5.11.2019
"Eine Integrationsfigur ist wichtig"

Regensburgs Dekan Eckhard Herrmann geht in den Ruhestand

Fast 14 Jahre lang war er das Gesicht des evangelischen Dekanats Regensburg. Am 10. November wird Dekan Eckhard Herrmann in den Ruhestand verabschiedet. So ruhig wird es nicht werden, Herrmann ist einer, der Veränderungen mag.
Dekan Eckhard Herrmann

Wie viele Kilometer er in seiner Amtszeit hinter sich gebracht hat, kann Eckhard Herrmann nicht sagen. Aber es müssen einige gewesen sein, um zwischen Neustadt an der Donau und Osterhofen präsent zu sein. Regensburg ist mit seinen über 4.200 Quadratkilometern das flächenmäßig größte Dekanat in Bayern. Fast 14 Jahre lang stand Herrmann ihm als Dekan vor und gab ihm sein Gesicht. Am 10. November wird der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler ihn beim Festgottesdienst in der Neupfarrkirche entpflichten und ihm das Amtskreuz als Dekan abnehmen.

Ob es gelungen sei, trotz Unterschiedlichkeit der Regionen ein "Dekanatsgefühl zu wecken", da ist sich Herrmann bis heute nicht sicher. "Das kann man bei diesen Entfernungen kaum schaffen", sagt er. Trotzdem sei es wichtig, "als Integrationsfigur für dieses Dekanat zu stehen" und in die Region zu gehen.

Herrmann wird ein besonderes Händchen in Personalangelegenheiten nachgesagt. Er ist für etwa 60 Pfarrerinnen und Pfarrer und mehrere Hundert Mitarbeiter in sozialen Werken und Diensten zuständig. In seiner Amtszeit wollte er "etwas bewegen", und so ist die Zahl der Mitarbeitenden stark angewachsen. Die Nachmittagsbetreuung in den Schulen habe es vorher nicht gegeben, sie sei mit Hilfe von Evangelischer Jugendsozialarbeit und Jugend gestemmt worden. "Dass die Resonanz so groß war, hat mich gefreut."

Auch die Zahl der Kirchenmitglieder sei im Donaudekanat mit etwa 70.000 Evangelischen fast konstant geblieben, während es woanders Einbußen von bis zu zehn Prozent gegeben habe. "Mit einer gewissen Entspanntheit" könne deshalb der nächsten Landesstellenplanung entgegengesehen werden, bei der Fläche und auch Gemeindegliederzahl eine wichtige Rolle spielten. "Insofern habe ich die große Hoffnung, dass wir nicht allzu viele Pfarrstellen verlieren und den Status quo halten können", sagt Herrmann.

Während seiner Amtszeit mussten die kirchlichen Mitarbeiter schnell und reibungslos auf die Ankunft der Flüchtlinge in den Aufnahmelagern in Regensburg und Deggendorf reagieren. Erneut unter Beweis gestellt worden sei das Engagement auch beim Hochwasser im Jahr 2013 in Deggendorf.

Wenn er an sein berührendstes Erlebnis denkt, so war dies der Tod eines Pfarrers aus dem Dekanat, mit dem er seit 1981 gut befreundet war. Dieser war schwer krank, aber wohl wieder auf dem Weg der Besserung. Eines Tages sei er nach Regensburg gekommen und wollte mit ihm auf einen Kaffee gehen. Herrmann sagte ab, weil er eine Besprechung hatte. 14 Tage später war der Kollege tot. "Das sind Dinge, die mich bis heute nicht loslassen."

Herrmann geht ein halbes Jahr früher in den Ruhestand. Aus seiner Sicht ein günstiger Zeitpunkt: Das Dekanatsbüro zieht ins Alumneum um, das zentrale Anlaufstelle für die Anliegen der Evangelischen ist. Diesen Umzug werde er nicht mehr mitmachen. Die Räume einweihen wird sein Nachfolger. Er wird in den ersten Monaten des neuen Jahres erwartet, Zeit genug, die Pfarrer im Donaudekanat kennenzulernen und die neue Landesstellenplanung umzusetzen, meint Herrmann. Am 3. April 2006 begann er seinen Dienst als Dekan in Regensburg. An keinem Einsatzort war er so lange wie dort.

In Bewegung zu sein und zu bleiben, ist Herrmann in die Wiege gelegt. 1954 in Hannover geboren, verbrachte er seine Jugend in Oberschwaben, in der Nähe des Bodensees. Sein Studium absolvierte er in München und Wien.

Er war in Höhenkirchen bei München und Gemeindepfarrer in Burghausen, Burgkirchen, Würzburg und Baldham bei München.

Seinen Ruhestand will Herrmann mit seiner Frau, mit der er seit 1980 verheiratet ist, in Kaufbeuren verbringen. Von dort soll es einmal pro Woche nach München gehen, wo zwei der drei erwachsenen Söhne mit den Enkelkindern leben. Außerdem locke am neuen Wohnort auch der Bodensee, den er noch aus seiner Jugendzeit kennt. Bis heute kann Herrmann problemlos vom astreinen Hochdeutsch ins Schwäbische wechseln.

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