Für viele kirchliche Mitarbeitende ist es inzwischen normal, in den sozialen Medien aktiv zu sein. Hier erreichen sie Menschen, die sie sonst nicht erreichen. Hier stoßen sie aber auch auf Ablehnung, zum Teil sogar auf Hass.
Um solche Chancen und Herausforderungen von "Glaube(n) im digitalen Raum" ging es bei der 12. Zukunftswerkstatt. Dabei handelt es sich um eine etablierte Veranstaltungsreihe, die aktuelle Themen der Kirchenentwicklung aufgreift und innovative Impulse fördert.
Love-Spreading-Netzwerk: Mehr Sichtbarkeit für Inhalte
Rund 70 Haupt- und Ehrenamtliche aus ganz Bayern waren auf Einladung der Wirkstatt evangelisch und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für den zweitägigen Workshop in die Evangelische Akademie nach Tutzing (Kreis Starnberg) gekommen. Dazu gehörte auch Pfarrerin Nicola Nitz. Zusammen mit anderen Teilnehmenden entwickelte sie die Idee eines "Love-Spreading-Netzwerks".
Das Ziel: christliche Inhalte in den sozialen Medien durch Likes oder Kommentare gezielt unterstützen – und ihnen somit zu mehr Reichweite und Sichtbarkeit verhelfen. Denn der Algorithmus belohnt solche Interaktionen, indem er den christlichen Content pusht. "Für mehr Liebe und Respekt im Internet", sagt Nicola Nitz. Auch Christinnen und Christen, die nicht aktiv etwas posten wollen, könnten so ihre Kirche aktiv unterstützen.
Ob aus dieser Idee ein ähnlicher Erfolg wird wie "einfach heiraten"? Der Impuls für solche Aktionen in Bayern kam einst bei einer Zukunftswerkstatt auf und hat sich zu einem echten Erfolgskonzept entwickelt. Nicola Nitz und andere Workshopteilnehmer jedenfalls wollen an ihrer Idee dranbleiben und das Love-Spreading-Netzwerk weiterdenken.
Wahlpflichtmodul und Creator-Netzwerk
Eine von vielen anderen Ideen der jüngsten Tagung: die Entwicklung eines Wahlpflichtmoduls "digitale Kirche" für die Ausbildung an der Evangelischen Hochschule. Viel Anklang fand auch die Vision, ein Netzwerk für christliche Creatorinnen und Creator aufzubauen. Es soll Mitarbeitende der Kirche unterstützen und vernetzen, in deren Stellenumfang die Arbeit in den sozialen Medien nicht vorgesehen ist. Schon nächstes Jahr soll es ein Creators-Camp geben.
Zum Programm der Zukunftswerkstatt gehörten auch verschiedene Keynote-Impulse. Lilith Becker etwa gab Einblicke in christliche Social-Media-Projekte von Yeet. Dabei handelt es sich um ein deutschlandweites, evangelisches Content-Netzwerk, das von Becker geleitet wird. Kirchenrat Michael Wolf stellte die Arbeit der Sæleute vor. Und Digitalpfarrerin Theresa Brückner – auf Instagram besser bekannt als @theresaliebt – erklärte, wie sie als christliche Influencerin mit Hass-Botschaften umgeht. "Da habe ich gemerkt, dass die Leute angedockt sind. Das Thema betrifft einige", sagt Clara-Marie Jantos, Referentin in der Wirkstatt evangelisch und Organisatorin der Tagung.
Positive Bilanz und Ausblick auf die nächste Zukunftswerkstatt
Sie zog am Ende des zweitägigen Workshops eine positive Bilanz, genau wie Michael Wolf: "Ich bin immer wieder begeistert, wie unsere Zukunftswerkstätten ganz viel Energie entfachen", so der Referent für Kirchen- und Gemeindeentwicklung im Landeskirchenamt in München.
"Es kommen unterschiedliche Menschen aus ganz Bayern zusammen, mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen und am Ende entstehen immer ganz viele Stränge, die viel Energie freisetzen. Ich bin gespannt, was daraus alles entsteht."
Konkret wird es in den kommenden Wochen eine Nachbesprechung des Vorbereitungsteams geben. In dessen Rahmen sortieren die Mitglieder, welche Themen "man weiter pushen und in die Fläche bringen kann", erklärt Clara-Marie Jantos. Viel hängt von den Tagungs-Teilnehmern selbst ab und ob sie ihre Ideen voranzutreiben. Clara-Marie Jantos jedenfalls ist sich sicher: "Von den vielen Themen werden nicht alle, aber ein paar weitergedacht werden."
Die nächste Zukunftswerkstatt findet am 15. und 16. April 2026 in Tutzing statt. Das Thema lautet: "Immobilien und Kirchenentwicklung”.