Kommentar
Die Corona-Regeln für Gottesdienste seien "unübersichtlich und nicht nachvollziehbar" – das schreibt die Schwabacher Kirchengemeinde St. Martin in einem Brief an den bayerischen Landesbischof. Da hat sie recht, kommentiert Sonntagsblatt-Redakteur Timo Lechner – und fordert intelligente und nachdrückliche Impulse zum Leben mit Corona.
Gottesdienst in Corona-Zeiten

Die Stimmung kippt. Nicht nur bei der Schwabacher Kirchengemeinde St. Martin, die sich an den bayerischen Landesbischof gewandt hat, sich an politischer Stelle für Lockerungen im Blick auf Gottesdienste und Gemeindeleben einzusetzen. Die Regelungen seien unübersichtlich und nicht nachvollziehbar.

Neubewertung der Corona-Lage

Die Gemeinde hat recht. Und kämpft nicht nur für sich, sondern für eine generelle Neubewertung der Corona-Lage. Das betrifft auch den wenig aussagekräftigen "Inzidenzwert", der als politisch leicht händelbares Damoklesschwert über sämtlichen Planungen hängt.

Die Schwabacher Gemeinde ist da nur ein Beispiel: Ehrenamtliche und regelmäßige Besucher der Veranstaltungen sind meist älter, vollständig geimpft und umsichtige Menschen, die weniger die Angst vor dem Virus umtreibt als immer existenzieller werdende Fragen. Wie lange gibt es den Seniorenkreis oder den Kindergottesdienst noch? Wann treffe ich meine Freunde wieder? Komme ich dann noch die Treppe zum Gemeindehaus hinauf?

Intelligente und nachdrückliche Impulse zum Leben mit Corona

Nicht nur in Schwabach reibt sich mancher verwundert die Augen, zu welch bunten gesellschaftspolitischen Themen sich die Kirchenleitung regelmäßig äußert, während die Maßnahmenwillkür der Regierung kritiklos hingenommen wird. Gerade die bayerische evangelische Landeskirche unterstützt deren Kurs nicht nur ideell: In Gottesdiensten wurden Fahrdienste zu Impfzentren angeboten. Bei der Einweihung des Dekanatszentrums in Markt Einersheim war kürzlich sogar der Impfbus des Landkreises mit der Spritze vor Ort.

Es ist Zeit, dass die Kirche intelligente und nachdrückliche Impulse zum Leben mit Corona und anderen Gesundheitsrisiken gibt. Nicht weil sie für ihre "Linientreue" belohnt werden soll – sondern weil die Zukunft der Gemeinden ebenso auf dem Spiel steht wie die der Vereine und anderen Gruppierungen.

Weitere Artikel zum Thema:

Kommentar

Die Welt ist dem Menschen zur Bewahrung anvertraut.
Am 8. August 2021 findet das Augsburger Friedensfest statt. In diesem Jahr beschäftigt sich das Kulturprogramm mit dem Thema "Für_Sorge". Damit ist nicht nur die Pflege gemeint, es geht auch um soziale Gerechtigkeit, um Frauenrechte, den Klimaschutz oder das Verständnis der Religionen untereinander. Dies sind die Kernbereiche der Kirche – und gerade jetzt ist kirchliches Handeln gefordert. Ein Kommentar von Andreas Jalsovec.

Kommentar

Coronavirus (Symbolbild)
Die Corona-Pandemie ist auch eine der Zahlen: Inzidenzwerte, Neuinfektionen, neu gemeldete Todesfälle, der Anteil der Geimpften. Aus ihnen resultieren politische Entscheidungen, die unseren Alltag bestimmen. Es gibt aber auch andere Kennziffern, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Ein Kommentar von Redakteur Timo Lechner.

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*