9.12.2020
Glosse

Bayerische Corona-Weihnachtsgeschichte 2020: Maxi und die Heiligen Zwei Könige

Die bayerische Corona-Weihnachtsgeschichte - eine Glosse von Timo Lechner.
Weihnachten Anhänger

Es begab sich aber im Winter 2020, dass ein Gebot von Kaiserin Angela ausging, dass ganz Deutschland getestet werde. Und das geschah, als Maria in Kurzarbeit und auch noch schwanger war. Im Traum hatte ihr ein Engel Bayern für die Geburt ihres kleinen Heilands empfohlen und drei Könige mit Gaben angekündigt.

In München suchen Maria und ihr Mann Josef verzweifelt nach einer Unterkunft. Doch sie finden keine Herberge. Es herrscht nämlich im ganzen Lande wegen Corona Beherbergungsverbot.

Da klopfen sie an die Tür des Maximilianeums. Markus Söder öffnet und reicht ihnen eine Maske mit den Worten:

"Nehmet sie hin, und freuet euch. Sie ist ein Instrument der Freiheit."

So ziehen sie weiter, auf der Suche nach einem kleinen Stall. Doch sie finden nur Riesenbetriebe mit industrieller Tierhaltung.

Vor den Toren der Stadt treffen sie einen Hirten, der sie in eine aufgelassene Scheune bringt und sogar eine Krippe aus dem abgesagten Weihnachtsspiel auftreibt.

Maria gebar dort ihr Kind. Und weil sie in Bayern waren und einen geschlechtsneutralen Namen wollten, nannten sie es Maxi. "Ist es ein Junge?", fragt der Hirte.

"Ist das wichtig?", antwortet Maria. Ihr Kind dürfe schließlich einmal selbst entscheiden, welches Geschlecht es haben mag.

Da geht plötzlich die Türe auf und sie erblicken die Heiligen Zwei Könige. "Wo ist der dritte?", fragt Maria. "Der musste zu Hause bleiben", antworten sie. "Hat er Corona?", fragt Josef. "Nein, weil er schwarz ist", meint Caspar. Einen schwarzen König gebe es nur in Nürnberg, fügt er augenzwinkernd hinzu.

"Aber unser Kind soll doch für alle Menschen auf die Welt kommen", beschweren sich die Eltern. Die Könige jedoch winken ab. Mittlerweile seien dunkelhäutige Könige zu Weihnachten in Deutschland nicht mehr politisch vertretbar.

Aber die beiden Weisen haben Geschenke dabei: CO2-Zertifikate und Kobalt.

"Das sind die Ablässe und das Gold der Gegenwart", sagen sie, bevor sie mit dem Hirten in ihren Tesla steigen. "Können wir mitfahren?", fragen Maria und Josef. Doch die Könige mahnen: "Leider können wir im Auto keine Abstände einhalten. Und wir wären dann zu viele Menschen aus mehreren Haushalten. Die Polizei kontrolliert das."

Maria und Josef bleiben etwas enttäuscht zurück. "Da! Sieh! Ein Stern leuchtet am Himmel", ruft Josef. "Stimmt. Ohne den Lockdown hätten wir den Stern nie gesehen, wegen Smog und Flugzeugen am Himmel", meint Maria.

Und so wurde es auch über Bayern 2020 wenigstens ein bisschen Weihnachten.

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Kommentare

Von Matthias Mutz am Mittwoch, Dezember 23, 2020 - 11:20

Hallo Sonntagsblatt, Ich bin sehr positiv Überrascht, dass mit einem Augenzwinkern die Wirrten dieser Zeit so zusammengefasst und veröffentlicht werden. Liebe Grüsse und eine friedvolles Fest der Feste, Matthias Mutz

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