3.11.2020
US-Wahl

Konstanzer Leibniz-Preisträgerin: "Trump ist Mediengenie"

Seine polarisierenden Auftritte rücken ihn in den Mittelpunkt öffentlicher Wahrnehmung. Leibnitz-Preisträgerin Juliane Vogel hat das Auftreten Donald Trumps analysiert. Wie er sich als "Mediengenie" und "Meister des Regelbruchs" inszeniert, lesen Sie hier.
Donald Trump

US-Präsident Donald Trump ist laut der Leibniz-Preisträgerin Juliane Vogel ein "Mediengenie" und "Meister des Regelbruchs".

Das sei auch der Grund, warum Trump die öffentliche Wahrnehmung so eklatant dominiere, sagte die Literaturwissenschaftlerin an der Universität Konstanz, am Dienstag mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahlen, dem Online-Magazin ihrer Uni.

Analyse: Trumps Selbstinszenierung bei Auftritten

Vogel hatte für ihre Analyse einige politische Auftritte Trumps genauer untersucht und festgestellt: "Donald Trumps Auftrittsprotokoll besteht aus Regelbrüchen, die er ritualisiert und in ein neues Protokoll verwandelt."

"Der Auftritt ist die wichtigste symbolpolitische Grundlage der Trump-Ära." Kein anderer US-Präsident vor ihm habe seine Macht in dieser Art inszeniert, sagte Vogel weiter.

Außerdem gebe er seinem Land den Takt vor: zum einen mit seinem Händeklatschen, mit dem er sich bei Auftritten gern in die Reihen seiner Anhänger eingliedere, zum anderen durch seine "inflationären Twitter-Botschaften".

Dabei gehe es Trump nicht um Inhalte, sondern darum, "den Alltag Amerikas mit perkussiven, wiederkehrenden Einschlägen zu durchdringen."

Darstellung während der Corona-Erkrankung

Vogel nahm auch die Auftritte unter die Lupe, als Trump an Corona erkrankt war: Körperliche Schwäche sei bei Führungspersonen in den USA anscheinend nicht akzeptabel.

Deshalb habe Trump seine Auftrittsroutinen um jeden Preis aufrechterhalten. Dazu gehörten etwa seine Helikopterauftritte - eine Art Trumpsches Markenprotokoll, sagte Vogel. Ganz wichtig sei dabei auch der aufrechte Gang hin oder zum Helikopter.

Auch dass der erkrankte Trump seine Maske vor den Kameras abnimmt - "den entstellenden Fremdkörper, den er schon immer loswerden wollte -, ist laut Vogel Teil der Inszenierung.

Es sei zwar für ein paar Momente lang klar zu erkennen gewesen, dass Trump krank war. Dennoch zeige er sich im Auftritt in "künstlicher Jugendfrische". Für Vogel ist klar: "Diese Inszenierung einer sehr exklusiven Männlichkeit ist unglaublich platt, aber letztlich sehr gut inszeniert." 

Solche Auftritte habe es in der absoluten Monarchie gegeben, heute wieder bei neoautoritären, autokratischen Regimen.

"Wir sehen hier nicht einfach eine Reinkarnation von Ludwig XIV., sondern ganz im Gegenteil ein neues, mit Elementen der Hollywooddramaturgie erweitertes und modifiziertes Protokoll, das aber wie das alte ein Triumphalprotokoll ist." 

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