Synodale
Beate Schabert-Zeidler, frühere Vorsitzende Richterin und seit Jahrzehnten in der evangelischen Kirche engagiert, hat die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber erhalten. Die Bayerische Verfassungsmedaille wird an Vorbilder verliehen, die sich um die Verfassung des Freistaats verdient machen.
Beate Schabert-Zeidler
Beate Schabert-Zeidler

Die frühere Vorsitzende Richterin Beate Schabert-Zeidler ist Stadträtin in Augsburg - und seit vielen Jahren in der bayerischen Landessynode aktiv. Im Interview mit dem Sonntagsblatt erzählt sie, wann sie die Bayerischen Verfassungsmedaille tragen will - und warum sich Kirche durchaus in die Politik einmischen sollte. Schabert-Zeidler ist mit dem früheren Bundesliga-Tennisspieler Karl-Heinz Zeidler verheiratet, hat vier Kinder und sechs Enkelkinder.

 

Sie haben die Bayerische Verfassungsmedaille erhalten - wie fühlt sich das an?

Ich habe mich über diese Auszeichnung, die eigentlich schon am 1. Dezember 2020 hätte erfolgen sollen, sehr gefreut. Auch mein Mann und unsere vier erwachsenen Kinder mit ihren Familien haben meine Freude geteilt. Coronabedingt durfte mich niemand – auch nicht mein zweifach geimpfter Mann – zur Verleihung ins Maximilianeum begleiten. Die Veranstaltung wurde aber gestreamt, sodass unsere im ganzen Bundesgebiet verstreuten Kinder die Veranstaltung verfolgen konnten; unter "normalen" Bedingungen wäre das nicht möglich gewesen. Bei besonderen Anlässen - und wenn ich es nicht vergesse - werde ich die Nadel tragen.

Sie waren viele Jahre Richterin, engagieren sich in der Kirche und im Stadtrat - wie sehen Sie das Verhältnis von Kirche und Politik? Wo kann, wo muss sich Kirche politisch engagieren?

Für mich steht außer Frage, dass der gelebte Glaube in der Nachfolge Jesu auch Folgen für das politische Handeln hat. Kirche muss und soll sich äußern. Dennoch wünsche ich mir manchmal, dass nicht einseitig Stellung bezogen wird, sondern beide Seiten beleuchtet werden. So sollte etwa bei der Seenotrettung in Stellungnahmen auch mal an die Menschen in den Hafenstädten gedacht werden.

Während meiner Zeit als Richterin auch für Asylrecht habe ich oft mit der Praxis der Kirchenasyle in "meiner" Kirche gehadert. Ich denke an einen Fall von mir, bei dem ich seitenweise begründet habe, warum hier eine ganz besondere Ausnahme für eine Abschiebung einer syrischen Familie mit kleinen Kindern nach Griechenland vorliegt (der Mann hat vorher 10 Jahre in Griechenland gearbeitet und auch griechisch gesprochen). Erst als das Bundesverfassungsgericht meine Entscheidung bestätigt hat, wurde das Kirchenasyl beendet.

Sie sind seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig. Ihr Tipp für junge Ehrenamtliche?

Ich bin immer sehr vorsichtig mit Tipps für andere, da Situationen selten vergleichbar sind. Ich wollte meine Fähigkeiten für das Gemeinwohl einbringen.

Ich will gerne Dinge vorwärtsbringen, gemeinsam mit anderen. Manchmal braucht es dafür Geduld und einen langen Atem, aber vor dem Ziel aufgeben, ist nicht meins.

Sie engagieren sich im Augsburger Stadtrat für gute Radwege - warum?

Ich bin vor allem in meiner Freizeit und im Urlaub begeisterte Radlerin und schaue dabei auch darauf, was ich an neuen Ideen mit nach Augsburg nehmen kann. In die Innenstadt von Augsburg fahre ich dann aber doch lieber mit der Straßenbahn! Ich setze mich im Augsburger Stadtrat aber nicht nur für gute Fahrradwege ein, sondern für alle VerkehrsteilnehmerInnen. Schlechte Straßen haben eine erhöhte Lärmbelastung für die an der Straße Wohnenden zur Folge und was nützen tolle Radwege, wenn die Fußwege ein Flickerlteppich sind, der nur mit Mühe von Menschen mit Rollator benutzt werden kann.

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