30.06.2018
Bräuche bewahren

Fränkische Kerwa soll Immaterielles Kulturerbe werden

Manfred Scholz hat eine Mission: Er will die Kirchweih in Franken von der deutschen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkennen lassen. Beim Tag der Franken am 1. Juli in Ansbach spricht er über den Stand seines Antrags. Dem Sonntagsblatt hat er bereits vorab erzählt, worum es dabei geht.
Kirchweih Kerwa Erlangen 2015

Die Fränkische Kirchweih soll Immaterielles Kulturerbe werden - wie stehen die Chancen dafür aus Ihrer Sicht?

Manfred Scholz: Ich denke ganz gut. In der ersten Runde im Oktober 2017 hatten wir bereits rechtzeitig den Antrag gestellt, sind aber nicht berücksichtigt worden. Wir haben dann noch eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den UNESCO-Kriterien nachgeliefert, wie das unserem Verein vom Kultusministerium in München empfohlen wurde. Dabei ging es darum, die Abgrenzung der Fränkischen Kerwa von anderen Bräuchen räumlich und inhaltlich weiter auszuarbeiten. Terminlich sieht es so aus, dass es Anfang kommenden Jahres eine zweite Entscheidungsrunde gibt. Nach jetzigem Stand bin ich guten Mutes, dass es dieses Mal klappt.

Kerwa, Kerwe, Kärwa - die Schreibweise ist so unterschiedlich wie die vielen Festbräuche. Wo ist das verbindende Band?

Scholz: Die Schriftform unterscheidet sich zwischen Untermain und Fichtelgebirge schon, die Aussprache jedoch ist fast gleich. Um dieses verbindende Band zu dokumentieren, haben wir den Tourismusverband Franken gebeten, zur Unterstützung des Vorhabens eine Umfrage bei seinen Regionalverbänden zu starten, welche Kirchweih-Bräuche es wo gibt. Unterm Strich kamen sechs Bräuche und Besonderheiten heraus, die mehrheitlich überall stattfinden: Das sind der jeweils ortsspezifische Termin, Kerwa-Buben und -Mädchen aus dem Ort, ein geschmückter Kerwa-Baum, die eigenen Kerwa-Lieder, ein Umzug mit dem Kerwa-Baum und dann noch die fast überall beliebten Kerwa-Küchla, egal ob rund oder eckig.

Die Anerkennung wird von der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft (FAG) forciert. Was und wer genau steckt hinter dem Kürzel?

Scholz: Die FAG wurde vor rund 70 Jahren gegründet. Im Februar 1948 wurde in den "Nürnberger Nachrichten" der Aufruf zur Gründung einer "Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung der Rechte Frankens" publiziert, den die Herausgeber der Nürnberger Zeitungen ebenso mitunterzeichnet haben, wie Abgeordnete der Parteien und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Mitglieder setzen sich aus Privatpersonen und Kommunen wie Gemeinde, Landkreise und Bezirke zusammen. Der Zweck unseres Vereins ist die Heimat- und Kulturpflege, fränkische Geschichte und die Vertretung fränkischer Interessen.

Tag der Franken

Am Sonntag, den 01. Juli 2018, spricht Manfred Scholz über sein Herzensthema "Dorfkerwa in Franken als Immaterielles Kulturerbe" um 16.30 Uhr im Markgrafenmuseum.

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Poetry-Slam, Tonnenabschlagen und Singen im Chor - diese vermeintlich zusammenhangslosen Traditionen haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle sind Teil des immateriellen Kulturerbes - einer Sammlung lebendiger Bräuche und Riten, die der Gesellschaft Identität geben. Mittlerweile gibt es das bundesweite Verzeichnis der UNESCO seit fünf Jahren: Höchste Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen! Wir stellen Ihnen zehn ausgefallene Traditionen vor, die es auf die offizielle Liste geschafft haben.