20.07.2019
Widerstand und Nationalsozialismus

Erinnerung an den 20. Juli 1944: "Mut der NS-Widerstandskämpfer bleibt unvergessen"

Zum 75. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 wird in Deutschland an den Widerstand gegen das NS-Regime erinnert.
Gedenkstätte des 20. Juli 1944 in Berlin im Bendlerblock
Ehrenhof der Gedenkstätte des 20. Juli 1944 in Berlin im Bendlerblock.

Zum 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Widerstandskämpfer gewürdigt. "Den verzweifelten Versuch der mutigen Widerständler vom 20. Juli, den grausamen Krieg und die Herrschaft des Nazi-Regimes zu beenden, haben die daran Beteiligten und ihre Unterstützer mit ihrem Leben bezahlt", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft auf Instagram. "Ihr Mut bleibt uns unvergessen", sagte er.

Es habe zu wenig Widerstand gegen das Hitler-Regime gegeben, sagte der Bundespräsident. "Aber es gab die Mutigen, die nicht weggeschaut haben, die Mitmenschlichkeit bewahrt haben, die andere vor Verfolgung geschützt haben und die Naziverbrechen vereitelt haben", ergänzte er. Alle, die Widerstand geleistet haben, hätten Freiheit, Gesundheit, sogar ihr Leben riskiert. Steinmeier erinnerte in seiner Video-Botschaft auch an die Gruppe "Weiße Rose" um Sophie Scholl und den ebenfalls gescheiterten Attentatsversuch von Georg Elser.

Viel zu lange sei den Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 Anerkennung verweigert worden. "Dabei sind sie ein so wichtiger Teil der deutschen Freiheitsgeschichte", sagte er. Zum 75. Jahrestag richtet die Bundesregierung am 20. Juli 2019 eine Gedenkstunde aus, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird.

Kulturstaatsministerin Grütters: Widerstandskämpfer würdigen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erinnerte an die Geisteshaltung der Widerstandskämpfer: "Die tiefe Überzeugung, das Richtige zu tun, einte diejenigen, die aktiv Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leisteten. Aus der Geisteshaltung, kompromisslos für die Menschlichkeit einzustehen und konsequent danach zu handeln, können wir auch für die Gegenwart und für die Zukunft viel lernen", so Grütters.

Das Gedenken gelte aber auch den Familienangehörigen der Widerstandskämpfer – ihren Frauen und Kindern, so Grütters. Durch die vollstreckten Todesurteile hätten sie nicht nur einen Angehörigen verloren, sondern hatten durch Sippenhaft, Enteignung und gesellschaftliche Ächtung lange an den Folgen zu leiden.

Attentat vom 20. Juli 1944

Eine Gruppe deutscher Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg versuchte am 20. Juli 1944, Adolf Hitler zu töten. Der Sprengstoffangriff im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" scheiterte. Stauffenberg und sein Adjutant Werner von Haeften sowie weitere Mitverschwörer wurden noch in der Nacht zum 21. Juli in Berlin standrechtlich erschossen. In den folgenden Wochen wurden weitere rund 200 Mitwisser und Angehörige des Widerstands hingerichtet. Viele andere wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.


Veranstaltungen zum 20. Juli 2019

Am Jahrestag des Attentats wird am 20. Juli im Potsdamer Schloss Lindstedt, einst Wohnsitz der Familie Falkenhayn, mit einer weiteren Veranstaltung an den Widerstand erinnert.

Auch in Schloss Neuhardenberg wird am Samstag zu einer Gedenkveranstaltung mit einem Gottesdienst eingeladen. Schloss Neuhardenberg war einer der geheimen Treffpunkte der Verschwörer des 20. Juli. Nach dem Scheitern des Attentats wurde der Besitz der Familie im Ort enteignet worden. Carl-Hans von Hardenberg (1891-1958) wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Vor dem Todesurteil habe ihn die Befreiung durch die Rote Armee bewahrt.

In Berlin gibt es am 22. August 2019 um 19 Uhr im Auditorium der Ausstellungsräume zu "Topografie des Terrors" einen Vortrag mit Diskussion über "Geteilte Erinnerungen - 80 Jahre nach dem 23. August 1939). 

In der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg gibt es am 21. Juli 2019 um 15 Uhr einen Rundgang zur Kunst im KZ. Während ihrer Haft im KZ Flossenbürg gelang es einigen Gefangenen – heimlich und unter der Gefahr harter Strafen – Zeichnungen anzufertigen. Die Bilder sind Ausdruck ihres Selbsterhaltungswillens, Zeugnisse und Dokumente, Beweise und Anklagen. Sie zeigen das alltägliche Leben und Sterben im Lager aus der Sicht der Häftlinge. Auch nach Kriegsende dokumentieren und verarbeiten ehemalige Gefangene in Bildern das Erlebte.

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