritasdirektor Georg Falterbaum am Donnerstag in München.

 Das Sozialministerium müsste die Eltern auf diesen Stufe-2-Fall vorbereiten, stattdessen werde stets nur über die Einschränkungen in der dritten Stufe gesprochen, wenn lediglich noch ein eingeschränkter Kita-Notbetrieb stattfinden soll.

Von den Kita-Trägern fordere das Sozialministerium hingegen die Umsetzung eines Hygieneplans für alle drei Stufen. Die Konflikte mit den Eltern seien vorprogrammiert, weil diese ab September einen Regelbetrieb erwarten, "den es so nicht geben kann". Das Ministerium müsse die Eltern ausführlich über seine Vorgaben für die bayerischen Kitas informieren.

Nur so könne die Partnerschaft zwischen Eltern und Kitas gut funktionieren, sagte Falterbaum. Außerdem kritisierte er, dass nach den Sommerferien Kinder mit "milden Krankheitssymptomen" wieder und ohne negativen Corona-Test in die Kita gehen dürften. Das gefährde andere Kinder und auch das pädagogische Personal.

Corona lässt Passagierzahlen an bayerischen Flughäfen einbrechen

Mittwoch, 26. August, 11.18 Uhr: Die Corona-Pandemie hatte auch auf den Flugverkehr an den drei bayerischen Verkehrsflughäfen München, Nürnberg und Memmingen im ersten Halbjahr 2020 teilweise drastische Auswirkungen.

So gingen die Fluggastzahlen von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Drittel (65,7 Prozent) auf 8,7 Millionen Passagiere zurück, wie das Landesamt für Statistik am Mittwoch in Fürth mitteilte. Das Fracht- und Postaufkommen sei in diesem Zeitraum um 45,7 Prozent gesunken. Die Zahl der startenden und landenden Flugzeuge sank an diesen drei Flughäfen im ersten Halbjahr um 58 Prozent auf 95.290 Maschinen.

Besonders dramatisch seien die Einbrüche am Flughafen München in den Monaten April und Mai gewesen. Die Passagierzahlen seien in den beiden Monaten im Vergleich zu den Vorjahresmonaten um mehr als 99 Prozent eingebrochen.

Söder will an Corona-Tests für Reiserückkehrer festhalten

Dienstag, 25. August, 09.13 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnt eine Einschränkung oder Abschaffung von Coronatests für Reiserückkehrer ab. "Bayern will das nicht", sagte Söder am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk (BR). Vor allem Urlaubsrückkehrer aus Südosteuropa ließen "gepaart mit großem Leichtsinn" überall in Deutschland wieder das Infektionsgeschehen ansteigen: "Der Urlaub ist genau das Risiko, vor dem wir immer gewarnt haben." Überlegungen, Tests für Rückkehrer aus Urlaubsgebieten abzuschaffen, halte er "für nicht durchdacht".

Das Argument, die Testkapazitäten seien jetzt ausgeschöpft, greife nicht, sagte Söder. Noch sei fast ein Viertel der Testkapazitäten frei. Quarantäne plus Tests seien "eine wichtige Sicherheit". Dies gerade auch mit Blick darauf, dass Mitte September in einigen Bundesländern schon wieder die Herbstferien beginnen. "Wir müssen gucken, dass wir nicht immer ständig der Welle nachlaufen", sagte Söder, "sondern wieder versuchen, vor die Welle zu kommen". Des Weiteren bekräftigte er seine Forderung nach einheitlicheren bundesweiten Regelungen.

Bayern will an eigenen Corona-Regeln für private Feiern festhalten

Montag, 24. August, 10.48 Uhr: Vor dem Treffen der Länder-Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag hat Bayern seine Linie bei den Corona-Beschränkungen für private Feste und Feiern bekräftigt. Der neue Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Montag), falls es zu bundeseinheitlichen Grenzen für Teilnehmerzahlen kommen, müssten sich diese "an der bayerischen Linie orientieren".

Er glaube nicht, dass "der Freistaat seinen bewährten Weg verlässt", betonte Holetschek, der erst in der vergangenen Woche vom Bau- ins Gesundheitsministerium gewechselt war, um die in die Kritik geratene Ministerin Melanie Huml (CSU) zu unterstützen. Holetschek sagte, es könne auch bei unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern bleiben. Schließlich gebe es ein "unterschiedliches Infektionsgeschehen". 

Söder will bundesweite Maskenpflicht-Regelungen

Freitag, 22. August, 11.52. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) strebt zum Schutz vor dem Coronavirus bundesweit einheitliche Regelungen zum Masken-Tragen an. Auch Bußgelder bei Verstößen gegen eine Maskenpflicht sollten vereinheitlicht werden, sagte Söder. Kommende Woche berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit den Regierungschefs der Länder über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Söder sagte dem Deutschlandfunk: "Wir haben nach wie vor unglaublich viele tolle, vernünftige Menschen, die in einer bewundernswerten Weise für sich und andere vorsorgen." Aber es gebe auch eine Zahl von Menschen, die die Lage nicht ernst nähmen, sagte der CSU-Chef dem Deutschlandfunk laut einer Vorabmeldung vom Freitag: "Und deswegen muss man auch manchmal die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen."

Söder kritisierte Bundesländer, die Lockerungen planten. "Wir können doch nicht im Ernst in der Situation weitere Lockerungen beschließen", sagte er und sprach sich gegen Konzerte und Fußballspiele mit Tausenden Menschen aus. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt seit einiger Zeit in Deutschland wieder zu. Am Freitag meldete das Robert Koch-Institut mehr als 1.400 neue Infektionen gegenüber dem Vortag.

Museum Otto Schäfer öffnet wieder nach Corona

Donnerstag, 21. August 2020, 10 Uhr. Das Museum Otto Schäfer in Schweinfurt nimmt nach seiner coronabedingten Schließung am 12. September wieder den Betrieb auf. Wie das Museum mitteilte, soll dann ab dem 20. September die ursprünglich schon für Frühjahr und Sommer geplante Ausstellung "Helm Zirkelbach / Walt Whitman - Gesang von mir selbst" zu sehen sein. Grafiker Zirkelbach hat nach Angaben des Museums zu jeder der 52 Strophen des Whitman-Gedichts "Gesang von mir selbst" ein eigenes Blatt geschaffen. Rund die Hälfte davon werde zu sehen sein, ebenso der Originaltext samt der deutschen Übersetzung.

Weil eine richtige Vernissage wegen der Enge des Museums und der Infektionsschutzauflagen aktuell nicht möglich sei, würden am 20. September jeweils um 11, 13 und 15 Uhr Führungen angeboten, zu denen man sich vorab anmelden muss. Das kleine Museum wird von der Otto Schäfer Stiftung der Stadt Schweinfurt getragen. Das Museum widmet sich dem Buch, der Grafik und dem Kunsthandwerk. Um die Graphik- und Büchersammlungen Otto Schäfers (1912 - 2000) haben sich im Laufe der Zeit eigene neue Sammlungen gruppiert.

Augustana Haochschule startet Lehrbetrieb

Mittwoch, 19. August, 11 Uhr. Die landeskirchliche Augustana Hochschule in Neuendettelsau kann trotz der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Auflagen ihren Lehrbetrieb im Wintersemester 2020/21 sicherstellen. Im März habe die Augustana ihren Betrieb komplett auf digitales Lernen umgestellt, seit Juni seien auch wieder Präsenzangebote nach den Hygienevorgaben möglich, teilte die Hochschule mit. Man werde im September und Oktober die bewährten Ferien-Intensivsprachkurse in Präsenz, digital sowie in hybrider Form anbieten – das gleiche gelte für das Lehrangebot für das am 10. November beginnende Wintersemester, hieß es.

Das Theologiestudium sei "unbedingt" auf Präsenzveranstaltungen angewiesen, teilte die Augustana Hochschule weiter mit. Sprachkurse, Seminare und Übungen würden gemäß den jeweils geltenden Hygiene- und Sicherheitsvorgaben angeboten und umgesetzt. Die digitale Lehre werde zudem zur ökumenischen Annäherung genutzt für das digitale grenzüberschreitende Pilotprojekt "International Course Exchange". Studierende der Augustana könnten dabei online an Lehrangeboten internationaler Partnerhochschulen teilnehmen - und umgekehrt. Die erworbenen Leistungspunkte würden dabei jeweils anerkannt.

Wegen der Corona-Pandemie sind potenzielle Studierende fast aller Hochschulen momentan verunsichert und sehr zurückhaltend bei der Einschreibung. Man könne die an der Augustana so einzigartigen und charakteristischen Angebote "an individueller Studienberatung und Seelsorge, das studentische Hochschulleben und die geistliche Gemeinschaft am Campus auch unter Corona praktizieren", hieß es in Neuendettelsau.

Forscher: Flüchtlinge am stärksten von Entlassungen betroffen

Dienstag, 18. August 2020, 16.09 Uhr: Flüchtlinge sind nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am stärksten von Entlassungen infolge der Corona-Krise betroffen. Grund sei, dass Flüchtlinge häufig Beschäftigungen ausüben, die sich nicht im Homeoffice erledigen lassen, etwa bei Sicherheitsdiensten oder in der Gastronomie, sagte der IAB-Migrationsforscher Herbert Brücker der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Hinzu kommt, dass sie erst seit kurzer Zeit beschäftigt waren oder nur befristete Verträge hatten", erklärte er.

Bis zum Ausbruch der Corona-Krise Anfang dieses Jahres sei die Erwerbstätigkeit der Geflüchteten dagegen stetig gestiegen. "Wenn Sie mich fragen: Stimmt der Merkel-Satz 'Wir schaffen das' aus heutiger Sicht?, sage ich: Ja, bis zum Ausbruch der Corona-Krise waren wir wirklich auf sehr gutem Wege, die Arbeitsmarktintegration der 1,2 Millionen Geflohenen schneller als in der Vergangenheit zu schaffen", sagte Brücker. Der grundsätzlich positive Trend habe sich bis Ende 2019 fortgesetzt. Nun wirke sich die Corona-Krise leider "sehr schlecht auf die Beschäftigung Geflohener aus".

Corona breitet sich in Lateinamerika aus

Samstag, 15. August 2020, 17.47 Uhr: In Lateinamerika breitet sich die Corona-Pandemie weiter dramatisch aus. In Brasilien sind inzwischen mehr als 3,2 Millionen Menschen infiziert, etwa 105.000 Menschen sind an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, wie das Gesundheitsministerium  mitteilte. Mexiko und Peru haben jeweils die Marke von 500.000 Infizierten überschritten. Unterdessen laufen in Lateinamerika große Impfstofftests.

In Mexiko sind 55.293 Menschen nach einer Infektion gestorben, in Peru stieg die Zahl der Toten auf mehr als 25.000. In allen drei Ländern gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Infizierten deutlich höher ist, weil zu wenig getestet wird. In Mexiko wurden trotz hoher Infektions- und Todeszahlen die Sicherheitsmaßnahmen teilweise wieder heruntergefahren. So dürfen in Mexiko-Stadt Restaurants, der Einzelhandel und Kinos unter Auflagen wieder öffnen. Eine Ausgangssperre hat die Regierung nie verfügt.

Für Peru kündigte Präsident Martín Vizcarra dagegen an, die erst vor wenigen Wochen gelockerten Ausgangsbeschränkungen wieder zu verschärfen. So gilt sonntags eine strikte Ausgangssperre, Familientreffen sind künftig verboten. Peru verhängte bereits Mitte März, noch vor Deutschland, strenge Beschränkungen für das öffentliche und private Leben. Trotzdem konnte das Virus nicht aufgehalten werden. Hauptgrund dafür ist wie in anderen lateinamerikanischen Ländern die große soziale Ungleichheit.
 
In Brasilien wurden Quarantäneregelungen von Bürgermeistern und Gouverneuren größtenteils nach Druck aus der Wirtschaft wieder aufgehoben. Präsident Jair Bolsonaro, der selbst mit Corona infiziert war, verharmlost die Pandemie und setzt sich demonstrativ immer wieder über Schutzmaßnahmen hinweg. Das südamerikanische Land gilt als Beispiel für das Versagen der Politik im Umgang mit der Corona-Krise. Gleichzeitig wird in Lateinamerika an Impfstoffen geforscht. In Brasilien testen unter anderem die Firmen AstraZeneca, Pfizer und das chinesische Unternehmen Sinovac in Kooperation mit dem Staat ihre Impfstoffe.
 
Der im staatlichen Forschungsinstitut Butantan in São Paulo entwickelte Impfstoff soll ab Januar 2021 zum Einsatz kommen. Er wird derzeit an rund 9.000 Freiwilligen aus dem Gesundheitssektor getestet. Optimistisch zeigen sich brasilianische Forscher auch über die Herstellung von Antikörpern aus Pferdeblut, wie die Tageszeitung "Estado de São Paulo" berichtete. Die Konzentration der Antikörper sei bis zu 50 Mal höher als bei Menschen.

Gemeinsam mit Argentinien beteiligt sich Mexiko an der Herstellung eines Impfstoffs, der derzeit in der Oxford-Universität erforscht wird. Die Substanz befindet sich bereits in der dritten Testphase und soll im ersten Halbjahr 2021 zum Einsatz kommen. Eine Dosis soll drei bis vier US-Dollar kosten. Geplant ist die Produktion von 150 Millionen bis 250 Millionen Dosen, die außer in Brasilien in ganz Lateinamerika verkauft werden sollen. Es gehe nicht darum, Gewinn zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass ganz Lateinamerika Zugang zu dem Impfstoff habe, erklärte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador.

 

Neue Kita-Studie zu Corona-Krise startet

Freitag, 14. August, 10.08 Uhr: Damit der Corona-Krise besser begegnet werden kann, sollen sich Kitas und Tagespflege für ein neuen Register erfassen lassen. Mit diesem wollen das Deutsche Jugendinstitut (DJI, München) und das Robert-Koch-Institut (RKI, Berlin) herausfinden, wie die Einrichtungen auf das Corona-Infektionsgeschehen reagieren. Alle Kitas und Tagespflege-Personen seien aufgerufen, sich auf "www.corona-kita-studie.de" zu registrieren und regelmäßig an Online-Erhebungen teilzunehmen.

Mit dem Register werde eine "einmalige bundesweite Datenbasis" aufgebaut, sagte DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. Dabei werde auf das Fachwissen und die Erfahrungen der Kinderbetreuungs-Beschäftigten gesetzt. Nur mit ihrer Hilfe könne sichtbar gemacht werden, vor welchen Herausforderungen die Kindertagesbetreuung aktuell steht, und geklärt werden, "wie wir in Krisen künftig handlungsfähig bleiben". Die wöchentlichen Umfragen sollen nur wenige Minuten dauern.

In den kommenden Monaten sollen Erkenntnisse zusammengetragen werden, wie die Kindertagesbetreuung auf die organisatorischen, hygienischen und pädagogischen Herausforderungen während der Pandemie reagiert und wie sich das Infektionsgeschehen auf die Kindertagesbetreuung auswirkt. Ziel sei, Erkrankungsrisiken in den Einrichtungen besser einschätzen und Lösungsansätze finden zu können, hieß es. Die Studie solle zudem klären, wie stark die bisherigen Öffnungen mit gehäuften Infektionen einhergehen.

Wissenschaftler untersuchen Virusübertragung durch Gesang

Mittwoch, 12. August, 10.34 Uhr: Wie Chorgesang und Blasinstrumente das Coronavirus über Aerosole und Tröpfchen verbreiten, ist Thema einer neuen medizinischen Studie. Professor Matthias Echternach vom Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München und Privatdozent Stefan Kniesburges vom Universitätsklinikum Erlangen wollen das zusammen mit dem Chor und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) untersuchen, heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Wissenschaftsministeriums vom Dienstag. Etwa 20 Mitglieder hätten sich für die Testreihe als Probanden zur Verfügung gestellt. Das Ministerium unterstütze die Studie mit 120.000 Euro.

Gerade Sängerinnen und Sänger sowie Bläserinnen und Bläser würden die Abstands- und Hygienemaßnahmen wegen der Verbreitung von Covid-19 über Tröpfchen und Aerosole hart treffen, hieß es. Die Studie könne eine Grundlage für die Definition von Mindestabständen im Kulturbetrieb sein. Man habe schmerzlich aus sogenannten "Superspreader Events" lernen müssen, dass Gesangsveranstaltungen wie Chorproben und Auftritte oder Gottesdienste ein erhöhtes Risiko für die Verbreitung von COVID-19 darstelle, sagte Professor Echternach laut der Mitteilung. Es gebe aber noch nicht ausreichend belastbare wissenschaftliche Daten, um die Mechanismen zu verstehen.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler erklärte, durch die wissenschaftliche Erforschung könne man auch erkennen, wie man den Kulturbetrieb weiter hochfahren und gleichzeitig Künstlerinnen und Künstler und das Publikum vor Ansteckungen schützen könne.

Wegen Corona mehr Gottesdienste im Freien

Montag, 10. August, 09.00 Uhr: Die Corona-Beschränkungen haben nach Beobachtung des kirchlichen Tourismusexperten Thomas Roßmerkel in den Gemeinden zu neuen Gottesdienstformen geführt. Die Menschen drängten im Urlaub in die Natur und freuten sich über Gottesdienste im Freien, sagte der kirchliche Beauftragte für Urlaubs- und Tourismusseelsorge dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb verlegten Gemeinden ihre Gottesdienste in den Kirchgarten. Neue Formen seien auch Vollmondspaziergänge, meditative Wanderungen oder ein literarischer Waldspaziergang, bei dem an verschiedenen Stationen passende Texte gelesen werden. Bei diesen kirchlichen Angeboten sei zu erleben, dass die Menschen jetzt verstärkt Beziehungen, menschliche Nähe und die Möglichkeit zu Gesprächen suchten, sagte der Theologe.

Kinder verbrachten während Corona nur halb soviel Zeit mit der Schule

Mittwoch, 5. August, 16.00 Uhr: Während der Corona-Krise haben sich Kinder in Deutschland täglich nur halb soviel Zeit mit der Schule beschäftigt wie vor dem Lockdown. Statt 7,4 Stunden waren es nur noch 3,6 Stunden pro Tag, wie aus einer Umfrage des ifo-Instituts hervorgeht, die am Mittwoch in München veröffentlicht wurde. Demnach hat ein gutes Drittel (38 Prozent) der Schüler höchstens zwei Stunden am Tag gelernt und zwei Drittel (74 Prozent) höchstens vier Stunden. Gleichzeitig sei die Beschäftigungszeit mit Fernsehen, Computerspielen und Handynutzung von vier auf 5,2 Stunden täglich gestiegen, hieß es.

"Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass wir unter Beachtung der Schutzmaßnahmen wieder zum normalen Schulunterricht zurückkehren", sagte der Leiter des ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann: Wo Schließungen unvermeidlich seien, sollten die Schulen direkt auf Online-Unterricht umstellen.

Diakonie fordert staatliche Corona-Hilfen für Tagespflege

Dienstag, 4. August, 08.22 Uhr: Durch die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie geraten die Einrichtungen der Tagespflege in Bayern in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Nachdem das gesellschaftliche Leben im Frühjahr quasi zum Erliegen gekommen sei, könnten die Einrichtungen zwar nun wieder Gäste aufnehmen, sagte der bayerische Diakonie-Präsident Michael Bammessel am Dienstag laut Mitteilung. Wegen der Hygiene- und Abstandsregeln habe sich die Platzzahl jedoch "faktisch halbiert". Die Kosten der Träger seien dagegen unverändert hoch. Die Situation sei für viele Einrichtungen existenzbedrohend, sagte Bammessel.

Er gehe davon aus, dass sich diese reduzierte Auslastung auch im Herbst fortsetzen wird. "Um die Existenz der Tagespflegen zu sichern, benötigen wir seitens der Staatsregierung dringend Hilfe", sagte Bammessel und forderte eine Hilfspaket ähnlich jenem für die Krankenhäuser. Angesichts der zahlreichen Rettungs- und Hilfspakete der vergangenen Monate forderte Bammessel, dass die Politik auch in diesem Bereich aktiv werden müsse. Es gebe bislang keine Hilfspakete, von denen die Tagespflegen profitiere: "Die Träger, ihre Mitarbeitenden, insbesondere aber die Pflegebedürftigen brauchen Hilfe, und zwar schnell."

Protestanten unterstützen Partnerkirchen mit Corona-Nothilfe

Montag, 3. August, 14.11 Uhr: Spenden ihn Höhe von 215.000 Euro sind seit Beginn der Corona-Krise bis Ende Juli für einen Corona-Nothilfefonds von Mission EineWelt, dem Partnerschaftszentrum der evangelischen Kirche in Bayern gegeben worden. Wie Mission EineWelt mitteilte, verdoppelt die Landeskirche diese Spenden für die Partnerkirchen.

Corona bedrohe Leben in Lateinamerika und Afrika direkt und indirekt, erklärte Katrin Bauer, Leiterin der Abteilung Fundraising. Die medizinische Versorgung und Infrastruktur sei nicht vergleichbar mit der in Europa. Wer erkranke, habe ein wesentlich höheres Risiko, an dem Virus oder seinen Langzeitfolgen zu sterben. Zudem würden durch Lockdowns und Kontaktbeschränkungen Existenzen bedroht.

Bis jetzt seien 31 Hilfsprojekte mit einem Volumen von insgesamt rund 170.000 Euro beantragt worden, sagte Katrin Bauer. Unter anderem seien 700 Familien aus der Iglesia Luterana Salvadoreña, der lutherischen Kirche in El Salvador, mit Lebensmitteln unterstützt worden, die von verschiedenen lutherischen Kirchen darunter dem Nothilfefonds von Mission EineWelt finanziert waren.

Auch in Tansania, Kenia und Liberia seien mit Hilfe der Spenden an Mission EineWelt verschiedene Hilfsprojekte initiiert worden. Im Vordergrund stünden dabei die Aufklärung über das Virus sowie über Vorsichts- und Hygienemaßnahmen und die Versorgung mit medizinischer Schutzausrüstung und Hygieneartikeln sowie mit Nahrungsmitteln, hieß es.

Die Nachfrage nach Unterstützung sei groß, sagte Bauer. "Weitere Bitten liegen bereits vor und ebenfalls sind angesichts der weltweit angespannten Lage noch viele Anfragen zu erwarten".

Hohe Friedensfest in Augsburg wird verkleinert

Freitag, 31. Juli, 16.47 Uhr. In Augsburg wird am Samstag (8. August) wieder das "Hohe Friedensfest" begangen, der weltweit wohl einzige gesetzliche Extra-Feiertag für den Frieden. Erstmals feierten 1650 die Evangelischen der Stadt das Friedensfest zum Dank an den Westfälischen Frieden von 1648, der ihnen wieder ihre politischen und religiösen Rechte gab. Seit 1985 feiern die beiden großen christlichen Konfessionen den Tag ökumenisch.

Zu einem bunten Fest der Religionen und der Kulturen hatte sich im Laufe der Zeit das Augsburger "Hohe Friedensfest" entwickelt. Dieses Jahr aber fällt alles etwas anders und kleiner aus - dank Corona. Einer der Höhepunkte aber bleibt das multireligiöse Friedensgebet am Vorabend des 8. August im Annahof und die Bekanntgabe des diesjährigen Friedenspreisträgers im Rathaus unmittelbar nach dem Gottesdienst am 8. August in der Heilig-Kreuz-Kirche, in dem der evangelische Oberkirchenrat Michael Martin predigt.

Die große Friedenstafel und das Kinderfriedensfest fallen dieses Jahr aus, dafür soll es Picknicks an mehreren Orten in Augsburg geben. Das Friedensfest und das bereits seit Mitte Juli angebotene Kulturprogramm stehen unter dem Motto "Rituale".

Jeder zweite beatmete Covid-19-Patient stirbt

Donnerstag, 30. Juli, 12.15 Uhr: Von Covid-19-Patienten in Deutschland, die zwischen Ende Februar und Mitte April im Krankenhaus künstlich beatmet wurden, sind einer Studie zufolge 53 Prozent gestorben. Bei den nicht beatmeten, stationär behandelten Corona-Patienten starben 16 Prozent, wie das Wissenschaftliche Institut der AOK, die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin in München und die Technische Universität Berlin am Mittwoch gemeinsam mitteilten.

Die Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten in Krankenhäusern insgesamt, also jene von beatmeten und nicht-beatmeten Fällen zusammen, lag bei 22 Prozent und damit bei rund einem Fünftel. Bei Männern betrug sie 25 Prozent, bei Frauen 19 Prozent. Von den älteren Patienten verstarben 27 Prozent in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen, 38 Prozent in der Gruppe ab 80 Jahren.

Von den beatmeten Patienten litten 62 Prozent an Bluthochdruck, 39 Prozent an Diabetes und 43 Prozent an Herzrhythmusstörungen. 24 Prozent wiesen eine Niereninsuffizienz auf, 19 Prozent waren chronisch lungenkrank und 13 Prozent fettleibig. Ob es sich bei einigen Krankheiten um Vorerkrankungen handelte oder ob sie erst beim stationären Aufenthalt entstanden, könne nicht unterschieden werden, sagte Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Für die Untersuchung werteten die Institute Daten von 10.021 Patienten aus, die zwischen dem 26. Februar und 19. April 2020 mit bestätigter Covid-19-Diagnose in 920 deutschen Krankenhäusern behandelt und danach entlassen wurden oder gestorben waren. Die Ergebnisse veröffentlichte der Studienverbund im internationalen Fachmagazin "The Lancet Respiratory Medicine". Basis für die Berechnungen waren AOK-Abrechnungsdaten, die den Angaben nach knapp ein Drittel der deutschen Bevölkerung abbilden. Ein Fokus der Untersuchung lag auf beatmeten Patienten.

Rufe nach Corona-Testpflicht werden lauter

Dienstag, 28. Juli, 11.15 Uhr: Angesichts steigender Infektionszahlen werden Rufe nach einer Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten lauter. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) befürchtet ein halbes Jahr nach dem Auftauchen des Virus in Deutschland "nicht ein großes Ischgl, sondern viele Mini-Ischgls". Man müsse aufpassen, dass aus vielen Einzelfällen keine zweite Infektionswelle werde, sagte er am Montag in München. Im österreichischen Skiort Ischgl war es in den Faschingsferien zu einem großen Corona-Ausbruch auch unter deutschen Touristen gekommen.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach sich ebenfalls für einen solchen verpflichtenden Test aus. Er plädierte in Düsseldorf dafür, dass Reisende bei einer möglichen Testpflicht die anfallenden Kosten selbst tragen müssten. Wenn jemand freiwillig in ein Risikogebiet fliege, dann sei das ein Eigenrisiko, betonte er.

Das Bundesgesundheitsministerium prüft nach dem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern vom Freitag derzeit, ob es rechtlich möglich ist, Reiserückkehrer aus bestimmten Ländern zu einem Corona-Test zu verpflichten. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, eine Ausbreitung des Virus aufgrund von infizierten Rückkehrern aus Risikogebieten müsse frühzeitig eingedämmt werden und "daher ist es wichtig, zu testen".

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sah angesichts höherer Fallzahlen "Anlass zur Sorge". Wer sich auf Reisen nicht an Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln halte, gehe nicht nur ein Risiko für sich selbst ein, sonder handele auch "gegen das Gemeinwohl", sagte er in Berlin. Deshalb sei es wichtig, sich auch weiterhin an wesentliche Grundregeln zu halten wie 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen, Händewaschen und das Tragen von Schutzmasken.

Ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, das Ministerium prüfe derzeit, inwieweit die nationale Teststrategie angepasst werden könne sowie Fragen der Finanzierung. Da die Betroffenen jetzt nach Deutschland zurückkehrten, werde dies "relativ schnell" geschehen. Dazu sollte es im Laufe des Montags weitere Gespräche mit den Gesundheitsministern der Länder geben.

Freiwillige Testmöglichkeiten gibt es in Deutschland bereits an einigen Flughäfen. Rückkehrer aus Risikogebieten sind verpflichtet, sich in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben, sofern sie sich nicht freiwillig testen lassen und das Ergebnis dabei negativ ist. Auch an Bahnhöfen und Grenzübergängen sollen Test-Möglichkeiten verstärkt geschaffen werden.

Braun rief derweil zur Nutzung der Corona-Warn-App auf. Die technischen Probleme seien behoben worden, betonte er. Jüngst war bekanntgeworden, dass der Austausch der Schlüssel von positiv getesteten Nutzern in einigen Fällen nicht immer automatisch im Hintergrund funktionierte. Braun hatte dazu bereits am Sonntagabend mitgeteilt, das Entwicklerteam habe einen Weg gefunden, "die Einschränkungen auf denjenigen Mobiltelefonen zu umgehen, die den automatischen Datenabgleich im Hintergrund blockiert hatten".

Nach Angaben von Vize-Regierungssprecherin Demmer ist das Interesse an der App nach wie vor stark. So habe es allein am Wochenende 173.000 Downloads gegeben. Insgesamt haben mehr als 16 Millionen Bürgerinnen und Bürger die App nach Regierungsangaben heruntergeladen.

174 Erntehelfer mit Coronavirus infiziert - Steigende Zahl der Neuinfektionen

Sonntag, 26. Juli, 21.50 Uhr. Die kurzfristig gestiegene Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland alarmiert die Politik. Aus Sicht des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) hat eine zweite Infektionswelle in Deutschland begonnen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) führt die Entwicklung vor allem auf mehr Reisen und die Rückkehr von Menschen aus Risikogebieten zurück. Er kündigte an, nach dem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern zum flächendeckenden Angebot kostenloser Corona-Tests für Reiserückkehrer eine entsprechende Testpflicht zu prüfen.

Am Wochenende wurde bekannt, dass sich im niederbayerischen Manning mindestens 174 Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert haben. Der betroffene Betrieb wurde vom Landkreis Dingolfing-Landau unter Quarantäne gestellt, keiner der 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darf das Gelände verlassen.

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Kommentare

Von Gunther Leupold am Sonntag, März 15, 2020 - 08:41

Ich bin geradezu entsetzt, dass die ELKB nicht die gebotenen Konsequenzen aus der Corona-Gefährdungslage zieht und alle Gottesdienste für diesen Sonntag (15.03.2020) bis auf weiteres sofort absagt.
Die Verantwortlichen für die katholischen Glaubensgeschwister im Erzbistum München geben ein überzeugendes Beispiel ab, wie man adäquat und konsequent auf eine derartige Bedrohungslage reagiert.
Gunther Leupold
Prädikant

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