Ausstellung "Gern Gesehen"
Die Ausstellung "Gern Gesehen“, die einen Einblick in das Leben von Sinti und Roma gibt, erhält den Wilhelm-Freiherr-von-Pechmann-Preis der bayerischen Landeskirche. Was diese Auszeichnung für die Protagonist*innen bedeutet.
Freiherr Wilhelm von Pechmann

Die Ausstellung "Gern Gesehen" zeigt Momentaufnahmen von Menschen, die sich zur Minderheit der Sinti und Roma zugehörig fühlen, im Gespräch über ihr Leben und ihren Glauben. Das besondere an dieser Ausstellung ist, dass die Protagonist*innen direkt in den Entstehungsprozess eingebunden waren.

Mitentwicklerin der Ausstellung: Wichtig, ins Gespräch zu kommen

Sabine Böhlau, die die Ausstellung mitentwickelt hat, ist es ein Anliegen, dass die Verfolgung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus "endlich diskutiert werden muss". Die Zeit sei da, jetzt darüber zu sprechen, auch wenn die Verfolgung schon so lange zurück liegt, sagte Böhlau gegenüber dem Sonntagsblatt.

"Viele Menschen wissen nicht, dass viele Sinti und Roma Christen sind und sie fühlen sich alleingelassen." Bevor die Fotos der Ausstellung entstanden, "wollten wir erstmal zuhören und das war ein langes Zuhören", meint Böhlau über die Entstehung von "Gern Gesehen".

Wichtig sei ihr, dass man ins Gespräch komme:

"Begegnung ist wichtig. Dann merkt man, das sind Menschen, von denen wir viel lernen können. Auf Augenhöhe in Kontakt zu treten und sich zu begegnen ist wichtig."

Laudatorin Sindy Winkler über "Gern Gesehen"

Sindy Winkler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Projektstelle gegen Rechtsextremismus und vom Bündnis für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde schützen im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Bad Alexandersbad.
Sie hält am Dienstag die Laudatio für "Gern Gesehen". Warum die Ausstellung den Wilhelm Freiherr von Pechmann  Preis bekommt, begründet sie folgendermaßen:
"Die Ausstellung porträtiert auf 17 Tafeln Sinti und Roma aus München. Die Protagonist*innen kommen selbst in den Ausstellungstexten zu Wort und geben einen sehr persönlichen Einblick in ihre Lebens- und Familiengeschichten.
 
Zudem berichten sie darüber, wie sie Ihren Glauben leben, aber auch welche weniger schönen Erfahrungen sie erleben mussten. Ergänzt werden die Texte durch Fotos, die Begegnungsskizzen und ganz persönliche Momentaufnahmen abbilden und der Ausstellung viel Authentizität und vor allem Herz verleihen.
Die Ausstellung ist ganz im Sinne des Wilhelm-von-Pechmann-Preises, denn sie macht auf zugängliche und ansprechende Weise deutlich, dass persönliche Begegnungen und Dialoge wichtig und notwendig sind, um Vorurteilen und Stereotypen gegenüber Sinti und Roma vorzubeugen. Der Kampf gegen Antiziganismus ist dabei aber nicht allein eine Aufgabe weniger, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."
Die Zeichnung von Benjamin Kniebe soll die Preisverleihung am Dienstag zeigen.
Die Zeichnung von Benjamin Kniebe soll die Preisverleihung des Pechmann Preises am Dienstag zeigen.

Über den Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis

Der Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis fördert in Erinnerung an den ersten Präsidenten der Landessynode, Freiherr Wilhelm von Pechmann und seine Verdienste für die bayerische Landeskirche während der NS-Zeit, die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus heute. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in der historisch-wissenschaftlichen Forschung, in der Bildungsarbeit und Publizistik, vor allem zur damaligen Rolle von Kirche und Christentum. Außerdem können überzeugende Beispiele für Gemeinsinn und Zivilcourage in der Gegenwart ausgezeichnet werden.

Der Pechmann-Preis wird am 9. November in der Münchner St. Markus-Kirche verliehen. Sie können ihn hier per Live-Stream verfolgen.

Vier weitere Projekte werden prämiert:

  • Für 13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale haben Schüler*innen des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels eine Ausstellung erarbeitet. Sie wurde nicht nur rund um Lichtenfeld ausgestellt, sondern in englischer Übersetzung im Museum of Jewish Heritage in New York. Es wird die Lebensgeschichte von 13 Menschen erzählt, denen in Lichtenfels der Führerschein abgenommen wurde, nur weil sie Jüdinnen und Juden waren. Für die Ausstellung wurden außerdem Stolpersteine verlegt und die Angehörigen der Menschen kontaktiert.
     
  • Die Biografie "Hans Meiser. Lutheraner – Untertan – Opponent" von Dr. Nora Andrea Schulze ist die erste wissenschaftliche Biografie über Meiser. Er war zwischen 1933 und 1955 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Meiser wird in erinnerungskulturellen Debatten oft kritisch gesehen. Das Buch von Schulze möchte nun jenseits dieser Diskussionen einen differenzierten Blick auf Meiser werfen.
     
  • Was ist Dietrich Bonhoeffer in seiner Todesnacht in Flossenbürg wohl durch  den Kopf gegangen? Wie könnte es gewesen sein? Auf diese Frage versucht Die Nacht von Flossenbürg eine Antwort zu finden. Das Kammerspiel der Gruppe "Theater in der Kirche" aus Neuenmarkt spielt lediglich in zwei Räumen: der Todeszelle Bonhoeffer und dem Wohnzimmer seiner Mutter.
     
  • Das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern" erhält dieses Jahr den Ehrenpreis. 19 Jahre nach Beginn wurde im April diesen Jahres der letzte Teilband veröffentlicht. Er beschäftigt sich mit jüdischen Gemeinden in Bayern und dokumentiert die jüdische Kultur und beschäftigt sich auch mit dem Einschnitt des jüdischen Lebens ab 1933.

Ausstellung leihen

Mehr Informationen zur Ausstellung "Gern Gesehen"

Wussten Sie, dass die meisten Sinti der christlichen Religion angehören und seit Generationen in Deutschland leben? Bislang gibt es meist nur wenig Kontakt zu Angehörigen dieser Minderheit. Das kann sich jetzt ändern. In dieser Ausstellung geben acht Sinti und Roma einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und ihren Glauben. Und das Besondere ist, sie haben selbst an der Ausstellung mitgewirkt, der wir den Titel "Gern Gesehen" gegeben haben.

Die Ausstellung "Gern Gesehen" zeigt Momentaufnahmen von Menschen, die sich zur Minderheit der Sinti und Roma zugehörig fühlen, im Gespräch über ihr Leben und ihren Glauben. Die Ausstellung besteht aus 17 Tafeln im Format 80 x 60 cm inklusive Aufhängung. Sie wird in einer stabilen Transportkiste angeliefert. Über die Webseite ausstellung-leihen.de können Sie die Ausstellung direkt buchen.

"Gern Gesehen" ist ein Projekt der gemeinnützigen Organisation kairosis gUG und Andreas Tobias - gemeinsam mit Fabian Brüder, Christa Ada, Roy, Benjamin Adler, Angelika & Marco Höllenreiner, Uta Horstmann, Karl Schmidt, Mandy Berg, Toni Herzog.

Ausstellung "Gern gesehen - Sinti und Roma"
In diesem Jahr verleiht die bayerische Landeskirche den Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis an fünf Preisträgerinnen und Preisträger. Die Preisverleihung wird am 9. November live aus der Münchner St. Markus-Kirche übertragen.

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Sinti und Roma

Sinti und Roma sind eine Minderheit in Deutschland. Karl Schmidt ist Pastor der Freien Christen Gemeinde Jeschua und Sinto. Im Interview spricht er über seinen Glauben und darüber, wie Vorurteile abgebaut werden können.

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