6.04.2019
Urlaub und Tourismus

Urlaub im Kloster: Drei Tipps für Bayern

Evangelische Kommunitäten laden ein zu einem Urlaub in einer Gemeinschaft. Drei Empfehlungen.
Schwanberg Blick aus dem Fenster
Schwanberg: Blick aus dem Fenster.

Einen Urlaub im Kloster zu verbringen, liegt im Trend. In Zeiten der Globalisierung sehnen sich immer mehr Menschen danach, innezuhalten, um Kraft zu tanken. Was nur wenige Menschen wissen: Ordensfrauen und Klosterbrüder gibt es nicht nur in der katholischen Kirche. Evangelische Kommunitäten, wie die religiösen Lebensgemeinschaften auch genannt werden, laden ebenfalls ein zu einer Zeit der Einkehr.

Schwanberg: Urlaub im Geistlichen Zentrum

Eine Weile im Kloster leben: Dazu laden die Schwestern des Geistlichen Zentrums auf dem Schwanberg ein. Das Kloster ist weithin sichtbar: Es befindet sich auf einer markanten Erhebung im Steigerwald im Regierungsbezirk Unterfranken. Hier leben 31 evangelische Schwestern. Sie gehören zur Communität Casteller Ring und orientieren ihr Leben nach den benediktinischen Grundregeln.

Der Schwanberg ist ein tief geistlich geprägter Ort: "Die Menschen kommen hierher, weil sie Klarheit für sich und ihr Leben suchen", erklärt die Leitende Schwester Meili. "Wir Schwestern entwickeln dadurch, dass wir uns vier Mal am Tag zum gemeinsamen Gebet treffen, eine Art Gebetsluft, die viele unserer Gäste mitträgt", erzählt sie.

Beim "Kloster auf Zeit" können bis zu neun Frauen für eine kürzere oder längere Zeit dem Lebensrhythmus der Schwestern folgen. Im Südflügel des Schlosses befindet sich ein Wohntrakt mit einfachen, aber gemütlichen Zimmern, Gemeinschaftsräumen und einem romantischen Innenhof. "Es ist einfach schön, auf dem Schwanberg zu sein", erklärt Teilnehmerin Nicole Barczyk: "Ich kann abschalten und einfach so sein, wie ich bin. Die Gebetszeiten geben mir viel Kraft. Und auch die Gemeinschaft ist mir sehr wichtig. Ich habe Zeit für mich und für Gott." Das Leben im Kloster ist ruhig, aber nicht zeitlos: Vier Mal am Tag treffen sich die Schwestern zum Gebet.

 

Lagerfeuerplatz in der Communität in Selbitz

Selbitz: Klosterleben mit den Schwestern der Communität

In der Communität Christusbruderschaft Selbitz koordiniert Schwester Nicole Grochowina das Angebot "Kloster auf Zeit". In dem Ordenshaus können Frauen zwischen 18 und 40 Jahren bis zu drei Wochen in der Gemeinschaft leben. Auch hier beginnt der Tag morgens um sechs mit einem Gebet, und dann arbeiten die Gäste mit im hauswirtschaftlichen Bereich oder im Garten.

Schwester Grochowina kam selbst über eine Auszeit im Kloster auf den Gedanken, einer Kommunität beizutreten. Die promovierte Historikerin ließ sich jedoch drei Jahre Zeit, bevor sie sich für das gemeinschaftliche Leben entschied. Heute lebt sie das "coolste Leben ever", sagt Grochowina. An die Ordenstracht hat sie sich schnell gewöhnt, und ihrer Leidenschaft für die wissenschaftliche Arbeit geht sie als Privatdozentin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen nach.

 

Kapelle im Keller von Burg Triefenstein
Kapelle im Keller von Burg Triefenstein.

Triefenstein: Auszeit für junge Männer in der Christusträger-Bruderschaft

Wie sehr das Klosterleben das eigene Leben verändert, hat auch der Theologe und Liedermacher Christoph Zehendner erfahren: Der ARD-Redakteur kündigte 2011 seinen Job und lebt seither mit der Christusträger-Bruderschaft auf Kloster Triefenstein in Mainfranken. Anders als die 25 Brüder, die zölibatär leben, ist Zehendner zwar verheiratet – doch folgt er dem täglichen klösterlichen Leben.

Junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren können herkommen, um ein paar Tage oder Wochen das brüderliche Leben kennenzulernen. "Komm und folge mir nach" heißt das Programm, das im Kloster oder auf einem Gutshof im Berner Oberland angeboten wird. "Die jungen Männer erleben hier sehr realistisch, was es bedeutet, miteinander zu essen, zu beten und zu arbeiten", erklärt Zehendner.

Die durchstrukturierten Tagesabläufe mit Gebeten, Arbeit und Mahlzeit erfordern viel Disziplin. Doch kommt dieser gegenläufige Trend gut an. Das Angebot nutzen Akademiker und Handwerker ebenso wie junge Männer, die spüren, dass ihnen das Leben als Bruder zusagen könnte. Kommen kann jeder – egal, ob er einer Glaubensgemeinschaft angehört oder nicht. "Was viele hier fasziniert, ist die große theologischen Freiheit, die sie bei den Brüdern spüren – bei aller persönlichen Verbindlichkeit, die damit verbunden ist. Ein junger Mann hat sich jedenfalls nach einer Probezeit dazu entschieden, Novize zu werden, andere überlegen gerade, ob sie diesen Weg einschlagen möchten.

Das Bedürfnis nach einem Leben in einer geistlichen Gemeinschaft wächst vor allem bei älteren Menschen: "Viele Männer und Frauen interessieren sich für eine Auszeit im Kloster, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder die Berufsphase abgeschlossen ist", sagt Manuel Ritter, der landeskirchliche Referent für Spiritualität und Kirchenmusik. Entschlossen sich früher eher Zwanzigjährige für das Leben in einer religiösen Gemeinschaft, klopften heute meist gestandene Männer und Frauen an die Türen der Klöster. "Für beide Seiten gilt es hier, sehr genau zu prüfen, ob dieses Leben nur ein frommer Traum ist oder der Realität standhält", sagt Ritter.

Wenn Konflikte und Probleme auftreten

Klöster und Kommunitäten bilden offenbar für viele Menschen einen Ort, an dem sie hoffen, zur Ruhe kommen zu können und Antworten zu finden auf Sinnfragen des Lebens. Das ist nicht immer einfach. Manchmal werden die Gäste beim "Kloster auf Zeit" von ihren Emotionen überwältigt. Denn in der Ruhe kommen alte Konflikte in der Familie, Stress im Job, Erziehungsprobleme oft richtig an die Oberfläche.

Dann stehen die Schwestern und Brüder für ein seelsorgerliches Gespräch zur Verfügung. Wenn die Ehe in die Brüche gegangen ist oder die Kinder nicht mehr mit den Eltern sprechen wollen, kann dies mit einer Auszeit meist nicht gelöst werden, sondern benötigt therapeutische Hilfe. Wer aber das spirituelle Leben in einer solchen Gemeinschaft einmal erlebt hat, möchte diese Erfahrung oft nicht mehr missen. Denn mit dem spirituellen Weg ist es ein wenig wie mit Sport oder einem Musikinstrument: Erst wer regelmäßig und ausdauernd trainiert, spürt eine Veränderung.

Schwanberg Meditationsraum Haust St. Michael
Schwanberg: Meditationsraum Haust St. Michael.
Brunnen in Triefenstein
Brunnen in Triefenstein.
Kruzifix in Selbitz
Kruzifix in Selbitz
Christusträger Bruderschaft Triefenstein
Bruder Christian Hauter, Prior der Christusträger Bruderschaft, in der Kirche des Klosters Triefenstein
Kapelle im Keller von Burg Triefenstein
Kapelle im Keller von Burg Triefenstein.
Priorin Schwester Birgit-Marie Henniger der Christusbruderschaft Selbitz.
Schwester Birgit-Marie Henniger ist die neue Priorin der Christusbruderschaft Selbitz.
Christusbruderschaft Selbitz
Die Schwestern der Communität Christusbruderschaft Selbitz bei einem geselligen Abend
Schwanberg Aussenansicht mit Blumen
Schwanberg Aussenansicht mit Blumen.
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