17.03.2020
Kommentar

Warum es gefährlich ist, in der Corona-Krise nur an sich selbst zu denken

Nichts bewegt die Menschen zurzeit mehr als das Coronavirus. Wie gefährlich ist es? Wie schnell verbreitet es sich? Wie ist es zu bekämpfen? Das sind nur die drei häufigsten Fragen, die sich die Menschen derzeit stellen. Zum aktuellen Zeitpunkt wissen wir: Das Coronavirus hat eine weltweite Epidemie in Gang gesetzt, dem müssen wir ins Auge sehen. Allein mit Hände waschen, in den Ellbogen niesen und husten ist es nicht mehr getan.
Solidarität

Fast 8000 Corona-Infektionen (Stand 17.03.) wurden allein in Deutschland registriert – und die ersten Todesfälle. Die Lage ist "ernst, absolut ernst", sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Es habe nicht ausgereicht, Einzelfälle zu isolieren und Infektionsketten nachzuverfolgen. Das Virus ist hoch ansteckend, und zwar schon bevor Menschen die ersten Symptome haben. Mediziner gehen deshalb von einem exponentiellen Wachstum aus.

In dieser Lage ist das wirksamste Mittel der Faktor Zeit. Die wird die Forschung brauchen für die Entwicklung von Medikamenten und einem Impfstoff.

Unser Gesundheitssystem braucht diesen Zeitgewinn, damit nicht alle Patienten mit schweren Krankheitsverläufen auf einmal auf ärztliche Hilfe angewiesen sind. In Deutschland gibt es laut Medienberichten insgesamt nur 28 000 Intensivbetten, ein Großteil davon ist bereits belegt.

Ernsthafte Folgen für Alltag, Politik und Wirtschaft

Deshalb müssen nun einschneidende Maßnahmen in Angriff genommen werden. Die Bundeskanzlerin hat in den Krisenmodus umgeschaltet, sie empfahl ausdrücklich die sozialen Kontakte zu reduzieren. Schulen und Kindergärten haben in allen Bundesländern geschlossen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat als erster den Katastrophenfall ausgerufen. Nur so lasse sich die Lage einigermaßen im Griff behalten.

Das alles wird gravierende Folgen für unseren Alltag, die Politik und Wirtschaft haben. Aber noch sind wir in der Situation, reagieren zu können. Jeder einzelne Bürger wird einen entscheidenden Beitrag leisten müssen: Nicht in Konzerte, Kino, Clubs und Bars gehen, Einkäufe auf die Grundversorgung reduzieren. Sozialkontakte auf die Lebensgemeinschaft reduzieren. Das sind Einschnitte ins Leben, keine Frage. Aber so geht Verantwortung – sich selbst und anderen Menschen gegenüber. 

Das öffentliche und private Leben vorübergehend einschränken

Der Virologe Drosten empfiehlt dringend, Enkelkinder sollten zurzeit besser nicht ihre Großeltern besuchen, weil ältere Menschen häufiger Komplikationen durch Covid-19 erleiden. In der Krise zeigt sich, wie groß der Zusammenhalt einer Gesellschaft wirklich ist. Bislang überwog die Selbstliebe, wie man an Hamsterkäufen und dem Diebstahl von Schutzkleidung aus Krankenhäusern gesehen hat.

Wir sollten nicht zulassen, dass Corona das Schlechteste aus uns hervorholt. Das Virus ist bedrohlich und mag das öffentliche und private Leben vorübergehend einschränken. Aber es ist für die meisten kein Kampf ums Überleben.

Wie stünden wir da, wenn wir die Krise meisterten, aber die Solidarität auf der Strecke bliebe?

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