Pfingstbewegung und evangelische Kirche
Pfingstkirchen erleben in den vergangenen Jahren einen starken Aufschwung. Dabei werden die charismatischen Bewegungen zunehmend kritisch gesehen. Eine Orientierungshilfe der EKD nimmt das Phänomen unter die Lupe – hier die wichtigsten Daten und Fakten.
Pfingstkirche in Brasilien
Eine Pfingstkirche in Brasilien

Die Orientierungshilfe der EKD zu Pfingstkirchen umfasst knapp 300 Seiten. Hier haben wir für euch die wichtigsten Inhalte rund um die Pfingstbewegung und charismatische Gemeinden zusammengefasst: 

1. Kirchengemeinden werden weltweit vielfältiger – und kleiner

Weltweit werden Kirchengemeinden immer vielfältiger. Neben den großen Kirchengemeinschaften bilden sich immer mehr und kleinere Splittergruppen. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen dem globalen Norden und Süden. In Europa sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder stetig.

Dies gilt nicht für die Pfingstkirchen, die ein vergleichsweise gutes Wachstum aufweisen. Insgesamt aber nimmt die Verbreitung des christlichen Glaubens ab.

Im Gegensatz dazu verbreitet sich das Christentum in vielen Ländern des globalen Südens weiter stark. Besonders in Großstädten ist ein stetiges Wachstum zu beobachten.  Pfingstkirchen spielen dabei eine große Rolle.

2. Was ist die Pfingstbewegung? 

Die Pfingstkirchen sind eine weltweite und missionarische Bewegung. Die Kirchen betonen die enge Verbindung von Heilung und Heil oder Erlösung. Dabei rücken sie enthusiastische und emotionale Erfahrungen ins Zentrum ihrer Frömmigkeit und deuten diese als Manifestationen des Heiligen Geistes.

Viele Pfingstkirchen haben auch etwas Apokalyptisches: Die Gläubigen spekulieren über das Ende der Welt und formulieren wilde Vorhersagen über die Wiederkunft Jesu, von denen sich die Prediger*innen auch durch vielfache Widerlegung und nicht eingetroffene Prophezeiungen nicht abbringen lassen. Als Ziel wird die Missionierung der ganzen Welt genannt. Auch wenn das etwas unrealistisch erscheinen mag: Die Ausbreitung und das Wachstum der Bewegung sind außergewöhnlich.

3. Anfänge der Pfingstbewegung 

Die historischen und theologischen Wurzeln der Pfingstbewegung reichen zurück in die nordamerikanische Heiligungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kam es dann an vielen Orten der Welt zu charismatischen Erneuerungsbewegungen. Obwohl das Phänomen weltweit auftritt, ist die Pfingstbewegung eher lose, hinter ihr steht keine klar und verbindlich organisierte Struktur. Die Gemeinden passen sich oft an kulturelle Gegebenheiten vor Ort an. 

4. Organisationsformen, Strukturen und Einfluss der Pfingstbewegung 

25 Prozent aller Christen weltweit gehören einer Pfingstgemeinde an. Das entspricht insgesamt 615 Millionen Menschen weltweit. In Deutschland ist die Pfingstbewegung zum großen Teil im Bund der "Freikirchlichen Pfingstgemeinden" organisiert. Bundesweit gibt es rund 65 Gemeinden, die insgesamt 850.000 Mitglieder haben.  Neben alteingesessenen Gemeinden, gibt es auch ausschließlich über Social-Media geführte Popup-Kirchengemeinden. 

Dazu gibt es einen Prozess, der Charismatisierung genannt wird. Darunter versteht man den Einfluss der Pfingstkirchen auf historische Kirchengemeinden, der zur Folge hat, dass deren Gottesdienste, Gebetspraxen oder das Gemeinschaftsleben sich verändern und charismatischer werden. Neben spirituellen Sitten werden dabei teilweise auch grundlegende kirchliche Sichtweisen neu definiert. So wird oft auch die Auslegung der Bibel abgewandelt oder die Herangehensweise an moralische Fragen angepasst. 

5. Theologische Lehren der Pfingstkirchen

Die Lehren, die in Pfingstkirchen vertreten werden sind gelinde gesagt umstritten. Einige theologischen Standpunkte, die die Pfingstkirchen propagieren: 

  • Neben den normalen biblischem Lehren steht die direkte Erfahrung des Heiligen Geists im Zentrum.
  • Die Taufe verstehen die Pfingstgemeinden als Glaubenstaufe, die nur mündige Kinder erhalten können.
  • Die Bibel sehen sie als widerspruchsfrei und unfehlbar an.
  • Die Evolutionstheorie lehnen sie ab.
  • Homosexualität, außerehelicher Geschlechtsverkehr und Schwangerschaftsabbruch werden nicht akzeptiert. 

In von Armut geprägten Pfingstgemeinden im globalen Süden wird zudem oft das sogenannte "Wohlstandsevangelium" gelehrt, das die religiöse Lebensführung in einen direkten Zusammenhang mit dem persönlichen Lebenserfolg stellt. Nach dieser Lehre werden sehr gläubige Menschen sehr reich. 

6. Umgang mit den Pfingstkirchen 

Das Verhältnis der Pfingstkirchen zu den historisch-protestantischen Kirchen ist angespannt. Die Pfingstkirchen werfen den traditionellen Kirchen oft vor, nicht gläubig genug zu sein. Andersherum kritisieren traditionelle Konfessionskirchen, dass die Geistkraft Gottes in den Pfingstkirchen für bestimmte Zwecke (Geld, Macht) instrumentalisiert werde.

Die neue Orientierungshilfe der EKD möchte allerdings dazu anregen, diesen Dauerzustand zu beenden und zu einem konstruktiven Dialog zu finden.  Denn neben vielen Uneinigkeiten gebe es auch gemeinsame Interessen: "Sie sind sich ihrer gemeinsamen protestantischen Wurzeln bewusst, finden aber andere Ausdrucksformen für ihren Glauben" heißt es über Frei- und Amtskirchen.

Sehr kritisch klingt das nicht. Immerhin merkt die EKD-Schrift aber an:  Kontroversen gebe es vor allem in Fragen des Lebensstils und der sexuellen Orientierung

 

Falls Ihr weitere Informationen rund um die Pfingstkirchen haben wollt, könnt Ihr hier die ganze Orientierungshilfe der EKD als PDF abrufen. 

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