Kurpark statt Kampenwand
Beim wohl bekanntesten evangelischen Berggottesdienst in Bayern treffen sich Hunderte zum Beten zwischen Kuhfladen und Felsblöcken. Letzten Sommer fiel der Gottesdienst an der Kampenwand ganz aus. Heuer soll er stattfinden - allerdings im Tal.
Berggottesdienst im Nebel

Mit Blick über den Chiemsee und vor einem beeindruckenden Bergpanorama kommen in normalen Zeiten jedes Jahr bis zu 400 Menschen auf der 1.437 Meter hoch gelegenen Steinlingalm am Fuße der Kampenwand zusammen, um gemeinsam zu beten. Es sei denn es regnet: Dann wird der Gottesdienst in die katholische Kirche von Aschau im Tal verlegt. So war es auch vorletztes Jahr, sodass Freunde der luftigen Veranstaltung nun schon zwei Jahre auf die besondere Atmosphäre am Berg verzichten mussten - denn letztes Jahr fiel sie wegen Corona aus.

Berggottesdienst wird zum Talgottesdienst

Eigentlich also höchste Zeit, dass es wieder auf den Berg geht. Doch die Pandemie macht den Veranstaltern auch in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Nach einigem Hin und Her soll der Gottesdienst am 18. Juli unter dem Motto "Ich brauche Segen" jetzt zwar stattfinden - aber nicht an der Kampenwand, sondern im Kurpark Bernau.

Die Besucherinnen und Besucher erwarte dennoch ein fröhlicher und stimmungsvoller Gottesdienst zu der Bitte "Ich brauche Segen", verspricht die Rosenheimer Dekanin Dagmar Häfner-Becker. Menschen sehnten sich zu allen Zeiten nach Kraft, Ermutigung, Bestätigung und Momenten der Ruhe, um das zu erfahren. Der Segen sei eine solche Quelle, die in dem Gottesdienst durch Predigt, Liturgie und Musik spürbar werden soll.

Kleinere Missverständnisse in der Bekanntgabe

Im Vorfeld gab es einige Verwirrung. Manche Gemeinden kündigten den Kampenwand-Gottesdienst schon voller Vorfreude im klassischen Format an. "Wir hatten sehr gehofft und erstmal alles so geplant", erklärt Pfarrerin Betina Heckner aus Aschau. Nach Rücksprache mit der politischen Gemeinde Aschau sei dann aber klar geworden, "dass wir kein Hygienekonzept für den Berg zustande bringen, das wir auch einhalten können". In Absprache mit der politischen Gemeinde Bernau und mit allen Mitwirkenden entschied man sich daher schließlich für einen kleineren Rahmen im Kurpark.

Wie viele Menschen nun genau kommen dürfen, werde von der tagesaktuellen Inzidenz abhängen, sagt Dekanin Häfner-Becker. Details würden kurz vor dem Termin auf der Homepage des Dekanats veröffentlicht.

Auch wenn der Berggottesdienst dieses Jahr noch immer nicht gewohnter Form stattfinden kann, freut sich der Regionalbischof von München und Oberbayern, Christian Kopp, schon auf das Fest. In den Bergen kämen Menschen dem Himmel ganz nah, sagte er. "Und dabei manchmal auch Gott", so der Theologe. Kopp wird die Predigt halten, die Liturgie übernehmen Dekanin Häfner-Becker sowie Pfarrerinnen und Pfarrer der Kirchengemeinden. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von Posaunenchören aus dem Dekanatsbezirk und den Hafenstoaner Alphornbläsern aus Aschau.

Bergottesdienst findet seit über 40 Jahren statt

Der erste Kampenwand-Gottesdienst fand 1979 statt. Ganz ausgefallen ist er seitdem laut Pfarrerin Heckner tatsächlich nur im vergangenen Jahr. "Bei schlechtem Wetter fand er meist in der katholischen Kirche in Aschau statt", berichtet sie. In diesem Jahr ist bei Regen die katholische Kirche St. Laurentius in Bernau der Ausweichort.

Eine zweite Berggottesdienst-Chance hat die Kampenwand aber im Herbst: Für den 25. September planen die Evangelischen Jugendwerke von Traunstein, Rosenheim und Freising einen kirchenkreisweiten Jugendgottesdienst mit dem Motto "Freiheit" auf der Steinlingalm. "Wir hoffen auf rege Teilnahme", sagt die Rosenheimer Dekanatsjugendreferentin Lilly Witte.

Der Trend zum Gottesdienst in luftiger Höhe nimmt seit Jahrzehnten zu. Wurden 1982 erst 30 Berggottesdienste in den oberbayerischen und Allgäuer Alpen angeboten, waren es 1989 schon über 80 und 1997 über 150. Im Jahr 2000 wurde schließlich die 300er-Marke geknackt mit mehr als 15.000 Teilnehmern und mehr als 100 Pfarrern im Einsatz. Gottesdienste im Freien boomen nach wie vor: "Inzwischen gehen wir von jährlich 800 Veranstaltungen in Bayern aus", sagte Thomas Roßmerkel, Referent für Kirche und Tourismus der bayerischen Landeskirche sonntagsblatt.de.

Die Berggottesdienst auf Deutschlands höchstem Gipfel, der Zugspitze (2.962 Meter), fallen in diesem Sommer jedoch coronabedingt erneut komplett aus. Die Kapelle dort oben sei zu klein, um Hygienemaßnahmen korrekt umzusetzen, sagte die evangelische Pfarrerin von Garmisch-Partenkirchen, Ulrike Wilhelm, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Und ein Freiluftgottesdienst wie an der Kampenwand sei aufgrund der Höhe mit Kälte und Wind keine Option. Stattdessen setzt man für die Urlauber in der Region auf Bergandachten, jeweils um 12 Uhr: dienstags auf dem Eckbauer (1.237 Meter), donnerstags auf der Kreuzalm (1.600 Meter) und samstags auf dem Wank (1.780 Meter).

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