15.02.2020
Dietrich Bonhoeffer Ausstellung

Illustratorin Susanne Kuhlendahl zeichnet Dietrich Bonhoeffer für Wanderausstellung

Es gibt nur wenige Fotos von Dietrich Bonhoeffer. Über die schwierige Kunst, den evangelischen Theologen zu zeichnen, berichtet Susanne Kuhlendahl. Sie hat jüngst eine Bonhoeffer-Ausstellung illustriert.
Susanne Kuhlendahl Illustratorin Bonhoeffer
Illustratorin Susanne Kuhlendahl am Zeichentisch. Hier entstand die Bonhoeffer-Ausstellung.

Susanne Kuhlendahl liebt es, komplexe Geschichten in Bildern zu erzählen. Die Illustratorin hat vor wenigen Monaten erst Thomas Manns Klassiker "Der Tod in Venedig" in eine Graphic-Novel-Geschichte verwandelt. Derzeit arbeitet Kuhlendahl an Zeichnungen für eine Leih-Ausstellung über Dietrich Bonhoeffer. Im Sonntagsblatt-Interview verrät die Illustratorin, wie sie sich dem evangelischen Theologen Bonhoeffer genähert hat.

 

Was hat Sie in der Auseinandersetzung mit Bonhoeffer überrascht?

Susanne Kuhlendahl: Ich kannte von Bonhoeffers Leben im Grunde nur, was wohl jeder kennt: Die Geschichte seiner Auseinandersetzung mit dem Naziregime, die Gründung der Bekennenden Kirche und seine Hinrichtung. Jetzt habe ich mich zum ersten Mal mit seiner Lebensgeschichte vor der Nazizeit beschäftigt und war überrascht, an wie vielen Orten der Welt er gelebt und gewirkt hat. Seine Zeit in Barcelona und in New York haben ihn sehr geprägt. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie er sich vom wohlbehüteten Sohn aus Berlin-Grunewald, der sich mit der Theologie eher als einer theoretischen Geisteswissenschaft beschäftigte, zu einem tatkräftigen, anpackenden Christen wurde.

Wie nähern Sie sich einem solchen Projekt aus künstlerischer Sicht?

Susanne Kuhlendahl: Zuerst einmal suche ich Fotos. Wie sieht Dietrich Bonhoeffer von vorne aus, wie ist sein Gesicht im Profil, wie sieht er aus, wenn er nachdenkt oder lächelt? Ich zeichne die Motive nach und versuche, die Charakteristika zu erfassen, bis ich ein dreidimensionales Bild im Kopf habe, das ich dann drehen und beleuchten kann, wie ich es will. Dietrich Bonhoeffer entwickelt sich ja - von einem schmalen Jugendlichen zu einem etwas dicklichen Erwachsenen und schließlich zum Gefangenen. Natürlich erkunde ich zeichnerisch auch die Umgebung und beschäftige mich mit dem Aussehen der Freunde.

Ist es schwer, Dietrich Bonhoeffer zu zeichnen?

Susanne Kuhlendahl: Schwierig war, dass die Fotos alle ziemlich unscharf sind und es nicht viel Bildmaterial gibt. Offensichtlich hat sich Bonhoeffer nicht sehr gern fotografieren lassen. Er war anscheinend keiner, der gern posierte. Immerhin gibt es einige Schnappschüsse, auf denen er sehr natürlich wirkt.

Was möchten Sie erreichen mit den Bonhoeffer-Zeichnungen?

Susanne Kuhlendahl: Ich möchte Dietrich Bonhoeffer als Menschen zeigen: Er hat sich entwickelt und Dinge gesagt, die ihm später peinlich waren, er hat von Weggefährten neue Gedanken aufgenommen und sich verändert. Ich wollte ihn nicht zum Heiligen hochstilisieren, aber seine Konsequenz im Glauben als etwas Bewundernswertes zeigen. Ich wollte einen Menschen zeigen, der auch hinter Gittern frei geblieben ist.

Spielt die Farbgebung der Bonhoeffer-Zeichnungen eine Bedeutung?

Susanne Kuhlendahl: Ich habe bei den Dietrich-Bonhoeffer-Zeichnungen die Farben ziemlich sparsam eingesetzt. Farben machen einige Stellen in den Illustrationen deutlicher und vermitteln eine Stimmung. Sie sind hier, passend zum ernsten Thema, eher zurückgenommen.

Dietrich Bonhoeffer Ausstellung

Bonhoeffer Ausstellung Quadrat klein

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des christlichen Widerstandes im Nationalsozialismus. Sein Tod im KZ Flossenbürg in Bayern jährt sich am 9. April 2020 zum 75. Mal. Die Leih-Ausstellung informiert über sein Leben und enthält zahlreiche Zitate, Fotografien und Texte, so unter anderem den berühmten Liedtext "Von Guten Mächten". Die Wanderausstellung zu Dietrich Bonhoeffer bietet einen multimedialen Zugang: Über QR-Codes können die Nutzer im Internet weitere Informationen abrufen.

Buchtipp: Tod in Venedig

Susanne Kuhlendahl, Knesebeck-Verlag, 2019, 22,- Euro.

Thomas Manns Erzählung über den Schriftsteller von Aschenbach, der auf einer Reise nach Venedig dem Anblick des kränklichen Knaben Tadzio verfällt, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Susanne Kuhlendahl bringt mit ihrem aquarellierten, malerischen Stil in der Graphic-Novel "Der Tod in Venedig"  die bekannte Erzählung von Niedergang und Dekadenz in eine neue und spannende Form.

Tod in Venedig Kuhlendahl
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