28.01.2016
Ausstellung

Galerie der DG: Schenken als Kunstprojekt

Geben und Nehmen gehört zu den ältesten Kulturpraktiken unserer Gesellschaft. Die Galerie der Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst widmet sich in einer Ausstellung der "Gabe". Sie präsentiert junge Kunst aus Europa.
Schenken als Kunstprojekt

Schenken macht glücklich - nicht nur die Beschenkten. Was es mit dem Geben und Nehmen auf sich hat, untersucht bis 7. Februar 2016 eine Ausstellung der Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst (DG) in München. "Das Geben ist eine zentrale Denkfigur zahlreicher biblischer Erzählungen", sagte Kuratorin Benita Meißner bei der Eröffnung der Schau in der Münchner St. Paulskirche am Donnerstagabend. Die Ausstellung wolle sich der christlichen Tradition stellen, ohne in der "Rückschau zu verharren".

Die Kuratoren Jörg van den Berg und Benita Meißner haben deshalb gezielt junge Künstlerinnen und Künstler aus Europa angefragt. Herausgekommen ist eine bunte Mischung, die irritiert, nachdenklich macht und die Betrachter mitunter auch gehörig schmunzeln lässt. So etwa die Eröffnung der Ausstellung in der Galerie: Da durften die Besucher kleine Tonfiguren basteln, die sie dann niederkniend in einem feierlichen Ritual gegen ein Geschenk eintauschen durften. Eine Interaktion, die für viel Heiterkeit sorgte, zumal die Gäste begannen, die Geschenke erneut untereinander zu tauschen.

Geschenke sind Beziehungsarbeit und sorgen für Emotionen

Der zweite Teil des Projekts der Berliner Künstlergruppe von Florian Dietrich, Martin Schepers und Markus Zimmermann fand in der St.
Paulskirche statt: Die Tonfiguren wurden feierlich in einem Ofen im Kirchenraum gebrannt und durften von den Gästen erneut eingetauscht werden - dieses Mal gegen ein Mitbringsel von zu Hause. Geschenke, so machte das Projekt deutlich, sind Beziehungsarbeit und sorgen für Emotionen.

Auf das "Geben und Nehmen" als Tauschhandel verweist die Installation von Antje Schiffers in der Paulskirche. Dabei hat die Berliner Künstlerin Landwirte in ganz Europa gefilmt. Für jeden Film schenkte Schiffers den Bauern ein Ölgemälde: Scheunen, beackerte Felder oder landwirtschaftliche Maschinen. Die Besucher sollen darüber spekulieren, "ob die Bauern das, was sie bekommen haben, höher bewerten als das, was sie uns gegeben haben, denn wir haben neben den Filmen Geschenke erhalten, darunter Naturalien oder Holzschuhe", erklärt Schiffers.

Papst: "Jubiläum der Barmherzigkeit"

Erst vor wenigen Tagen rief Papst Franziskus ein Heiliges Jahr aus: Das "Jubiläum der Barmherzigkeit". Dazu passt das Werk des Kölner Künstlers Frank Bölter. Er stellte im Seitenschiff der Kirche zwei überdimensionale Brote aus Pappkarton auf. Bei einer Intervention mit Kindern wurde eines dieser Brote zerdrückt und deformiert. Die Installation weckt eine Fülle von Assoziationen - von der gemeinschaftsstiftenden Funktion des Brotes als Nahrungsmittel bis hin zur Rolle des Brotes bei der Eucharistiefeier.

Der Kunstpastoral des Erzbistums München und Freising, Ulrich Schäfert, unterstützt die Ausstellung. "Es ist sicherlich die bislang stärkste Intervention im Kirchenraum", sagt Schäfert. Er sei gespannt, wie die Gemeinde darauf reagiere. Als Begleitprogramm bietet er Gottesdienste mit einer Werkbetrachtung an - und setzt mit zeitgenössischer Musik einen weiteren Akzent.

Kuratorin beabsichtigt Provokation

Für die Kuratoren ist die Provokation des Publikums beabsichtigt: "Wir möchten das Verständnis des Gebens und des barmherzigen Handelns neu denken", erklärt Kuratorin Meißner. Allerdings habe sie nicht gedacht, dass die Idee der Ausstellung so sehr "von aktuellen Ereignissen eingeholt" werden würde, fügt sie hinzu. Die Flüchtlingskrise habe eine Dimension erreicht, die nicht nur die Bereitschaft zu geben, sondern auch das demokratische Selbstverständnis der Menschen "radikal herausfordert".

Diese Problematik thematisiert eine Videoarbeit von Sven Johne. "Die Umrundung der Insel Lampedusa" zeigt einen wackeligen Blick vom Schiff auf die Küste der italienischen Mittelmeerinsel. Das blaue Meer, die plätschernden Geräusche des Wassers, der grüne Küstenstreifen täuschen eine Idylle vor, die im harten Kontrast steht zu den vielen Toten, die die Flüchtlingskrise bereits gefordert hat. Geben hat mit Verantwortung zu tun. Nicht umsonst wählte Papst Franziskus als erstes offizielles Reiseziel die Flüchtlingslager von Lampedusa.

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