Spendenaufruf für Geflüchtete
Noch immer leben Tausende Geflüchtete und Migrant*innen auf den griechischen Inseln in der Ost-Ägäis. Zum Teil wurden sie auf das Festland umgesiedelt, doch ihr Leiden ist damit nicht zu Ende. Die Regensburger Hilfsorganisation "Space-Eye" will helfen – und bittet um Spenden.
Moria Lesbos Flüchtlinge Flüchtlingslager
Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos im Februar 2020. Auf den griechischen Inseln harren rund 40.000 Asylsuchende in völlig überfuellten Lagern aus. Das Lager in Moria brannte im September aus.

Die Bilder des brennenden Flüchtlingslagers Moria im vergangenen Jahr auf der Insel Lesbos gingen um die Welt. Es wurde völlig zerstört. Im September 2020 bauten die griechischen Behörden ein neues Lager auf Lesbos: Kara Tepe. Doch die Bedingungen dort sind laut Hilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" keineswegs besser, die Menschen auf der Flucht kontinuierlich unterversorgt. Deshalb hat die Hilfsorganisation "Space-Eye" um den Regensburger Unternehmer Michael Buschheuer das dritte Jahr in Folge die "Winterhilfe Hellas" gestartet, um die Flüchtenden mit dem Nötigsten zu versorgen. Bis zum 6. Januar 2022 sollen warme Kleidung, Hygieneartikel, Medikamente und Schlafsäcke gesammelt werden.

Auswirkungen der Aktion "Winterhilfe Hellas"

In den vergangenen beiden Jahren konnten bei der Aktion 500 Tonnen Hilfsgüter aus Regensburg zu den Geflüchteten an die EU-Außengrenzen gebracht werden, sagte Buschheuer. Diesen Umfang werde man dieses Mal nicht erreichen. Das läge zum einen daran, dass die Zahl der Migrant*innen, die auf den griechischen Inseln in der Ost-Ägäis leben, aktuell zurückgehe. In und um die Registrierungslager auf den Inseln befänden sich derzeit noch etwa 4.500 Menschen. Im September 2020 lag die Zahl insgesamt noch bei über 40.000 Flüchtlingen und Migranten. Grund für den Rückgang ist, dass die griechische Regierung vor allem Ältere, Kranke und Familien von den Inseln aufs Festland holt. Viele haben dort mittlerweile Asyl erhalten.

Die Lage in den Lagern habe sich zwar "latent verbessert", dennoch bestehe nach wie vor "intensiver Bedarf", sagte Buschheuer. Die Menschen dort schliefen in Zelten, es gebe kein fließendes Wasser, keine Duschen und zu wenige Toiletten:

"Wir wollen jetzt gezielt liefern, was benötigt wird."

Das Spendenprojekt der Hilfsorganisation "Space-Eye" in Regensburg

Der 44-jährige Buschheuer gründete im Jahr 2015 zusammen mit seiner Familie und Freunden die NGO "Sea-Eye", die mit ihren Schiffen nach eigenen Angaben seither mehr als 15.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat. 2018 folgte die Gründung von "Space-Eye" und die Arbeit an humanitären Projekten in Europa. So betreibt "Space-Eye" auf Samos, Lesbos und Athen auch Housing-Projekte. Hier werden obdachlose Geflüchtete mit festen Wohnungen versorgt. Auch in Regensburg existiert ein Second-Life-Haus von "Space-Eye", es ist ein Wohnhaus, in dem sieben Familien leben, die aus Griechenland evakuiert worden sind.

Nun haben die Initiatoren die Gerner-Halle im Regensburger Hafen gemietet, um Hilfsgüter zu sammeln. Dort werde die eintreffende Ware sortiert, verpackt, chargiert, in den Container verstaut und nach Athen transportiert. Die Spendenbereitschaft sei hoch, das hätten Erfahrungen der ersten beiden Aktionen gezeigt, sagte Buschheuer.

"Wenn Sie einen Helfer auf der einen Seite und auf der anderen Seite Menschen haben, die die Hilfe dringend brauchen, dann denken Sie nicht ans Aufhören."

Geplant sei die Sammlung von etwa vier Containern Hilfsgütern, die etwa 100 Tonnen entsprächen, erläuterte Buschheuer. Ein erster Container werde noch vor Weihnachten Athen erreichen. Von dort werde die Ware weiter geleitet, auch auf die griechischen Inseln. Fast täglich versuchen Migranten von der Türkei aus per Boot auf die griechischen Inseln und in die EU zu gelangen. Wenn sie nicht von der Küstenwache abgefangen und zurückgeschickt werden oder ihr Boot kentert und sie ertrinken, stranden sie in Lagern auf den Inseln Samos, Lesbos, Chios oder Kos.

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