29.03.2019
Earth Hour

Wie sich die Kirchengemeinde St. Martin in Fürth für die Umwelt engagiert

Um 20.30 Uhr geht das Licht aus: Bei Millionen von Privatpersonen, Tausenden Stadtverwaltungen und immerhin ein paar Kirchengemeinden in Bayern. Als Zeichen für einen lebendigen Planeten und mehr Klimaschutz. Als einzige Kirchengemeinde in Mittelfranken macht St. Martin in Fürth mit. Denn ihr Pfarrer Kuno Hauck engagiert sich seit 35 Jahren für die Umwelt.
Earth Hour – wer ist dabei? Licht aus am Samstag um 20.30 Uhr für unsere Erde. Und in Fürth gibt's noch mehr gute Ideen in der Öko-Kirche St. Martin. Ein Beitrag von Christoph Lefherz.

Gottesdienst ohne Strom - wo ist das Problem? Na gut, die Glockenläutanlage. Die Sicherheit in dunklen Kirchengängen. Die Mikrofonanlage. Pfarrer Kuno Hauck lächelt entspannt:

"Alles funktioniert bis auf die Orgel, wir haben ein paar Hundert Kerzen. Vielleicht hat der Klavierspieler ein Problem mit den Noten. Die Glocken läuten mer net."

Klar, denn die bräuchten Strom - den aber schaltet Pfarrer Kuno Hauck in der Fürther Martinskirche ab für die Earth Hour. Er führt seine Gemeinde öko-vorbildlich vom nachhaltigen Büromaterial bis zur korrekten Glühbirne. Vor 35 Jahren hat Hauck als Vikar schon ein Umweltmanifest zusammengeschrieben. Das zieht er für die Earth Hour wieder aus der Schublade und merkt, die Situation hat sich seitdem eher verschlechtert:

"Zum Beispiel werden von der Bundesregierung 2,1 Milliarden Euro für den Umweltschutz eingesetzt. Knapp die Hälfte wird aber für die Atommüllentsorgung aufgewendet."

Er selbst verzichtet auf Fleisch, fährt 1.000 Kilometer im Jahr mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Da fällt ihm auf, dass bis an die Grenze der Regnitz Gülle ausgebracht wird. Pfarrer Hauck findet, wir Menschen zerstören viel und haben einiges gutzumachen. Als Mitstreiterin hat er bei der letzten Earth Hour in seiner Gemeinde Hanna Kaltenhäuser gefunden. Sie kritisiert:

"Aus Bequemlichkeit haben wir alles zubetoniert, nur um mit dem Auto überall hin zu kommen."

Das sei auch nicht gut für die Insekten, und ohne die seien wir langfristig aufgeschmissen. Die Kollekte der letzten Earth Hour verwandte sie darauf, vor St. Martin vier Insektenhotels aufzustellen. Eins davon mit der kirchlichen Kindergruppe - und ein kleines Blumenbeet wurde angelegt. Pfarrer Kuno Hauck sagt:

"Unser Auftrag ist auch Umwelterziehung."

Und heuer geht es weiter. Nach der Earth Hour ist am Palmsonntag ein Pflanz- und Buddel-Gottesdienst mit Schwebfliegen, Grashüpfern, Schmetterlingen oder Feldlerchen. Die sind wohl eher virtuell anwesend, aber die Gottesdienstbesucher sollen aktiv werden: Selber buddeln und pflanzen, möglichst offene Blüten wie Klatschmohn, Skabiose oder Katzenminze, in denen die Bienen Nektar finden, und ein Stück wilde Wiese soll stehenbleiben.

"Wir wollen den Insekten über den Sommer helfen. Man darf nicht alles durchkärchern, sauberblasen und niedertrimmen."

So bleibe für die Insekten auch was übrig. In den Insektenhotels finden Bienensorten, die übrigens auch nicht stechen, in Röhren und Fugen eine Brutmöglichkeit. Aber vier Hotels auf ganz Fürth… Kaltenhäuser kontert:

"Das hilft natürlich nichts. Aber wir wollen dass das bei der Stadt und den Mitbürgern Schule macht."

Veranstaltungstipp

Der "Earth Hour"-Gottesdienst in Fürth St. Martin findet am 30. März 2019 um 20.30 Uhr statt. Der Pflanz- und Buddel-Gottesdienst wird ebendort am 14. April um 10 Uhr gefeiert.

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