30.05.2015
Kunst und Kirche

Benita Meißner leitet die Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst (DG)

Benita Meißner ist neue Leiterin der Gesellschaft für Christliche Kunst (München). Sie will Kunst, die mehr ist als nur schön und plakativ.

Benita Meißner (40), neue Leiterin der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst (DG) in München, möchte den leicht angestaubten Begriff der "christlichen Kunst" aufbrechen und weiterentwickeln. Für die nächsten zwei Jahre hat sie zehn Ausstellungen und Projekte geplant. Beginn ist am 3. Juli mit der Schau "Bauwerke des Abschieds".

 

Frau Meißner, wie kommen Sie zur Kunst?

Meißner: Ich war schon als Jugendliche fasziniert von Mathematik und Kunst. Ich habe in Italien Architekturgeschichte und Denkmalpflege studiert und zuletzt neun Jahre für die Galerie "Häusler Contemporary" gearbeitet. Es freut mich, dass ich nun die Chance bekomme, noch stärker inhaltlich zu arbeiten und einen eigenen Blick auf die Kunst entwickeln zu können.

Was bedeutet "christliche Kunst" heute?

Meißner: Ich bin überzeugt, dass Kunst mehr sein muss als nur schön oder plakativ. Christliche oder religiöse Kunst setzt sich mit den Seinsfragen des Menschen auseinander. Diese Kunst nimmt uns gefangen, sie lässt Fragen laut werden und fordert uns auf, Position zu beziehen und auf das Werk zu reagieren. Es geht um tiefe Emotionen und um Dinge, die unser Leben wertvoll machen.

Sie möchten vor allem Kunst zeigen, die nicht in kommerziellen Galerien gezeigt wird. Warum?

Meißner: Auf Künstlern und Galerien lastet ein enormer Druck. Künstler müssen produzieren, was sich verkauft. Und Galerien können nur zeigen, was sich verkaufen lässt. Diese Situation schränkt Künstler und Galerien stark ein - und verhindert oft schöne Projekte oder Ideen. In der Galerie für christliche Kunst muss nichts verkauft werden. Wir können inhaltlich arbeiten und sind frei in Bezug auf die Auswahl der Künstler. Wir können Bilder zeigen, die Fragen stellen und uns in Kontakt bringen mit der eigenen Religiosität.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Meißner: Die Galerie wurde 1893 als gemeinnütziger Verein gegründet und hat bis heute zum Ziel, den Dialog zwischen Kunst und Kirche zu fördern. Ich möchte bestehende Projekte wie Architekturausstellungen fortsetzen, aber auch ein neues, jüngeres Publikum ansprechen. In den letzten Monaten haben wir dafür schon einiges realisiert: Wir vernetzen uns innerhalb der Stadt und mit anderen christlichen Ausstellungshäusern, haben eine neue Internetseite und sind auf Facebook aktiv. Das funktioniert, wie wir an den steigenden Mitgliederzahlen sehen können.

Wer wird Mitglied?

Meißner: Wir haben derzeit rund 400 Mitglieder, mehr als ein Drittel davon sind Künstlerinnen und Künstler. Wir haben gute Kontakte zu den Kunstakademien und sind gut vernetzt mit jungen Kunstvermittlern. Der Verein gehört zu meiner Arbeit: Eine Mitgliederausstellung ist in Planung. Außerdem gibt es ja noch den DG-Kunstpreis, mit dem wir Nachwuchs fördern. An Ideen mangelt es nicht: Ich könnte locker die nächsten drei Jahre mit Projekten und Ausstellungen füllen.

Worum geht es bei der nächsten Ausstellung mit dem Titel "Der letzte Garten"?

Meißner: Diese Architekturausstellung widmet sich den "Bauwerken des Abschieds" in den verschiedenen Religionen. Wir erkunden die zeitgenössische Gestaltung von Friedhöfen, Krematorien oder Totenstuben. Welche Wertigkeit und welche Qualität haben die Räume, die mit Tod und Sterben verbunden sind? Wie können architektonische Räume so gestaltet werden, dass sie ihrer Funktion gerecht werden, zugleich aber unserem Bedürfnis nach einem Ort des Abschieds und der Trauer erfüllen?

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