10.04.2020
Aktion in Nürnberg

Haus "eckstein" in Nürnberg bietet Bedürftigen Frühstück "to go"

Aus einem Fenster im ersten Stock des Haus "eckstein" in Nürnberg beugt sich ein junger Mann aus einem Fenster. Er verteilt Hilfspakete an bedürftige Menschen. Auch an Karfreitag werden die Tüten ausgegeben.
Aus einem Fenster im ersten Stock des Haus "eckstein" in Nürnberg lässt ein junger mit Schutzhandschuhen und Einweghandschuhen eine grüne Kiste mit Lebensmitteltüten für die Obdachlosen hinab.

Sein Gesicht hinter einer Schutzmaske verborgen, seine Hände in Einweghandschuhen, lässt er an einem Seil langsam eine feste grüne Plastik-Kiste ab. Sie rutscht auf einem an die Hauswand angelehnten Biertisch herunter: nun ist der Transport der braunen Papiertüte mit Lebensmitteln bei seiner Empfängerin angekommen. Die Frau nimmt sie, grüßt nach oben und geht zur Seite.

Das Team des Obdachlosen-Frühstück hat an alles gedacht, was die Ämter vorschreiben. So können hier im winzigen Ellenbogengässchen Menschen, die auf der Straße leben oder andere bedürftige Bürger hier in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen ihr Frühstück to go abholen. Bis zum Sebalder Kirchplatz sind pinkfarbene Punkte in eineinhalb Meter Abstand aufgeklebt, damit sich die Gäste beim Warten nicht zu nahe kommen.

Für Obdachlose und bedürftige Menschen seien die Corona-Zeiten besonders schwierig, stellt Diakonin Ute Kollewe fest. Keiner steckt ihnen einen Euro zu, keiner kauft ihnen ein Brötchen und gibt es ihnen, und Pfandflaschen zum Sammeln sind nicht mehr da. Das sonntägliche Obdachlosen-Frühstück der Innenstadtgemeinden muss auch ausfallen. Und so entstand die Idee des Obdachlosen-Frühstücks zum Mitnehmen.

Hilfe für Obdachlose

Freitag ist der einzige Tag, an dem die Wärmestube, bei der inzwischen auch Essenpakete aus dem Fenster gereicht werden, geschlossen hat. Man wollte diese Lücke schließen, erklärt Kollewe. Aus gespendeten Waren und Lebensmitteln, die von Geldspenden aus den evangelischen und katholischen Gemeinden gekauft werden, hat das Team am vergangenen Freitag 120 Tüten gepackt. Wurst und Käse sind darin, Brot, Nescafé, Schokolade oder Fischkonserven. Die Tüten sind gleich und gerecht gepackt, erklärt Kollewe. Der 50. Hilfesuchende erhalte das gleiche wie der erste.

Studentin Julia Funke macht seit Jahren in der Jugendarbeit der Gemeinde mit und hilft regelmäßig bei der Obdachlosen-Weihnachtsfeier, erzählt sie. Derzeit lernt sie auf ihr Examen, aber sie braucht vom Büffeln auch mal Abwechslung, da will ich lieber hier etwas anpacken. Sie hat sich dem Organisationsteam des Frühstücks to go angeschlossen.

Das akquiriert Spenden, macht den Plan für Lieferungen und Abholungen, sortiert Waren. Menschen mit geringem Einkommen hätten derzeit auch das Problem, dass gerade die billigsten Lebensmitteln in den Supermärkten von Hamsterkäufern weggekauft seien, stellt Julia aufgebracht fest. Das gefährdet die Existenz der Bedürftigen.

Auch der Schüler Samuel Bammessel packt bei dem Obdachlosen-Frühstück mit an. Weil das Internat des Windsbacher Knabenchors, in dem er sonst wohnt, geschlossen ist, hat er gerade viel Zeit. Die nutze ich jetzt, um Leuten eine Chance zu geben, die es nicht so leicht haben. Das sei ein schönes Gefühl sagt er.

Auch an Karfreitag packen die Helferinnen und Helfer im eckstein wieder die Tüten.

Hinein kommt diesmal auch eine Osterüberraschung. Ute Kollewe sagt, wer bedürftig ist, wird den Weg hierher finden. Und wenn einmal mehr als 120 kommen, zitiert die Diakonin diesen Satz: Fünf sind geladen, zehn sind gekommen - gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen

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