Bis 2030 muss die Landeskirche 189 Millionen Euro einsparen, weil die Kirchenmitglieder schwinden. Und bis 2035 muss die Landeskirche 800 Millionen Euro investieren, wenn sie klimaneutral werden will. Minus 189 Millionen, plus 800 Millionen: In diesem Spannungsfeld bewegen sich die bayerischen Protestanten in den nächsten zehn Jahren.

Ohne Grummeln wird dieser Kurs kaum zu steuern sein. Ab Februar, das sagte Landesbischof Bedford-Strohm bei der eben beendeten Synodentagung in Amberg, soll "eine sehr konkrete Roadmap" erklären, in welchen Bereichen die jährlich nötigen Millionen gespart werden. Auch Finanzchef Patrick de La Lanne fordert Entscheidungen statt noch längerer Debatten. Und Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel mahnt mehr Mut zum "radikalen Weglassen" an.

Woher sollen die 800 Millionen fürs Klima kommen?

Woher also sollen bei diesem Spardruck 800 Millionen Euro fürs Klima kommen? Ein Perspektivwechsel könnte dabei helfen: Rein rechtlich betrachtet, sind Gemeinden und Landeskirche jeweils selbstständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Deshalb kommt ein Großteil der evangelischen Kirchen, Gemeindezentren und Pfarrhäuser – die den Gemeinden selbst gehören – nicht als Vermögenswert in der landeskirchlichen Bilanz vor. In der Folge ist jeder Zuschuss, den die Landeskirche für eine energetische Sanierung gewährt, eine Ausgabe.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Joachim Pietzcker, hat nun vorgeschlagen, sämtliche kirchliche Immobilien in einer gemeinsamen Bilanz der "Gruppe Kirche", also Landeskirche plus Gemeinden, als Vermögenswert auszuweisen. Plötzlich wären Zuschüsse für neue Heizungen, Fotovol­taikanlagen oder gedämmte Dächer keine Ausgaben mehr, sondern Investitionen zur Wertsteigerung der eigenen Vermögensanlagen – und somit leichter zu erteilen.

Für den Umweltbeauftragten Wolfgang Schürger ist das kein Bilanztrick, sondern ein überfälliger Perspektivwechsel:

"Ausgaben für Klimaschutz sind keine Kosten, sondern Investitionen in die Zukunft."

Die EKD hat sich verpflichtet bis 2035 klimaneutral zu werden

Ob Kosten oder Investitionen: Nötig sind die Mittel für den Klimaschutz trotz Sparkurs in jedem Fall. Die EKD und ihre Gliedkirchen haben sich verpflichtet, bis 2035 klimaneutral zu sein. Wenn sie – im Gegensatz zur Staatengemeinschaft – es schaffen, ihr Versprechen einzuhalten, wäre das ein ermutigendes Signal an die Gesellschaft.

Dazu müssen noch mehr Gemeinden aufspringen: Bislang pflegen nur ein Drittel das "Grüne Datenkonto", nur 20 Prozent tragen das Umweltsiegel des Grünen Gockels. An diesem sollte sich kein Streit entzünden: Wer seine ineffiziente Ölheizung durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt, macht einen Riesenschritt auch ohne Gockel – immerhin ist der Gebäudebereich für 89 Prozent der kirchlichen Emissionen verantwortlich.

Bis 2035 sind es noch zwölf Jahre: Es muss schnell gehen. Wenn eine andere Bilanzgestaltung Gemeinden mehr Spielräume beim Klima verschafft: umso besser.