19.07.2019
Christen in Deutschland

Statistik: So viele Mitglieder zählten die Kirchen 2018

Bundesweit ging die Zahl der Protestanten im Jahr 2018 um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken um knapp 309.000. In der bayerischen evangelischen Landeskirche ist sowohl die Zahl der Kirchenaustritte als auch die der Kircheneintritte gestiegen. Die Evangelisch-reformierte Kirche schrumpft weiter.
Kirchenaustritte, Mann in leerer Kirche

27.673 Menschen traten 2018 aus der bayerischen evangelischen Landeskirche aus, wie diese in München am Freitag mitteilte. Zum Vergleich: 2017 waren 23.647 Menschen ausgetreten. Dafür traten 2.956 Menschen ein, während es 2017 insgesamt 2.734 Eintritte gegeben hatte. Damit hatte die Landeskirche zum Jahresende rund 2,326 Millionen Kirchenmitglieder (2017: 2,370 Millionen). Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm äußerte gemischte Gefühle zu diesen unterschiedlichen Entwicklungen.

Auch in der katholischen Kirche in Bayern, in allen sieben Erzbistümern, nahm die Zahl der Austritte zu. Im Erzbistum München und Freising beispielsweise kehrten 22.580 Menschen der katholischen Kirche den Rücken, 2017 waren es erst 17.998 gewesen. 203 Menschen traten ein und 704 wurden wiederaufgenommen, wie das Erzbistum mitteilte. Damit hatte das Erzbistum München und Freising zum Jahresende rund 1,674 Millionen Mitglieder (2017: 1,695 Millionen).

Mehr Beerdigungen als Taufen

Die schrumpfenden Mitgliederzahlen sind nicht nur auf die Austritte zurückzuführen, sondern auch darauf, dass mehr Kirchenmitglieder sterben, als neue durch Taufe hinzukommen. In der evangelischen Landeskirche ging die Zahl der Taufen im vergangenen Jahr leicht zurück: 2018 wurden 21.136 Menschen getauft, die allermeisten davon Kinder (2017: 22.273). Auch die Bestattungen waren mit 27.204 Menschen etwas rückläufig (2017: 27.993).

Angestiegen ist im Jahr 2018 hingegen die Zahl der ehrenamtlich Tätigen in der Landeskirche: auf 156.208 Menschen von 155.889 im Jahr 2017, wie es in der Mitteilung hieß. Bereits im Vorjahr war ihre Zahl gewachsen. Seit drei Jahren steige auch die Anzahl der kirchlichen Seminare und Veranstaltungen: 2018 waren es 22.523 Einzelveranstaltungen (2017: 21.223).

Vergangenes Jahr wurden in der Landeskirche 148.932 Gottesdienste gefeiert, was mehr war als 2017 mit 147.535 Gottesdiensten. Von diesen fanden 107.916 Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen statt (2017: 107.765). Leicht gesunken sind die Zahlen der Heiligabend-, der Silvester- und der Passionsgottesdienste, während die Jugend- und andere Gottesdienste leicht zulegten.

Die hohe Zahl der Kirchenaustritte "schmerzt mich", sagte Bedford-Strohm:

Sie zeige, dass die lebenslange Kirchenmitgliedschaft kein Automatismus nach der Taufe im Kindesalter sei, sondern für immer mehr Menschen zu einer persönlichen Entscheidung werde. Andererseits mache ihm Mut, dass sich 2018 erneut mehr Menschen ehrenamtlich in der Kirche engagierten, dass 1.400 Gottesdienste mehr gefeiert wurden und dass zu mehr Veranstaltungen eingeladen wurde. Diese Zahlen zeigten, "dass die Kirchenaustritte das Engagement für den Glauben und das Leben der Kirche keineswegs bremsen", so der Landesbischof.

Es gelte, die aktuellen Bedürfnisse der Menschen wahrzunehmen, sagte der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer. "Wir müssen spürbar machen, dass der christliche Glaube wirklich Sinn stiftet und dem Leben eine gute Richtung gibt", sagte er laut Mitteilung.

Bundesweite Mitgliederzahlen

Bundesweit ging die Zahl der Protestanten um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken um knapp 309.000. Trotz des zunehmenden Mitgliederschwunds sind mehr als die Hälfte aller Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Das geht aus Statistiken hervor, die die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag veröffentlichten.

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Vergleich zu 2017 bundesweit gestiegen. So traten 2018 rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche aus (2017: rund 200.000). Der katholischen Kirche kehrten knapp 216.000 Menschen den Rücken (2017: rund 168.000). In der evangelischen Kirche verstarben laut Statistik 340.000 Mitglieder, während 195.000 Menschen durch Aufnahmen und Taufen neu hinzukamen.

Reformierte Kirche schrumpft weiter

Der Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen setzt sich auch in der Evangelisch-reformierten Kirche fort. Sie habe im vergangenen Jahr rund 2.300 Mitglieder verloren, teilte Kirchensprecher Ulf Preuß am Freitag in Leer mit. Zum Ende des Jahres 2018 hätten ihr noch 170.987 Mitglieder in 145 Kirchengemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu angehört. Damit habe die Kirche vergangenes Jahr rund 600 Mitglieder mehr verloren als 2017. Vor fünf Jahren hatte die Kirche noch knapp 179.000 Mitglieder. In Bayern und in Niedersachsen gibt es besonders viele Gemeinden der Reformierten.

Schon im Mai hatte Vizepräsident Helge Johr seine Kirche auf weiterhin sinkende Mitgliederzahlen eingestellt. So habe eine wissenschaftliche Studie der Universität Freiburg bis 2060 einen Mitgliederrückgang um 42 Prozent prognostiziert, sollte sich die Entwicklung der letzten Jahre fortsetzen. Johr hatte aber auch deutlich gemacht, dass die Kirche bei den Kirchenaustritten und Taufen Handlungsspielräume habe. Gebe es im Durchschnitt der Gemeinden jährlich nur eine einzige Taufe mehr und einen einzigen Austritt weniger, bedeute das bis 2060 circa 10.000 Mitglieder mehr.

Wesentlich für den aktuellen Mitgliederrückgang sei nach wie vor der demografische Wandel, der sich 2018 verstärkt habe, erläuterte Preuß. So seien knapp 2.600 Menschen gestorben, knapp 400 mehr als im Vorjahr. Dem stünden nur 1.120 Taufen gegenüber.

Auch aufgrund künftig knapper werdender finanzieller Mittel setze die Kirche auf eine stärkere Zusammenarbeit der Gemeinden, sagte Preuß dem Evangelischen Presseverband epd. Außerdem wolle die Kirche stärker auf Eltern zugehen und sie motivieren, ihre Kinder taufen zu lassen. Durch die positive Kirchensteuerentwicklung vergangener Jahre seien Rücklagen gebildet worden, die Aufgaben wie Kita- und Jugendarbeit sowie Kirchenmusik mittelfristig weitestgehend sicherten, hieß es.

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