11.03.2019
Rock meets Classic

Bombast-Rock mit religiöser Symbolik

Zehn Jahre "Rock meets Classic" - das ist eine ganze Dekade Crossover zwischen U- und E-Musik, einer gekonnten Kreuzung von Rock-Klassikern im orchestralen Gewand, dargeboten von "gut abgehangenen" Stars aus einer Ära, in der noch echte Stars geboren wurden. Wie bei der Bamberger Station der Produktion in der Brose-Arena deutlich wurde, spielt in diesem bombastischen Soundtrack auch religiöse Symbolik eine ästhetische Rolle.
Rock meets Classic in Bamberg
Scott Gorham (links) und Mat Sinner (Mitte) bei Rock meets Classic in Bamberg.

Mat Sinner heißt eigentlich Matthias Lasch und ist ein mittlerweile 55 Jahre alter Bassist, Sänger und Musikproduzent aus Stuttgart. Mit seiner Band "Sinner" (zu deutsch: Sünder) hat er in den 80er-Jahren seine Karriere als Rockmusiker begonnen. Da steht der Name "Lasch" einem weniger gut zu Gesicht, und ein sündiger Künstlername passt zum gängigen Klischee besser. Man würde dem Schwaben aber Unrecht tun, indem man ihn auf Effekthascherei reduziert. Mat Sinner ist nicht nur im Rock- und Metal-Bereich eine geachtete Größe, seit zehn Jahren ist er auch der musikalische Leiter der "Rock meets Classic"-Band und bereist mit einem rund 40-köpfigen Prager Orchester und einer ständig wechselnden Auswahl an Rock-Röhren der 70er und 80er die Arenen der Bundesrepublik und die großen Hallen benachbarter europäischer Länder. Ein riesiges Kreuz baumelt an der Kette um den Hals Sinners, während er seinen Bass auf der aktuellen Tournee routiniert durch die Hits von Deep Purple, Loverboy, Thin Lizzy, Sweet und REO Speedwagon steuert.

Rock hält jung

Deren mittlerweile 67 Jahre alte Sänger Kevin Cronin bedient sich nicht nur einer grellgelben Brille als Accessoire, sondern ebenfalls einem Kreuz, wie es auch andere Musiker an diesem Abend wie Sweets Pete Lincoln um den Hals tragen oder lässig am Gitarrengurt baumeln lassen. Religiöse Symbole sind und waren eben schon immer Teil der Rock-Kultur, egal, ob ihre Träger sich selbst als Christen bezeichnen oder nur mit dem Image spielen. In Bamberg passt das Kreuz und dessen nur mahnende, sondern auch gute Botschaft aber bestens zu der Cronins: "Ihr da unten und wir da oben sind der Beweis dafür, dass Rock´n´Roll jung hält", begrüßt er die jubelnde Menge, bevor er seine Hits "Can´t fight this feeling" und "Take it on the run" intoniert. Eine gute Botschaft hat er auch für seine Frau Lisa übrig, die sich an diesem Abend im Chor eingereiht hat und der er in Anlehnung an den Millionenseller "Keep on loving you" eine Liebeserklärung macht. Rockmusik, positive Gefühle, mit dabei auch das Kreuz - das passt prima zusammen.

Hohes Niveau

Wie die gesamte Mischung an diesem Konzertabend. Die würde zwar den Ansprüchen beflissener Klassik-Konzertgänger trotz Einlagen wie Elgars "Pomp & Circumstances" oder dem "Schwan" aus Saint-Saens "Karneval der Tiere" vielleicht nicht genügen. Und dass Ian Gillan mal mit 73 Jahren im Anzug mal in einem fränkischen Konzertsaal und Streicher und Bläser im Rücken "Smoke on the water" singt, hätte sich Deep Purples Frontmann wohl vor 45 Jahren nicht träumen lassen. Aber es rockt eben gewaltig und auf einem musikalisch absolut hohem Niveau. Zu dem auch die kanadisch-deutsche Opern- und Musicalsängerin Anna Maria Kaufmann mit ihrer Einlage aus "Phantom der Oper" beiträgt. Aber das ohne Scott Gorham und seinen Thin-Lizzy-Klassiker "The boys are back in town", Mike Reno und seinen Loverboy-Hit "Turn me loose" oder Sweets "Ballroom Blitz" eben kein "Rock meets Classic" wäre.

 

"Rock meets Classic" geht auf der aktuellen Tournee unter anderem am 15. März in Würzburg noch einmal über die Bühne. Die Termine für nächstes Jahr stehen schon fest. Dann sind unter anderem Alice Cooper, Thunder und Mothers Finest dabei.

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