Segensrituale sind in vielen Gemeinden und kirchlichen Projekten zunehmend Teil der alltäglichen Praxis. Das neue Praxisbuch "Und mittendrin: Segen" für Gemeinden stellt 28 dieser vielfältigen Formate vor.
Jedes Ritual wird praxisnah erläutert, mit Hinweisen zu Durchführung, Auswertung und Anregungen für eigene Ideen. Ziel ist es, Anleitungen zu geben, wie Segenshandlungen in unterschiedlichen Kontexten umgesetzt werden können – von Gemeinde und Schule über Pop-up-Formate bis zu Gottesdiensten oder Seelsorge.
Die Mitherausgeberin Clara Jantos von der Wirkstatt evangelisch spricht im Interview mit Sonntagsblatt darüber, wie aus der Zukunftswerkstatt "You never walk alone: (Neue) Segensrituale" im Dezember 2024 in Tutzing ein praxisorientiertes Buch mit 28 ausgewählten Ritualen entstanden ist.
"Bei der Auswahl der 28 Rituale war uns vor allem die Vielfalt ein zentrales Anliegen"
Nach welchen Kriterien haben Sie die 28 Segensrituale ausgewählt, und welche unterschiedlichen Zielgruppen oder Anlässe standen dabei im Vordergrund?
Clara Jantos: Das Buch ist im Anschluss an die Zukunftswerkstatt "You never walk alone: (Neue) Segensrituale" im Dezember 2024 in Tutzing entstanden. Im Rahmen dieser Veranstaltung haben wir einen abendlichen Gallery Walk gestaltet, bei dem eine große Bandbreite an Segensritualen präsentiert wurde. Bei der Auswahl der 28 Rituale war uns vor allem die Vielfalt ein zentrales Anliegen. Berücksichtigt werden sollten sowohl klassische biographische Übergänge im Lebenslauf als auch eher situative uns innovative Pop-Up-Formate.
Im Buch gibt es demnach Segensrituale für einschneidende Lebensereignisse – wie der Segen zum Schuleintritt oder der Segen zum Einzug ins Altenheim – für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen. Darüber hinaus gibt es auch Pop-Up-Formate wie der Segen auf einem Musikfestival. Es ist ein Praxisbuch. Jedes Ritual wurde so ausgewählt, dass es sich praktisch umsetzen lässt und mit klaren Hinweisen zu Idee, Durchführung und Reflexion versehen ist. Damit kann es direkt von Haupt- und Ehrenamtlichen in Gemeindearbeit, Seelsorge, Gottesdienstgestaltung oder auch bei Aktionen genutzt werden.
Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umsetzung der vorgestellten Segensrituale in unterschiedlichen Kontexten, etwa in Gemeinden, Schulen oder öffentlichen Aktionen, und wie lassen sich diese überwinden?
Da die Segensrituale sehr unterschiedlich sind, sind natürlich auch die Herausforderungen sehr unterschiedlich. Bei Pop-Up Segensformaten wie der Schools-Out-Segen oder auch der Segen auf Musikfestivals braucht es für die Segnenden ein wenig Mut. In der Öffentlichkeit, ohne den sicheren Schutz eines Kirchenraums, Menschen anzusprechen, kostet Überwindung und Anstrengung. Hier ist eine klare zeitliche Begrenzung sinnvoll, um nicht zu überfordern. Auch hilft es, Segenssprüche parat zu haben, falls Worte fehlen.
Außerdem ist in Gemeinden der religiöse Rahmen meist klarer. In Schulen oder bei öffentlichen Aktionen treffen jedoch Menschen mit sehr unterschiedlichen weltanschaulichen Prägungen aufeinander. Manche stehen kirchlichen Formen distanziert gegenüber. Hier hilft eine niederschwellige, inklusive Sprache und eine "Übersetzung" für die Segenshandlung, etwa Zuspruch oder Ermutigung. Und natürlich sollte es immer ein freiwilliges Angebot sein.
"Eine Segenshandlung ist immer eine sehr persönliche Zuwendung des Segnenden"
Wie lässt sich der Erfolg oder die Wirkung eines Segensrituals messen oder einschätzen, und welche Rückmeldungen von Teilnehmenden haben Sie bisher erhalten?
Der wichtigste Indikator ist die direkte Rückmeldung oder auch eine nonverbale Reaktion: Dankbarkeit oder Tränen, die fließen dürfen. Der Erfolg eines Segensprojektes misst sich weniger an statistischen Kennzahlen oder Teilnehmendenzahlen als an der unmittelbaren Resonanz, die es bei den Menschen auslöst. Entscheidend ist, ob sich Menschen persönlich angesprochen, gestärkt und wahrgenommen fühlen – ob ein Moment der Ermutigung, des Innehaltens oder der Verbundenheit entsteht.
Eine Segenshandlung ist immer eine sehr persönliche Zuwendung des Segnenden. Für viele Menschen ist es wohltuend zu spüren: Gottes Segen gilt auch mir - unabhängig von meiner Lebenssituation oder gesellschaftlichen Stellung oder Kirchenzugehörigkeit.
Segen.Servicestelle
Die Segen.Servicestelle der Evang.-Luth. Kirche in Bayern ist Dienstleister für kirchliche Segensrituale in besonderen Lebensmomenten. Auf segen.bayern-evangelisch.de werden Fragen rund um Taufe, Trauung, Bestattung & mehr beantwortet. Ihr findet dort auch Ansprechpartner:innen vor Ort.