23. Januar 2021
Digitale Kirche

Interessante Profile: Evangelische Theolog*innen auf Instagram

Die Vielfalt christlichen Glaubens verbindet sich digital und analog. Zehn evangelische christliche Influencer und Influencerinnen vernetzen sich mit ihrer "digitalen Gemeinde" auf Instagram und bieten Einblicke in das Leben.
Theologinnen und Theologen Instagram Medientipp

InfluencerIn Marketing 

Vor zehn Jahren wurde die Social Media Plattform "Instagram" gegründet. Heute bestimmt Instagram wie kein anderes Medium die Kommunikationsform und legt Bedingungen instagramabler Lebensinhalte nach ästhetischen Standards fest. 

Kommt, sagt es allen weiter - Theologinnen und Theologen auf Instagram

Spätestens in diesem Jahr (2020) wird deutlich, die Digitalisierung ist das neue "Plain Vanilla". Was zunächst als wichtiger Lösungsansatz in der Corona Pandemie galt, ist auf langer Sicht ein vorhersehbarer Schritt gewesen. Betroffen sind auch die Kirchen: Marktplatz, Parkanlagen oder Wirtshäuser sind schon lange nicht mehr die kommunikativen Anlaufstellen, um sich über Neuigkeiten auszutauschen – nach den diesjährigen Pandemie-Erfahrungen noch viel weniger. 

Die Kommunikation findet stattdessen größtenteils in den sozialen Medien statt. Viele PfarrerInnen sind dem digitalen Auftreten ihrer Kirche voraus und kommunizieren zum Teil seit acht Jahren über die Plattform Instagram.

"Seligkeitsdinge_"

Josephine Teske

23.516 AbonnentInnen, 250 Beiträge, 2-3 monatliche Posts (Erster 29.12.2017)

Statement

  • Pastorin in der Nordkirche (Schleswig-Holstein)
  • Lebensliebhaberin, Selbstbezeichnung: Feministin und Singlemom
  • Teil von herz.netz.werk, Podcast für Predigten

Gesamteindruck

Der Account ist sehr kommunikativ gestaltet durch die vielen, sehr persönlichen Stories. Josephine gibt ermunternde Einblicke in das Leben als alleinerziehende Mutter und Pastorin. Der Feed ist bunt gemischt. Neben Selfies tauchen (unkenntlich gemachte) Fotos von ihren Kindern und der Arbeit als Pastorin in der Gemeinde auf. Darüber hinaus prägen die Beiträge eine beeindruckende Intimität und Authentizität.

In summa: Der Account wirkt sehr nahbar, er ist nicht besonders "professionell" – doch scheint dieser Eindruck auch der Anspruch von Josephine zu sein: authentisch und nahbar eben.

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"theresaliebt"

Theresa Brückner

17.939 AbonnentInnen, 1.910 Beiträge, 4-5 monatliche Beiträge (Erster: 27.03.2013)

Statement

  • Inhalte sind Leben und Lieben
  • wohnhaft in Berlin (Tempelhof-Schöneberg)
  • Selbstbezeichnung: zwischen Alltagsmama und Pfarrerin
  • Teil des yeet-netzwerks und "Brot & Liebe" (digitale Ökumene, zwei Länder und Kirchen, ein Projekt)

Gesamteindruck

Der Account gibt tiefgründige Impulse zu theologischen und politischen Themen (z.B. Sünde und Schuld, Corona). Der rosa-pastellfarbige Feedverlauf hat einen eindeutigen Wiedererkennungswert. Theresa kommuniziert regelmäßig über private Stories mit ihrer Community und berichtet über ihren Alltag als Frau, Mutter und Pfarrerin. Der Account stellt eine interessante Mischung aus gleichmäßigem Stil (Farbe und Schriftzug), privaten Bildern und professionellen  Bildern in Talar oder Kolarhemd  dar.

In summa: Der Account reflektiert tiefgreifende Glaubensfragen und bindet diese in das Alltagsleben und politisch-gesellschaftliche Leben ein. Insgesamt wirkt der Account fröhlich, aufgeschlossen und tiefgründig.

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"andersamen"

Ellen und Steffi Radke

11.776 AbonnentInnen,  58 Beiträge, 2-3 mtl. mit Pausen (Erster: 01.12.2016)

Statement

  • Pastorinnen mit Kind, "also so Sache mit Kirche"
  • Leben als Regenbogenfamilie
  • Leben auf dem Dorf
  • Youtube

Gesamteindruck

Der Account wirkt auf den ersten Blick verspielt und "unaufgeräumt". Eine erkennbare Linie sucht man zunächst vergeblich im Feed. Zu sehen ist eine bunte Mischung aus "Selfies", die das Leben als lesbisches Paar porträtieren, Fotos mit Babybauch und Fotos aus einem humorig wirkenden Gemeindeleben. Der YouTube-Channel erklärt die Breitenwirkung des Accounts. Christliche Beiträge findet man nur wenige.

In summa: Das Paar wirkt aufgeschlossen und fröhlich. Für mich unverständlich bleibt, warum das Leben als lesbisches Paar über den beruflichen Status als "Pfarrerin" geimaged wird. Sollte es wirklich als etwas Besonderes gelten, lesbisch zu leben und Pfarrerin zu sein?

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"Pastor.engel"

Gunnar Engel

9.0251 AbonnentInnen, 212 Beiträge, 2-3 monatliche Beiträge (Erster: 14.02.2017)

Statement

  • Christ, Ehemann, Pastor und verheiratet mit anniangelista 
  • #hopesquad, #1517straßenbande
  • Linktree (Bible study, Verweis auf eigenes Buch "Follower", Predigten)

Gesamteindruck

Hier stößt man auf einen äußerst ästhetisch gestalteten Feed, der eine ausgewogene Mischung aus privaten und geistigen Inhalten präsentiert. Der Schwerpunkt liegt auf theologischen Impulsen (IGTV) mit evangelikaler Stoßkraft.

In summa: Der Account wirkt stilvoll und professionell gestaltet. Der Fokus liegt eindeutlich auf der Verkündigung und Kommunikation geistiger Inhalte. 

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"Was ist der Mensch“

Jörg Niesner

6.809 AbonnentInnen, 399 Beiträge, 9-10 monatliche Beiträge, (Erster: 26.09.2017)

Statement

  • 36 Jahre alt und ev. Pfarrer
  • Selbstaussage: "Ich sag ja immer: Augen auf bei der Berufswahl! Ich z.B. esse beruflich Kuchen"
  • Teil des yeet-netzwerks und Tellonym

Gesamteindruck

Der Account macht einen sachlichen und unauffälligen Eindruck. Der Feed zeigt keinen erkennbaren roten Faden und mag vielleicht gerade deshalb so sympathisch rüberkommen. Der Account weist Ähnlichkeiten mit Twitter auf, d.h. es werden spontane, kurze Tweets zu Anlässen verfasst, die nur wenige höchstens seichte theologische Impulse beinhalten.

In summa: Der Account erscheint nüchtern aber munter ohne viel "Chichi".

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"pfarrerausplastik"

Nicolai Opifanti

6.012 AbonnentInnen, 334 Beiträge, 3-4 monatliche Beiträge (Erster: 10.07.2012)

Statement

  • verliebt in Kathrin
  • Pfarrer, gewöhnlicher Dude und coffeelover
  • #Kirchebewegdich
  • Teil des yeet-netzwerks

Gesamteindruck

Der Account wirkt erfrischend und sehr ästhetisch gestaltet. Die Beiträge sind meistens mit einem Selbstbild verknüpft und kommunizieren persönliche Lebenserfahrungen. Die persönlichen Gedanken werden schließlich mit einer bestärkenden Botschaft verknüpft. Man spürt, wie intensiv die digitale Community von Kirche ist.

In summa: Der Account wirkt auf den ersten Blick zwar selbstbezogen, doch liegt darin zugleich die besondere Stärke: Der Account ist persönlich. 

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"ja.und.amen"

Maike Schöfer

5.432 AbonnentInnen, 232 Beiträge, 7-8 monatliche Beiträge (Erster: 13.06.2018)

Statement

Gesamteindruck

Hierbei handelt sich um einen facettenreichen Account, der seinesgleichen sucht. Der Feed hat einen einheitlichen Stil durch die weißen Rahmensetzung der Fotos. Maike kommuniziert verlässlich über Stories. Der Fokus liegt auf feministischen und antipatriarchalischen Themen und einer christlichen Neuauslegung dieser Themen.

In summa: Der Account hat einen interessanten Look ("urban Berlin Style") und zeigt ein klares Profil mit Fokus auf gesellschaftspolitische Fragen der Gegenwart.

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"einschpunk"

Nico Ballmann

5.348 AbonnentInnen, 104 Beiträge, 1-2 monatliche Beiträge (Erster: 27.03.2013)

Statement

  • Ref. Pfarrer in Köln, Einsatz für digitale Kirche
  • Liebe für Käsekuchen und guten Whiskey
  • #ansprechbar
  • Teil des yeet-netzwerks und netzwerk.ruach.jetzt  
  • Linktree (online Gottesdienste, Artikel Kölnische Rundschau, Tellonym u.a.)

Gesamteindruck

Der Fokus dieses Accounts liegt auf dem Alltagsleben als Pfarrer: Es werden viele theologische Impulse gegeben und das kirchliche Leben nähergebracht und erklärt (z.B. Kirchenjahr).

In summa: Der Account wirkt etwas unscheinbar. Doch im nächsten Moment wird deutlich, dass der besondere Wert nicht auf der äußeren Gestaltung (Feed, Ästhetik) liegt, sondern auf dem Inhalt.

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"juliandthechurch"

Julia Schnizlein

4.037 AbonnentInnen, 109 Beiträge, 2 monatliche Beiträge (Erster: 24.04.2018)

Statement

Gesamteindruck

Der Fokus des Accounts liegt auf dem Pfarrleben:  Fotos von Julia im Talar ranken sich neben Beiträgen über den Glauben. Daneben gewährt Julia Einblicke in ihr Familienleben. Der Feed vermittelt den Erfahrungsaustausch einer jungen Pfarrerin, die zudem leidenschaftliche Mutter und ein fröhlicher "Mensch" ist.

In summa: Der Account stellt den Pfarrberuf in den Mittelpunkt und führt hinter die Kulissen des Berufs und die Rolle als Pfarrerin.

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„hiighholder“

Jana Highholder

29.391 AbonnentInnen, 251 Beiträge, 4-5 monatliche Posts (Erster: 07.06.2015) 

Statement

  • Keine Theologin im klassischen Sinne, aber Girl Preacher & Game Changer
  • Website ("Ich möchte den Mainstream nutzen, um anders zu sein. Soziale Medien sind für mich ein Sprachrohr, um einer jungen Generation zuzurufen: Gott lebt! Gott liebt! Und ich tue es auch!")

Gesamteindruck

Der Account ist sehr persönlich gestaltet. Es werden regelmäßig Storys hochgeladen und damit Einblicke in den Alltag gewährt. Auf den meisten Fotos ist Jana zu sehen – eine junge, fröhlich-strahlende Frau, die Medizin studiert. Der Account wirkt modern und professionell. Die Fotos sind farblich perfekt abgestimmt und es tauchen nur vereinzelt Selbstporträts als "Selfie" auf. Der Account ist vielseitig: Jana wirbt auch für ein eigenes Modelabel und dokumentiert ihre Bühnenauftritte. Der inhaltliche Fokus liegt auf Lobpreis und dem Zuspruch: "Gott lebt".

In summa: Der Account ist erfrischend, sympathisch und inspirierend, insbesondere für jüngere Altersgruppen. Der ästhetische Wert und der spirituelle Fokus machen diesen Account besonders.

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