29.02.2020
Mehr als "Von guten Mächten"

Neue Ausstellung über Dietrich Bonhoeffer feiert Premiere in Roth

Sein Gedicht "Von guten Mächten" kennt man, es sind viele Kirchen und Schulen nach dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) benannt. Dass einer der wichtigsten Vertreter des Widerstands im Nationalsozialismus im KZ Flossenbürg in Bayern seinen Tod fand, wissen Eingefleischte noch. Eine Wanderausstellung des Evangelischen Presseverbands für Bayern (EPV) zeigt Bonhoeffer jetzt in allen Facetten – zum ersten Mal vom 6. bis 24. März in der Stadtkirche in Roth.
Bonhoeffer-Ausstellung in Roth
Pfarrer Eberhard Hadem, die Koordinatorin der Initiative "Roth ist bunt" Karin Zargaoui, Pfarrerin Elisabeth Düfel und Bürgermeister Ralph Edelhäußer vor der Stadtkirche Roth.

Die 17 Tafeln der Leih-Ausstellung "Dietrich Bonhoeffer" zeigen die Lebensstationen des evangelischen Theologen, Zitate und eine Illustration oder Fotografien sowie Briefe oder Dokumente. Zwei Tafeln widmen sich alleine der Entstehung des Gedichtes "Von guten Mächten", das in der Vertonung von Siegfried Fietz auch Einzug in das Evangelische Gesangbuch gefunden hat. Es wird geschildert, wie die Zeilen im Gestapo-Gefängnis entstanden sind und auf weitere Komponisten, die es vertont haben, verwiesen.

"Es ist nicht leicht, einen Mann wie Bonhoeffer zu vermitteln. Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs sterben weg, das Wissen um das Entstehen und die Auswüchse des Nationalsozialismus geht verloren", sagt Eberhard Hadem, einer von drei Pfarrern in Roth.

Bonhoeffer sei radikal für seinen Glauben und den Frieden eingetreten, sei von seinen Wirkungsstätten in den USA als Widerstandskämpfer nach Deutschland zurückgekehrt, um seine evangelische Kirche und ihre Gemeindeglieder wieder auf den rechten Weg zurückzuführen, und habe seine Courage mit dem Tod bezahlt.

Um gerade den jüngeren Menschen in Roth, insbesondere den Konfirmanden, den Theologen, dessen Denken und Wirken heute so aktuell wie eh und je ist, näherzubringen, geht es am 21. März mit dem Bus an den Ort, an dem Bonhoeffer mit nur 39 Jahren am 9. April ermordet wurde: in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Flossenbürg. Und da die Eltern und viele Rother Bürger ebenso mit dabei sein wollen, fährt sogar ein zweiter Bus mit.

"Wir wollen nicht einfach ein paar Schautafeln in die Kirche stellen und dazu Gottesdienste halten. Die Menschen sollen sich austauschen über Bonhoeffer und über das Erinnern an seine Zeit", erklärt Pfarrerin Elisabeth Düfel.

Bewusst habe man die Kirche als Ausstellungsort gewählt, um Räume der Begegnung zu schaffen. Dort wird auch am 16. März der Spielfilm "Die letzte Stufe" gezeigt, der Bonhoeffers Leben nachstellt.

Gepredigt wird aber natürlich auch: Bereits am 1. März befasst sich Vikarin Johanna Bogenreuther im Gottesdienst mit dem Thema "Sünde" bei Bonhoeffer. Hadem erinnert am 8. März an die Zeit der Emigration des Theologen, Pfarrerin Düfel hat am 15. März seinen Amerika-Aufenthalt und die Erlebnisse in den Gospel-Messen der Schwarzen im Fokus, Pfarrer Joachim Klenk spricht am 22. März über Bonhoeffers Zeit in Barcelona. Pünktlich zum Friedensgebet am 13. März findet die Midissage statt, passend zur "Woche der Brüderlichkeit".

Wichtig ist den Geistlichen, dass in der Bonhoeffer-Schau keine "Heiligenverehrung" betrieben wird. "Wir wollen zeigen, dass Widerstand oft auch im Kleinen beginnt und wirksam ist", sind sich Düfel und Hadem einig.

Die evangelische Kirchengemeinde veranstaltet zwar die Reihe, macht dabei aber keinen Alleingang: Mit im Boot sind auch neben dem Evangelischen Bildungswerk Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Karin Zargaoui, stellvertretende Leiterin der Volkshochschule und Koordinatorin der Initiative "Roth ist bunt", deren Schirmherr der Bürgermeister ist. "Roth ist bunt" macht sich seit 2012 für Toleranz, Inklusion und Interkulturalität in der Stadt und im Landkreis Roth stark. "Bonhoeffer war ein Mensch, der trotz eines schweren Schicksals bei seiner Haltung geblieben ist", meint Edelhäußer.

Zur Vertiefung des Wissens bietet ein multimedialer Zugang über QR-Codes auf einer Webseite weitere Informationen wie Videos, Audiodateien oder Schaubilder. Dieses Material eignet sich auch für die Arbeit in Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Schulen.

"Als weitere Begleitaktion haben wir eine umfassende Online-Kampagne auf Instagram und Facebook gestartet. Jede Woche posten wir dort ein Zitat, ein wichtiges Datum, einen Erinnerungsort oder wichtige Ereignisse", erklärt Kuratorin Rieke Harmsen vom EPV.

Der Presseverband produziert seit mehr als zehn Jahren Leih-Ausstellungen, angefangen mit Ausstellungen im Zusammenhang mit dem Lagois-Fotowettbewerb. Das Bonhoeffer-Projekt wird unterstützt von der Versöhnungskirche Dachau und der EKD.

Die Ausstellung ist von 6. bis 24. März täglich von 9 bis 16 Uhr in der Rother Stadtkirche zu sehen und wandert dann weiter. Termine und Infos zur Leih-Möglichkeit finden Sie hier.

 

Alle Ausstellungen des EPV im Überblick finden Sie hier zum Herunterladen:

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Traditionen & Brauchtümer +++ Frauen auf der Flucht +++ Heimat & Vertreibung +++ Toleranz in Comics +++ Christen auf der Flucht +++ Dietrich Bonhoeffer: Entdecken Sie mit diesem Faltblatt zum kostenlosen Download das Leih-Angebot Ihres Medienhauses EPV in München!

Materialien zu Dietrich Bonhoeffer

Auf der Seite www.ausstellung-leihen.de stellt der Evangelische Presseverband für Bayern (EPV) Informations- und Arbeitsmaterialien aus seinem eigenen Medienhaus sowie aus weiteren Institutionen zur Verfügung. Die multimedialen Inhalte sollen Sie, Ihre Schulklasse, Konfirmanden, Jugendgruppe oder Gemeinde dabei unterstützen, den evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer besser kennenzulernen.

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